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03.11.2017

11:45 Uhr

Frauenkarrieren

Am Ende geht es nur ums Geld

Von: Henrike von Platen

Gastbeitrag  Die Psychologin Martina Lackner hat in dieser Woche geschrieben, dass Frauen zu nett für eine Karriere seien. WiWo-Volontärin Milena Merten entgegnete, das System sei schuld. Doch eigentlich liegt es an der Bezahlung.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) spricht am 20.03.2015 am Brandenburger Tor in Berlin anlässlich des «Equal Pay Day». dpa

Bei der Debatte um Frauenkarrieren sollte es auch um Gehälter gehen, findet Henrike von Platen.

Man kann sich das Geld für die Förderung von Frauen auch schenken, schrieb Martina Lackner in einem Gastkommentar für wiwo.de. Die seien lieber nett und wollten sich im Berufsleben eh nicht durchsetzen.

Stimmt nicht, das System ist faul und hindert Frauen an der Karriere, entgegnete ihr WiWo-Volontärin Milena Merten.

Beide haben recht. Ändern muss sich trotzdem eine ganze Menge – vor allem auf den Gehaltszetteln der Frauen. Wer schlechter bezahlt wird, bleibt natürlich lieber auf dem Sofa sitzen. Am Ende geht es nämlich immer nur um eins: Ums Geld.

Henrike von Platen Presse

Henrike von Platen gründete 2017 das FPI Fair Pay Innovation Lab, das Unternehmen bei der praktischen Umsetzung nachhaltiger Entgeltstrategien unterstützt. Die Finanzexpertin, Wirtschaftsinformatikerin und Hochschulrätin gehört zu den Begründerinnen des Aktionstags Equal Pay Day.

Foto: Oliver Betke

Frauen entscheiden sich im Zweifel für Bequemlichkeit, sehnen sich nach Wohlfühlatmosphäre und sind in Sachen Altersarmut furchtbar kurzsichtig – zu diesem Schluss kommt Lackner. Anstatt all die Chancen zu ergreifen, die sie dank hervorragender Ausbildung, Frauenquoten und den Bemühungen der Politik um Vereinbarkeit hätten, zögen sie sich mit ihren Kindern ins heimische Bullerbü zurück.

Anstatt sich durchzusetzen, beobachtet die Psychologin, Psychotherapeutin und Autorin, dass sie auf Geld und auf Erfolg verzichten und ihre Studienabschlüsse, Promotionen und Karrierechancen lieber auf dem Spielplatz verplempern – weil es dort viel netter zugeht als in den Vorstandsetagen dieser Welt, wo ein ganz anderer Wind weht. Ihr Fazit: Frauen auszubilden und zu fördern sei volkswirtschaftlicher Unsinn.

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Frauen scheitern an Chauvis, gläserner Decke und fehlender Förderung, heißt es. Tatsächlich sind oft Frauen lieber nett als durchsetzungsstark. So lange das so ist, kann man sich das Geld für die Förderung schenken.

Doch will sie damit tatsächlich zurück ins Mittelalter, wie Milena Merten entgegnete? Oder gleich allen Frauen einen Chefposten verpassen, weil nur das eine „echte“ Karriere sei?

Es ist tatsächlich eine unfassbare volkswirtschaftliche Verschwendung, wenn gut ausgebildete Frauen dem Arbeitsmarkt nach der Geburt ihrer Kinder fernbleiben oder nur noch am Rande darin auftauchen. Es ist eine Katastrophe, wenn vier Fünftel der arbeitnehmenden Frauen (so viele bekommen Kinder) am Ende ihres zerstückelten Erwerbslebens Altersarmut riskieren. Es ist sogar so ungefähr das Dümmste, was einem Land angesichts drohenden Fachkräftemangels passieren kann.

Allerdings ist der Grund für diese Katastrophe nicht, dass Frauen lieber nett sind, als sich im Job durchzusetzen. Der Grund dafür, dass Frauen zu Hause bleiben ist meist ganz einfach Geld. Denn die bittere Wahrheit ist: Frauen verdienen weniger als Männer. Und zwar im Schnitt 21 Prozent.

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