WirtschaftsWoche

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02.07.2017

17:40 Uhr

Agiles Arbeiten

Wer nicht aufpasst, dem fliegt das Projekt um die Ohren

Von: Kerstin Dämon

  Wer erfolgreich sein will, muss agil sein. Das hat wenig mit Methoden wie Scrum zu tun und auch die Post-its kann man sich schenken. Hauptsache, die Struktur stimmt. Fünf Beispiele aus der Wirtschaft, wie es gehen kann.

Scrum, Kanban, agiles Arbeiten. Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Wie managt man agil?

Bill Gates hat einmal gesagt: "Um heute erfolgreich zu sein, muss man anpassungsfähig sein und ständig neu denken, neu beleben, reagieren und neu erfinden wollen."

Das sieht man auch bei der Deutschen Bahn so und arbeitet weiter am 2016 gestarteten Programm „Zukunft Bahn“. "Bei unserem Projekt Zukunft Bahn geht es aber nicht nur darum, ob eine Schraube künftig nach rechts oder links gedreht wird, wir müssen auch etwas im Inneren der Bahn verändern", erzählt Cornelius Fischer, der im DB-Konzern für hierarchiefreies Arbeiten zuständig ist.

"Wir schauen uns an, wie sich die Arbeitsweise ändern muss. So gibt es ein neues Vergütungssystem für Führungskräfte, neue Karriere-Regeln und wir arbeiten an einer effizienteren Meeting-Kultur." Die Veränderung geschieht schritt- und abteilungsweise. So arbeitet beispielsweise die Personalabteilung des DB Vertriebs seit dem 1. Juni in agilen Teams: "Es gibt einen Chef, den sich das Team selbst gewählt hat", so Fischer. Sonstige Hierarchien haben die Personaler abgeschafft.


Bei dem Softwareanbieter Haufe-umantis wählen die Angestellten schon seit 2013 ihre Führungskräfte – auch der CEO wird von seiner Belegschaft ge- und bei schlechten Leistungen wieder abgewählt.

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Bei Softwareherstellern, Start-ups und sonstigen Digitalschmieden gehören agiles Arbeiten und flache Hierarchien zum guten Ton – so wie auch Hoodie und bunte Post-ist an den Wänden. Aber bei dem ehemaligen Staatskonzern Deutsche Bahn? "Das traut man so einem großen Konzern gar nicht zu", räumt Fischer ein.

Immer mehr traditionelle Unternehmen arbeiten agil

Tatsächlich wagen sich immer mehr Unternehmen – auch aus traditionellen Industrien – an Arbeitsweisen aus der Tech-Branche.
Die Hilti AG beispielsweise verbessert ihre Bohrhammer in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden. Gemeinsam mit Installateuren, die die Produkte aus dem Unternehmen aus Liechtenstein beruflich nutzen, entwickelt Hilti das eigene Produktportfolio weiter und erschließt neue Geschäftsfelder für neue Produkte.

Und der Keramikhersteller Villeroy & Boch verbessert seine Produkte Hand in Hand mit anderen Unternehmen. So ist beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem Elektronikunternehmen Loewe ein Lautsprechergehäuse auf Keramikbasis entstanden.

Auch das ist agiles Arbeiten, wie Jutta Rump, sagt. "Agilität ist vor allem eine Philosophiefrage", so die Professorin für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Hochschule Ludwigshafen und Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen.
Mit agilen Tools aus der Software-Entwicklung oder dem Produktmanagement wie Kanban oder Scrum muss Agilität nicht zwangsläufig etwas zu tun haben.

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Agilität steht auf der Führungskräfte-Floskelliste ganz weit oben. Doch es lohnt sich, die Worthülse mit Leben zu füllen. Eine exklusive Studie zeigt: Agile Unternehmen haben deutlich höhere Margen.

Bei Agilität geht es um die Anpassungsfähigkeit eines Unternehmens an Megatrends wie Globalisierung, Digitalisierung oder dem demografischen Wandel. Diese Unternehmensagilität zeigt sich – gemäß des „Agile Performer Index“ der Strategieberatung goetzpartners und der NEOMA Business School – vor allem an der Gesamtstrategie des Unternehmens, der Organisationsstruktur, Markt- und Wettbewerbsbeobachtung, der IT-Infrastruktur und dem Datenmanagement, an Führung und Fehlerkultur, der Art wie Mitarbeiter rekrutiert und weiterentwickelt werden und zum Schluss auch an Arbeitstechniken.

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