WirtschaftsWoche

MenüZurück
Wird geladen.

Agiles Arbeiten

Seite 3 von 3

Agiles Arbeiten eignet sich nicht für jeden Bereich


Dass das sinnvoll ist, bestätigt Professorin Rump. "Ich muss fragen: An welcher Stelle brauche ich eine feste Struktur, um das operative Geschäft aufrecht zu erhalten?" In der HR-Abteilung, bei der IT, im Marketing, in der Geschäftsentwicklung und sogar im Vertrieb seien agile Strukturen durchaus nützlich, in der Produktion nicht. "Im Operationsraum wäre agiles Arbeiten undenkbar. Stellen Sie sich vor, der Anästhesist würde die Arbeit des Chirurgen übernehmen", sagt sie. "Es gibt Bereiche, wo jeder eine bestimmte Rolle übernehmen muss. Punkt."
Dass deshalb so manches Unternehmen agiles Arbeiten kategorisch ablehne, erinnere sie an die Diskussion um mobiles Arbeiten und Home-Office. "Da haben auch alle gesagt: Das geht nicht. Dabei ist ein Drittel der Jobs völlig ortsunabhängig."

Home-Office bei Hitze: Die Mehrheit muss im Büro schwitzen

Home-Office bei Hitze

Die Mehrheit muss im Büro schwitzen

Der heißeste Tag der Woche steht an. Wohl dem, der ein klimatisiertes Büro hat oder im kühlen Home-Office arbeiten kann. Das darf aber nur jeder Dritte.

Markus Pfeiffer, Gründer und CEO der Bloom Partners GmbH., berät Unternehmen, die im Digitalisierungsprozess stecken und agil werden wollen. Er rät, interne Teams mit externen Experten zusammenbringen. Sowohl bei der Entwicklung neuer Produktideen als auch beim Erschaffen neuer Strukturen. "Bauen Sie für die Umsetzung der neuen Projekte auf echte Partnerschaften mit jungen Unternehmen und Tech-Firmen und profitieren Sie gemeinsam von der erfolgreichen Etablierung Ihrer Produkte am Markt", sagt er.

ProGlove bei BMW

Als Vorbild hierfür nennt er BMW. "Der Automobilkonzern pflegt enge Beziehungen zu Start-ups, zum Beispiel aus dem TechFounders Accelerator in München." Außerdem implementiere BMW gezielt sogenannte Minimum Viable Products (MVP) - wörtlich "minimale überlebensfähige Produkte" in seine Produktionsprozesse, um deren Funktionalität und Marktfähigkeit früh zu testen.

Das war zum Beispiel mit dem smarten Handschuh ProGlove der Fall: Die Handschuhe von Thomas Kirchner und Paul Günther können Informationen aus Maschinen auslesen oder Strom messen. Das Start-up ProGlove hat damit den Neumacher-Wettbewerb 2016 der WirtschaftsWoche gewonnen.

Gründerpreis: Zwei Tüftler mit einer Vision

Gründerpreis

Zwei Tüftler mit einer Vision

Der Sieger des Neumacher-Wettbewerbs.

Auf die Idee hat BMW Gründer Paul Günther selbst gebracht. Er hatte als Student Besucher durchs Werk geführt und war später Doktorand bei Konzerntochter Mini. Da fast alle Arbeiter in Fabriken Handschuhe tragen, stand für ihn und seinen Compagnon schnell fest: ein intelligenter Handschuh für die Automobilindustrie muss her. Den BMW nun auch verwendet. "Statt selbst Dinge zu entwickeln, verlässt man sich hier gezielt auf starke Partner aus der Startup-Szene und deren innovative Einflüsse", lobt Pfeiffer.
Etablierten Unternehmen, die sich agilen Arbeitsweisen oder derartigen Partnerschaften öffnen wollen, rät Rump allerdings, die Schnittstellen zwischen traditionellen Arbeiten und der digitalisierten Welt zu beobachten. Sprich: Wie gehen die Mitarbeiter, die mit Stechuhr und kontrollwütigem Chef arbeiten müssen, mit denen um, die tun und lassen können, was sie wollen, solange das Ergebnis stimmt? Sind sie bereit, deren Ideen umzusetzen, oder blockieren sie die Kollegen? Rump ist überzeugt: Wer hier nicht aufpasst, dem fliegt das ganze Projekt um die Ohren.

Direkt vom Startbildschirm zu Wiwo.de

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×