WirtschaftsWoche

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Werner knallhart

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Hat man dann nicht schon aufgegeben?

Man könnte aber auch ganz aufgeregt fragen: Fängt die innere Kündigung nicht schon bei der Kaffeetasse an? Millionen von Menschen trinken ihren Kaffee oder Tee aus Tassen mit Sprüchen wie „Unseren Chef muss man einfach mögen, sonst fliegt man raus“, mit von der Spülmaschine abgefressenen Logos von Firmen, die es zum Teil heute schon gar nicht mehr gibt, mit Dekors, von denen man nicht wahrhaben will, dass die jemals wirklich ein Designer gelungen fand, mit Macken, an denen man sich die Mundwinkel aufschneiden kann.

Wie geht es einem seelisch, wenn einem das eigene Schnuffeltuch so egal ist? Hat man dann nicht schon aufgegeben?

An allem schuld ist wieder der Gästebettwäsche-Effekt. Man bringt eben nicht seine Lieblingstasse mit ins Büro. Sondern die Tassen, die man zuhause nicht mehr sehen kann. Weil sie aber noch dazu taugen, Flüssigkeiten zu halten, sind sie zu schade für den Müll. Also ab ins Büro. Aus meiner Sicht ist das ein Fehler. Und ich bin nicht allein.

Coffee to go: Wegwerfbecher noch weit verbreitet

Coffee to go

Wegwerfbecher noch weit verbreitet

Wer Kaffee zum Mitnehmen kauft, kann sich bei vielen Anbietern schon eigene Mehrwegbecher befüllen lassen. Durchgesetzt hat sich die Müllvermeidung bei Coffee to go aber noch lange nicht.

Einige Menschen, die auf eigene Seelen-Pflege setzen, bringen tatsächlich „ihre“ Tasse mit in die Firma. Aber dann geht es weiter mit dem Unheil: Denn dort treffen sie auf Kollegen, denen Kaffeetassen so egal sind wie das Muster auf der Küchenrolle. Sie greifen koffein-hungrig im Schrank nach irgendwas mit Henkel. Ohne Rücksicht auf mein und dein. Und schon kommen die E-Mails: „Der- oder diejenige, der/die einfach meine große Tasse mit dem winkenden Küken drauf weggenommen hat, ohne zu fragen, möge sie bitte sofort wieder in die Teeküche bringen. Wiedersehen macht Freude.“

Es ist nicht schön.

Dass Bürokugelschreiber massenhaft für immer verschwinden, kann ich ja noch verstehen. Die kosten 10 Cent im Einkauf, sehen auch so aus und schreiben so. Dass da keiner Hochachtung vor hat und sie ständig verschlampt, ist kein Wunder.

Mit Tassen ist es aber eben anders. Der Blick in den Schrank einer Büro-Kaffee-Küche spricht Bände. Ich kenne Firmen, da hat der Arbeitgeber jedem Angestellten eine eigene Tasse mit Namenszug geschenkt. Weil man erkannt hat: Die Kaffeetasse beeinflusst die innere Haltung.

Es gibt Firmen, da fallen einem aus dem Schrank scheinbar die Reste eines Polterabends entgegen. Botschaft: Macht doch, was ihr wollt, und seht, wo ihr bleibt.

Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Bett. Und kaufen uns deshalb gute Matratzen.

Aber wir verbringen eben auch ein Viertel unseres Berufslebens bei der Arbeit. Grund genug für eine schöne Tasse. Ich persönlich habe zwei Tassen im Büro: eine große für viel Tee und eine kleine für Kaffee. Die spüle ich zum Feierabend mit der Hand und stelle sie in meinen Büro-Schrank. Es ist eben MEINE Tasse. Und wenn mal was ist, halte ich sie ganz fest.

Aber meine Gäste kriegen trotzdem die Bettwäsche von ganz hinten. Sorry.

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