WirtschaftsWoche

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08.01.2018

09:59 Uhr

Keine Lust auf Regeln

Querdenker sind als Selbstständige besser dran

Von: Osia Katsidou

  "Wir suchen Kreative, Querdenker, Unangepasste" - sagen Unternehmen. Nur: Haben sie diese gefunden, sind sie mit ihnen unzufrieden. Querdenker ecken an – und haben als Gründer die besseren Chancen. Oder bei Facebook.

Wer gegen den Strich gebürstet ist, passt häufig nicht so gut in ein Unternehmen wie Personaler und man selbst vielleicht meint. Fotolia

Wer gegen den Strich gebürstet ist, passt häufig nicht so gut in ein Unternehmen wie Personaler und man selbst vielleicht meint.

Lisa ist 32 Jahre alt und in der Presseabteilung eines Unternehmens tätig. Sie gerät immer wieder mit ihrem Chef aneinander: "Ich sage, was ich denke und lache auch nicht, wenn ich einen seiner Scherze nicht lustig finde." Dass sie sich dem Vorgesetzten nicht immer fügt, hat hier und da schon mal für Probleme gesorgt und an einem Punkt fast zur Kündigung geführt.

Unangepasste Menschen sollten Unternehmen eigentlich suchen, denn sie gelten als visionär und besonders innovativ. Doch sie stellen auch Hierarchien infrage und sind deshalb für Vorgesetzte oft ungemütlich.

"Querdenker werden in Arbeitswelten als 'gefährlich' empfunden", sagt Dr. Regina Ruppert, Vizepräsidentin im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater. "Gerade im Bewerbungsprozess, wo es klare Standards und Vorgehensweisen gibt. Je konservativer das Unternehmen ist, umso wichtiger ist dem Arbeitgeber die Einhaltung der Standards."

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In deutschen Führungsetagen herrscht zu viel Gleichheit. Das mag harmonisch sein, führt aber nicht zum Erfolg. Unternehmen brauchen mehr Querdenker – unangepasste Führungskräfte, die Gewohntes in Frage stellen.

Vor allem im wertekonservativen, mittelstandsgeprägten Deutschland seien berufliche Lebensläufe unflexibel und standardisiert - und so am Ende auch die Menschen, die diese führen. In anderen Gesellschaften sei es für Querdenker einfacher, sich zurechtzufinden. "In den USA oder in Großbritannien spricht nichts dagegen, dass ein Hochschulabsolvent der Medizin ein erfolgreicher Manager in der Maschinenbauindustrie werden kann", so Ruppert. In Deutschland führten einmal eingeschlagene Wege oft in eine Sackgasse.

"Die Crux ist, dass es gerade dem familiär geprägten Mittelstand gut tun würde, Ideengeber und Entrepreneure einzustellen, um Altbewährtes aufzubrechen, sich für Neues zu öffnen und letztlich Innovationen zu befördern", sagt die Expertin.

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