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13.07.2017

10:14 Uhr

Unternehmensinsolvenzen

Gehen wegen Ostern weniger Firmen pleite?

Von: ked

  Im April haben rund 1500 Firmen Insolvenz angemeldet. Das ist ein stolzer Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Der allerdings nichts mit Geschäftsmodellen oder Wirtschaftslage zu tun hat - sondern mit Ostern und Statistik.

Zahl der Insolvenzen ist zurückgegangen. dpa

Zahl der Insolvenzen ist zurückgegangen.

Statistik ist eine super Sache. Sie macht Menschen, Waren und ganze Volkswirtschaften vergleichbar. Das Statistische Bundesamt kümmert sich darum, Menschen und alles was mit ihnen zu tun hat – vom Einkommen über ihre Lebenserwartung oder die Anzahl der Autos, die sie in einem Leben fahren – sowie Waren und Unternehmen in Deutschland aufzumessen und zu vergleichen. Am Donnerstag, den 13. Juli, hat die Behörde eine neue Zahl veröffentlicht, die Orientierung im Kosmos Deutschland geben soll. Sie lautet: 1573.

So viele Unternehmen haben nämlich im April dieses Jahres Insolvenz angemeldet: vom Drittligisten FSV Frankfurt – ja, auch ein kleiner Fußballverein ist ein Unternehmen – bis zum Hamburger Start-up Lampuga, das Surfboards mit Jetantrieb herstellte. Apropos Start-up: Jedes Zehnte scheitert. Sagt zumindest die Statistik.

16,7 Prozent weniger Insolvenzen im April 2017

Zu all diesen 1573 Unternehmen, die nun um ihre finanzielle Zukunft bangen müssen – oder den Kampf vielleicht auch schon verloren haben – gehört noch eine zweite Zahl. Sie lautet: 16,7. Das ist die prozentuale Veränderung im Vergleich zum Vorjahresmonat, ein Wort, das auch nur Statistiker benutzen. Im April 2016 haben nämlich noch 1836 Firmen Insolvenzantrag gestellt - was gerundet 16,7 Prozent mehr sind.

Umgekehrt kann man also sagen: diesen April mussten 16,7 Prozent weniger Unternehmen den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Die meisten davon kamen übrigens aus dem Baugewerbe. Könnte an den Immobilien- und Grundstückspreisen liegen. Das weiß die Statistik aber in diesem Fall nicht.

Insolvenzverwalter-Ranking 2016 - Kanzleien: Die Plätze 10 bis 1 im Überblick

Platz 10

Kanzlei: HENNINGSMEIER Rechtsanwälte

Zahl der Verfahren: 87

Platz 9

Kanzlei: AndresPartner Partnerschaft mbB

Zahl der Verfahren: 112

Platz 8

Kanzlei: KÜBLER

Zahl der Verfahren: 115

Platz 7

Kanzlei: Münzel & Böhm  Rechtsanwälte PartG mbB

Zahl der Verfahren: 128

Platz 6

Kanzlei: GÖRG Rechtsanwälte/Insolvenzverwalter GbR

Zahl der Verfahren: 166

Platz 5

Kanzlei: Brinkmann & Partner

Zahl der Verfahren: 191

Platz 4

Kanzlei: White & Case Insolvenz GbR

Zahl der Verfahren: 257

Platz 3

Kanzlei: PLUTA Rechtsanwalts GmbH

Zahl der Verfahren: 258

Platz 1

Platz 1 wurde ausnahmsweise doppelt vergeben.

Kanzlei: hww hermann wienberg wilhelm

Zahl der Verfahren: 281

Platz 1

Kanzlei: Schultze & Braun Rechtsanwaltsgesellschaft für Insolvenzverwaltung mbH

Zahl der Verfahren: 281

Trotzdem: Gute Nachrichten. Weniger Firmen geraten in bedrohliche Schieflage müsste ja bedeuten, dass mehr Unternehmer auf die Wünsche ihrer Kunden achten und deshalb gut verdienen. Oder es gibt mehr Betriebe mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell. Dann geht das Unternehmen auch nicht pleite, wie die zahlreichen Bubble-Tea-Shops, die nach einem kurzen Sommertrend niemand mehr wollte. Oder die wirtschaftliche Lage der Deutschen ist tatsächlich so gut, dass sie mehr kaufen, zum Frisör gehen oder ihr Auto reparieren lassen, als noch vor zwölf Monaten.

Die Osterfeiertage sind schuld

Tatsächlich ist die Antwort ein klein bisschen weniger erfreulich: Es liegt nämlich vermutlich an Ostern, wie auch die Bundesstatistiker einräumen. Das fiel in diesem Jahr nämlich in den April. 2016 war Ostern früher, nämlich im März. Da in Behörden an Feiertagen nicht gearbeitet wird, fehlten im April 2017 also ein paar Arbeitstage - je nach Bundesland zwischen zwei und drei - um die ganzen eingehenden Insolvenzanträge zu bearbeiten.

In der Mitteilung des Statistischen Bundesamtes heißt es im Wortlaut: "Die registrierten Insolvenzen dürften im April 2017 auch deshalb so stark abgenommen haben, weil im April 2017 aufgrund der Lage der Osterfeiertage (Ostern war 2017 im April und 2016 im März) den Gerichten für die Bearbeitung der Insolvenzanträge weniger Arbeitstage zur Verfügung gestanden hatten als im Vorjahresmonat."

Daraus kann man jetzt zwei Schlüsse ziehen:

  • Zwischen diesem April und dem im kommenden Jahr dürfte sich die Zahl der Firmeninsolvenzen nicht gravierend verändern, weil auch kommendes Jahr Ostern in den April fällt.
  • Wenn Sie eine Statistik interpretieren, schauen Sie vorsichtshalber einmal in den Kalender, welche Feiertage in den Erhebungsmonat gefallen sind.

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