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08.09.2017

16:00 Uhr

Schlafmangel

Müde Menschen treffen riskante Entscheidungen

Von: Rebecca Welsch

  Müde Menschen sind risikobereiter, als ausgeschlafene. Eine aktuelle Studie der Universität Zürich belegt, warum vor allem Führungspersonen genug Schlaf brauchen, um Entscheidungen zu treffen. Sonst kann es teuer werden.

Müdigkeit erhöht Risiko. Fotolia

Menschen mit wenig Schlaf gehen oft mehr Risiko ein.

Angela Merkel sagte einmal, dass sie ein paar Tage lang mit vier Stunden Schlaf pro Nacht auskomme: „Ich habe eine kamelartige Fähigkeit, den Schlaf zu speichern". Den fehlenden Schlaf würde sie dann an den Wochenenden nachholen. Das funktioniert aber auch bei ihr nicht auf Dauer. Wenn die Bundeskanzlerin „einigermaßen konstante Laune“ haben will, müsse es mehr Schlaf sein, wie sie in der "Rheinischen Post" bekannte.

Dass zu wenig Schlaf für schlechte Laune sorgt und die Leistung mindert, ist bekannt. Wissenschaftler der Universität Zürich (UZH) nun aber heraus, dass zu wenig Schlaf auch die Risikobereitschaft erhöht.

Die Studie im Detail: Die Schlaf- und Neuroökonomie-Wissenschaftler setzten 14 männliche Studenten zwischen 18 und 28 Jahren auf Schlafentzug: Statt der normalen, etwa acht Stunden Schlaf pro Nacht, durften sie eine Woche lang nur fünf Stunden schlafen - für so manchen Manager sind fünf Stunden Schlaf eine lange, erholsame Nacht.

Wie viele Stunden verschiedene Personengruppen im Durchschnitt schlafen

gesamter Durchschnitt

Insgesamt schläft der Mensch unter der Woche durchschnittlich 7,01 Stunden und am Wochenende 7,88 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Männer

Männer schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,00 Stunden und am Wochenende 7,93 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Frauen

Frauen schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,01 Stunden und am Wochenende 7,83 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Verheiratete

Verheiratete schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,01 Stunden und am Wochenende 7,75 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Singles

Singeles schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,06 Stunden und am Wochenende 8,49 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Geschiedene

Geschiedene schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,85 Stunden und am Wochenende 7,69 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Getrennt

Getrennt lebende schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,76 Stunden und am Wochenende 7,61 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Verwitwete

Verwitwete schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,02 Stunden und am Wochenende 7,27 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Beschäftigte

Beschäftigte schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,88 Stunden und am Wochenende 8,08 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Selbstständige

Selbstständige schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,94 Stunden und am Wochenende 7,83 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Rentner

Personen in Rente schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,20 Stunden und am Wochenende 7,37 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Erwerbslose

Erwerbslose schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,04 Stunden und am Wochenende 7,65 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Beamte

Beamte schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,80 Stunden und am Wochenende 8,03 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Auszubildende

Auszubildende schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,07 Stunden und am Wochenende 8,96 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Sehr gute Gesundheit

Personen mit einer sehr guten Gesundheit schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,20 Stunden und am Wochenende 8,38 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Gute Gesundheit

Personen mit guter Gesundheit schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,09 Stunden und am Wochenende 8,11 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Befriedigende Gesundheit

Personen mit befriedigender Gesundheit schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,99 Stunden und am Wochenende 7,78 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Schlechte Gesundheit

Personen mit schlechter Gesundheit schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,75 Stunden und am Wochenende 7,33 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Hohes Bildungsniveau

Personen mit einem hohen Bildungsniveau schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,01 Stunden und am Wochenende 7,88 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Mittleres Bildungsniveau

Personen mit einem mittleren Bildungsniveau schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,00 Stunden und am Wochenende 7,85 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Niedriges Bildungsniveau

Personen mit einem niedrigen Bildungsniveau schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,00 Stunden und am Wochenende 7,78 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Kinderlose

Kinderlose schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,05 Stunden und am Wochenende 7,84 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Personen mit einem Kind

Personen mit einem Kind schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,92 Stunden und am Wochenende 8,06 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Person mit zwei Kindern

Personen mit zwei Kindern schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,87 Stunden und am Wochenende 7,93 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Personen mit drei und mehr Kindern

Personen mit drei und mehr Kindern schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,85 Stunden und am Wochenende 7,87 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

15- bis 20-Jährige

Personen im Alter von 15 bis 20 Jahren schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,26 Stunden und am Wochenende 9,20 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

21- bis 30-Jährige

Personen im Alter von 21 bis 30 Jahren schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,10 Stunden und am Wochenende 8,56 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

31- bis 40-Jährige

Personen im Alter von 31 bis 40 Jahren schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,92 Stunden und am Wochenende 8,01 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

41- bis 50-Jährige

Personen im Alter von 41 bis 50 Jahren schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,83 Stunden und am Wochenende 7,93 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

51- bis 60-Jährige

Personen im Alter von 51 bis 60 Jahren schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,84 Stunden und am Wochenende 7,72 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Über 60-Jährige

Personen über 60 Jahre schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,10 Stunden und am Wochenende 7,61 Stunden.

Quelle: DIW, SOEP

Täglich untersuchten die Forscher das Risikoverhalten der müden Probanden. Dafür mussten die Studenten zweimal täglich entscheiden, ob sie sofort einen kleineren Geldbetrag bekommen oder lieber um eine größere Geldmenge wetten wollen. Der maximale Gewinn lag bei 100 Franken. Das Risiko stieg mit der Gewinnsumme. Wer sich also dafür entschied, auf viel Geld zu wetten, steigerte so auch die Wahrscheinlichkeit, viel zu verlieren.

Das Resultat: Eine einzelne kurze Nacht hatte keinen Einfluss auf die Risikobereitschaft, während eine ganze Woche starke Auswirkungen hatte: Elf der 14 Studienteilnehmer zeigten sich nach der Woche mit reduziertem Schlaf risikobereiter als zuvor. "Es lassen sich keine Prozentzahlen aus den Ergebnissen errechnen", räumt Christian Baumann, Leiter des Klinischen Forschungsschwerpunkts „Sleep and Health“ der UZH, ein. Die Ergebnisse zeigten jedoch deutlich, dass die Risikobereitschaft bei zu wenig Schlaf signifikant höher sei. Das Alter der Studenten habe übrigens nichts mit dem Resultat der Studie zu tun.

Schlaf und Mangel: Müde Menschen kosten die Wirtschaft Milliarden

Schlaf und Mangel

Müde Menschen kosten die Wirtschaft Milliarden

Über Schlafen wird viel diskutiert. Wie viel reicht aus, was ist zu wenig? Fakt ist: Müde Menschen kosten die deutsche Wirtschaft jedes Jahr knapp 57 Milliarden Euro. Kosten für gesundheitliche Schäden kommen noch hinzu.

Die Wissenschaftler wiesen außerdem zum ersten Mal nach, dass eine niedrige Schlaftiefe im rechten präfrontalen Kortex, einem Teil der Großhirnrinde, direkt mit vermehrtem Risikoverhalten zusammenhängt. Dieses Gebiet der Hirnrinde wurde schon früher mit Risikoverhalten assoziiert.

Die Wissenschaftler nehmen an, dass der präfrontale Kortex anatomisch-funktionelle Verhaltensänderungen hervorruft, wenn er sich nicht genügend erholen kann. Was bei chronischem Schlafmangel der Fall ist. Denn eine regenerative Wirkung des Schlafs stellt sich erst nach mehreren Stunden ein.

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