WirtschaftsWoche

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12.11.2017

12:00 Uhr

Recruiting

Passt menschlich nicht! Na und?

Von: Kristin Schmidt

exklusiv  Kaum ein Unternehmen achtet darauf, ob Bewerber menschlich in den Betrieb passen – obwohl sie wissen, wie wichtig diese Übereinstimmung ist. Welche Auswirkungen das hat, zeigt eine exklusive Studie.

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Beim liechtensteiner Werkzeughersteller Hilti hat es oberste Priorität, dass die Mitarbeiter zum Unternehmen passen. Das gilt für alle Hierarchiestufen – auch für den Vorstand. In diesen obersten Führungszirkel gelangen deshalb schon seit Jahrzehnten nur noch interne Aufsteiger, wie Matthias Gillner. Er ist im Vorstand unter anderem für die Themen IT und Personal verantwortlich und seit 17 Jahren bei Hilti. Seitdem ist Gillner mehrere Male aufgestiegen und jedes Mal weit über das Fachliche hinaus geprüft worden.

Wie entwickelt er seine Angestellten weiter? Was schreiben diese in der Mitarbeiterbefragung über ihren Chef? Welche Rolle spielen die Unternehmenswerte in seiner alltäglichen Führung? Nur wer sowohl fachlich exzellent als auch sozial kompetent ist, wird befördert. Außerdem leistet sich Hilti 70 festangestellte Coaches, die sich ausschließlich um die Vermittlung und Weiterentwicklung der Unternehmenskultur kümmern. Denn nur wer seine Kultur kennt, kann auch die passenden Angestellten finden.

Doch obwohl diese Erkenntnis scheinbar unstrittig ist, wenden sie nur wenige Unternehmen an. Das zeigt eine neue Studie der Online-Jobbörse Stepstone, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. Darin haben 4000 Personalentscheider Fragen rund um den sogenannten Cultural Fit beantwortet. Der Begriff beschreibt, wie gut Werte und Verhaltensweisen von Bewerbern und Unternehmen korrespondieren.  

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Passen Bewerber und Betrieb nicht zusammen, bleibt die Stelle offen. Damit das nicht passiert, müssen sich Personaler klar sein, welche Kultur wirklich in einem Team herrscht – und ihre Mitarbeiterauswahl überarbeiten.

Die zentrale Aussage: Zwar bewerten 93 Prozent der Befragten diesen Cultural Fit als sehr wichtig oder eher wichtig. Dennoch prüfen nur 41 Prozent der Personalentscheider im Einstellungsprozess, ob die Bewerber auch menschlich zur Firma passen.

Nanu? Wie passt dieser Gegensatz zusammen? Warum ignorieren Personaler die menschliche Komponente, wenn sie doch um deren Wichtigkeit wissen?

Auch hierzu liefert die Stepstone-Studie eine Antwort. Denn mehr als 40 Prozent der Befragten wissen überhaupt nicht, welche Wertvorstellungen das eigene Unternehmen vertritt oder was ihre Unternehmenskultur ausmacht. Nur wer darüber Bescheid weiß, kann auch die passenden Mitarbeiter finden. Außerdem sind formale Kriterien wie Universitätsabschluss, Noten oder Fremdsprachenkenntnisse natürlich deutlich einfacher zu überprüfen.

„Es wird zu wenig auf die kulturelle Passung geachtet“

Dieses Problem kennt auch Nicolas von Rosty, Deutschland-Geschäftsführer der Personalberatung Spencer Stuart: „Insgesamt wird zu wenig auf die kulturelle Passung geachtet“, bemängelt er. „Viele Unternehmer und Aufsichtsräte wissen gar nicht, dass diese überhaupt messbar ist.“

Auch diese Erkenntnis spiegelt sich in der Studie von Stepstone wieder. Denn nur 15 Prozent der befragten Arbeitgeber nutzen systematische Verfahren, wie Persönlichkeitstests oder leitfadengestützte Interviews. „Personalexperten verlassen sich bei der Frage, ob ein Bewerber menschlich zur Firma passt, oft auf ihren persönlichen Eindruck“, sagt Sebastian Dettmers, Geschäftsführer bei StepStone. Der sei ohne Zweifel wichtig. „Allerdings zeigen unsere Studienergebnisse, dass Unternehmen erfolgreicher arbeiten, wenn sie den Cultural Fit zusätzlich systematisch überprüfen, zum Beispiel mit Hilfe von IT-gestützten Tests.“

Was eine intakte Unternehmenskultur ausmacht

Strikte Marktorientierung

Wer zukunftsfähig bleiben will, muss sich an den Impulsen orientieren, die seine Kunden vorgeben.

Hohe Identifikation

Nur wer hinter den Produkten und Leistungen seines Unternehmens steht, trägt zu dessen Weiterentwicklung bei.

Klare Kommunikation

Wer von seinen Mitarbeitern Orientierung an vorgegebenen Werten erwartet, muss diese verbindlich kommunizieren.

Starke Vorbilder

Damit die Kultur das ganze Unternehmen durchdringt, müssen Führungskräfte diese Werte glaubhaft vorleben.

Die überwältigende Mehrheit derjenigen, die solche Instrumente im Bewerbungsprozess einsetzen, gab an, die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter dadurch steigern zu können. 70 Prozent konnten gar die Fluktuation eindämmen. Zweidrittel erklärten, Erkenntnisse über die Kandidaten erlangt zu haben, die ihnen sonst verborgen geblieben wären.

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