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10.08.2017

13:45 Uhr

Wertewandel im Büro

Sechs Generationen, eine Herausforderung für Manager

Von: ked

  Klischee oder Wahrheit: Die Babyboomer warten auf die Rente, die Generation Y arbeitet sowieso nicht gern? Ein Psychologe hat die Generationsunterschiede erforscht. Was er Managern rät, um allen gerecht zu werden.

Figuren von Menschen verschiedenen Alters dpa

Figuren von Menschen verschiedenen Alters

"Die Jugend liebt heute den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten sollte." Diese Aussage könnte eine überspitzte Zusammenfassung der Klischees über die sogenannte Generation Y sein. Also diejenigen, die im Zeitraum zwischen 1980 bis 2000 geboren wurden. Manchmal wird diese Gruppe auch als Millennials oder Generation Me bezeichnet. Letzteres, weil die Jungen es gewohnt seien, dass sich alles nur um sie dreht. Also genau das, was das Zitat besagt, das dem griechischen Philosophen Sokrates zugeschrieben wird.

Was zum einen zeigt, dass es nichts Neues ist, dass kluge Menschen einer kompletten Generation irgendwelche Eigenschaften attestieren. Und zum anderen, dass offenbar mehrere Menschen verschiedener Generationen die gleichen Eigenschaften haben.

Trotzdem gibt es die Generationenforschung zu Recht, denn Menschen unterschiedlicher Generationen haben verschiedene Dinge erlebt, unterschiedliche Werte entwickelt und legen entsprechend auch andere Verhaltensweisen an den (Arbeits-)Tag, als Menschen anderer Generationen. Unternehmer, die vom 16-jährigen Azubi bis zum 73-jährigen Unruheständler sämtliche Gruppen beschäftigen, müssen deshalb ganz andere Herausforderungen stemmen, als Manager, deren Mitarbeiter alle zwischen 30 und 40 sind.

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Einer, der sich wissenschaftlich mit dem Thema Generationenkonflikt im Büro beschäftigt, ist Peter Fischer. Er hat sei 2011 den Lehrstuhl für Sozial-, Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Regensburg inne. In einem kürzlich in der Fachzeitschrift "Report Psychologie" erschienen Interview erläutert er die Unterschiede der einzelnen Generationen zueinander und was das für Arbeitgeber bedeutet.

Die Werte der jeweiligen Generationen

Insgesamt gebe es derzeit sechs Generationen in Deutschland, die für den Arbeitsmarkt relevant seien, wobei eine davon kaum noch und die andere gerade erst in Unternehmen zu finden ist. Jede dieser Generationen habe jedoch - basierend auf ihren Lebensumständen - andere Werte entwickelt, so der Psychologe.

  • Die zwischen 1935 und 1945 geborene Nachkriegsgeneration legt Wert auf materielle Sicherheit, harte Arbeit und Loyalität, Respekt und Pragmatismus.
  • Die zwischen 1946 und 1955 geborene Wirtschaftswundergeneration ist idealistischer, hat ein größeres Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Partizipation.
  • Die zwischen 1956 und 1965 geborenen Babyboomer haben ein hohes Bedürfnis nach Sicherheit und legen den Fokus auf materielle Werte, Wohlstand und Karriere.
  • Die zwischen 1966 bis 1980 geborene Generation Golf hat ebenfalls ein hohes Bedürfnis nach Sicherheit und legt den Fokus auf materielle Werte, Wohlstand und Karriere.
  • Die zwischen 1981 und 2000 geborene Generation Y eint der Wunsch nach der Vereinbarkeit von Familie/Privatleben und Beruf.
  • Die seit 2000 geborene Generation Z möchte vor allem ruhig und zufrieden leben.

Die verschiedenen Werte und Wünsche zeigten sich natürlich auch im Arbeitsleben, sagt Fischer. So sei über die Generation Y schon oft gesagt worden, dass es ihren Mitgliedern wichtiger sei, einen sinnhaften Job zu machen, als einen, in dem sie viel Geld verdienen. "Natürlich reden wir hier über Durchschnittswerte mit all den Ausnahmen, die das in sich birgt: „Generationenspezifische Werte“ entsprechen der Mehrheit einer Generation, aber nicht unbedingt jedem einzelnen Vertreter. Es gibt immer Personen, die zum Beispiel dieses Bedürfnis nach sinnerfüllter Arbeit gar nicht haben, während andere ganz extrem danach streben", erläutert Fischer.

Von den Eigenschaften der Generationen profitieren

Doch auch wenn nicht alle Mitglieder einer Generation gleich ticken, können Unternehmen von Teams aus gemischten Altersgruppen enorm profitieren, wie Fischer sagt. "Bei den „Babyboomern“ und in der „Generation Golf“ finden wir eine hohe Leistungsbereitschaft und einen unheimlich starken Durchsetzungswillen." Die „Generation Y“ dagegen sei idealistisch und zeige viel Offenheit, Innovations- und Gründergeist.

Und beides brauchen Firmen. Auch der Erfahrungsschatz der Nachkriegs- und der Wirtschaftswundergeneration sei eine echte Bereicherung. Genauso wie die ganz junge Generation, die tatsächlich "Digital Native" sei, weil sie ein Leben ohne Internet überhaupt nicht mehr kenne. Die jetzigen Azubis könnten entsprechende Impulse für die Digitalstrategie eines Unternehmens liefern.

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Damit sich alle Generationen mit ihren jeweiligen Werten wohl fühlen und zum Unternehmenserfolg beitragen, müssten Führungskräfte vor allem wach sein, "und die Währung erkennen, die nötig ist", sagt Fischer. Eine Währung, die bei der „Generation Y“ funktioniere, seien beispielsweise flexible Arbeitszeiten, Fortbildungsangeboten oder Sabbaticals. Aber Vorsicht: Das heißt nicht, dass die jungen Leute deshalb keinen Wert auf ein anständiges Gehalt legen. "Nach wie vor dient Arbeit der Existenzsicherung. Das heißt, die Höhe des Gehalts ist nicht unwichtig", sagt auch Fischer. Es kommen lediglich neue Ansprüche hinzu.

Und schließlich hat auch die ältere Generation nichts gegen mehr Freiheit und Spaß an der Arbeit - solange das Geld stimmt.

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