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09.08.2017

16:00 Uhr

Junge Führungskräfte

Manager bleiben lieber zu Hause, als ins Ausland zu gehen

Von: Lin Freitag

  Wer Karriere machen will, muss mal im Ausland arbeiten. Doch inzwischen scheuen viele Nachwuchskräfte das Leben als Expat. Sie bleiben lieber zu Hause in Deutschland. Für die Unternehmen wird das zunehmend zum Problem.

Illustration: Miriam Migliazzi & Mart Klein

Kurz nachdem Greta Rose von ihrer zweiten Schwangerschaft erfährt, sucht sie das Gespräch mit ihrem Chef. Aber nicht um ihm mitzuteilen, bald weniger arbeiten zu wollen. Ganz im Gegenteil – sie will mit ihm über den nächsten Karriereschritt sprechen. Rose möchte ins Ausland. Und das am liebsten mit den Kindern. Weil die Kleinen dann spielerisch die Sprache erlernen und die Erwachsenen schneller private Kontakte knüpfen, im Sandkasten, in der Kita, auf Schulfesten und Elternabenden. Asien oder Dubai wären schön. Oder die USA.

Leute wie Rose werden seltener

Im Juli 2016 bezieht Greta Rose ihr neues Zuhause in Los Angeles. Für ihren Arbeitgeber, den Konsumgüterhersteller Henkel, soll sie dort eine Zentrale für die professionellen Haarpflegelinien im Sortiment aufbauen. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern drei neue Marken eingekauft. Rose soll sie in einem neuen Hauptquartier in der kalifornischen Metropole ansiedeln.

Familie Rose in Los Angeles. Gabor Ekecs für WirtschaftsWoche

American Dream: Familie Rose in L.A. Die Managerin hat Familienplanung und Auslandseinsatz aufeinander abgestimmt

Eine Herausforderung, doch Rose sah sofort ihre Chance. „Amerika ist für Henkel ein wichtiger Markt, außerdem kann ich in der Position in kurzer Zeit viel gestalten“, sagt Rose. Natürlich geht es aber auch um sie persönlich. „Ich möchte weiter aufsteigen.“ Doch mit dieser Einstellung steht sie mittlerweile recht alleine da. Was für Greta Rose der logische nächste Karriereschritt bedeutet, erscheint vielen eher als Albtraum.

Laut einer aktuellen Studie des Personaldienstleisters Manpower kommt es für 38 Prozent der Deutschen nicht mal infrage, für einen Job auch nur die Stadt zu wechseln. Geschweige denn das Land. 2014 führte das Beratungsunternehmen BCG eine weltweite Befragung zum Thema Jobmobilität durch. Demnach waren nur 44 Prozent der Deutschen bereit, für eine neue Position längere Zeit ins Ausland zu gehen. Zum Vergleich: Weltweit waren es immerhin durchschnittlich 63 Prozent.

"Die Leute wollen nicht weg"

Allianz-Chef Oliver Bäte beklagte die Zurückhaltung im vergangenen Jahr sogar öffentlich. „Leider sind manche Menschen in großen Unternehmen irgendwann nicht mehr bereit, Abstriche zu machen“, sagte er in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. In München sei es einfach zu schön, da wollten die Leute nicht weg: „Schon gar nicht nach Bangkok oder Jakarta oder Ho-Chi-Minh-Stadt, wo es gefährlich sein soll“, sagte Bäte, „das ist Teil unserer deutschen Kultur in Großkonzernen.“

Das gilt für die Vertreter der Generation Y, die immer häufiger die Führungsetagen der Unternehmen besetzen, mehr denn je. Häufig werden sie als Generation Nesthocker oder Bausparvertrag verhöhnt. „Die Veränderungsbereitschaft der Endzwanziger bis Enddreißiger ist stark gesunken“, sagt Klaus Hansen, Managing Partner der Personalberatung Odgers Berndtson. „Sie setzen andere Prioritäten, kaufen früh ein Haus oder gründen eine Familie.“ Das bestätigt auch eine Umfrage unter den Vordenkern, einer Gruppe junger Führungskräfte, die von der WirtschaftsWoche in Kooperation mit der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) befragt wurde. Von den 320 Mitgliedern haben 120 teilgenommen.

64 Prozent von ihnen sind zwar der Meinung, dass ein Auslandsaufenthalt attraktiv ist, dazu kommen noch einmal 27 Prozent, die eine Entsendung als „eher attraktiv“ bewerten. Aktuell arbeiten aber nur sieben Prozent der Vordenker im Ausland. Und nur 31 Prozent planen fest, dies in Zukunft zu tun.

Für die Unternehmen ein echtes Problem. Einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte zufolge, fehlten bereits im Jahr 2008 bei 32 Prozent der befragten deutschen Firmen qualifizierte Mitarbeiter für den Auslandseinsatz. Der Trend dürfte sich seither noch verschärft haben. Denn auch wenn es für viele Nachwuchskräfte nicht mehr infrage kommt, gilt für die meisten Unternehmen mehr denn je: Karriere macht nur, wer auch mal im Ausland gearbeitet hat. Die entsendeten Manager sehen die Welt und ihr Unternehmen aus einer anderen Perspektive, bekommen Einblick in andere Kulturen und Märkte und lernen neue Sprachen. Regionale Besonderheiten können wiederum Inspiration für das Geschäft zu Hause liefern.

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