WirtschaftsWoche

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05.10.2017

17:18 Uhr

Analysten sterben aus

Harte Auslese bei den Kurspropheten

Von: Heike Schwerdtfeger

  Die Ex-Börsenstars haben viel Kredit verspielt. Neue EU-Regeln setzen sie jetzt zusätzlich unter Druck. Was das Anleger kostet.

Analysten sollen Kurschancen vorhersehen. Aber Brüssel fordert mehr Transparenz über die Auftraggeber ihrer Analysen. Illustration: Mark Conlan

Analysten sollen Kurschancen vorhersehen. Aber Brüssel fordert mehr Transparenz über die Auftraggeber ihrer Analysen.

Das Oktoberfest lässt sich nicht wegregulieren – noch nicht. Deshalb stehen auch in diesem Jahr wieder Wiesn-Besuche an, wenn die Baader-Bank zur alljährlichen Investorenkonferenz nach München lockt. Auch Goldman Sachs und Berenberg nutzen die Zeltgaudi zur Kontaktpflege. Die Aktienanalysten und Investmentbanker sollen ihre Beziehungen zu Fondsmanagern und Vermögensverwaltern auffrischen, auf dass dies bald in Geschäfte münde. Besonders wertvollen Kunden wird neben der Maß Bier und Hendl auch schon mal ein Besuch im Käfer-Zelt geboten, wo die feineren Tropfen serviert werden.

In diesem Jahr ist die Stimmung nun getrübt: Brüsseler Bürokraten, jeglicher Tradition abhold, unterstellen Bankanalysten und Fondsmanagern Spezl-Wirtschaft. Das Misstrauen richtet sich gegen die Finanzbranche, getroffen werden vor allem die Analysten, ein Berufsstand, der ohnehin unter Druck steht. Ihnen droht harte Auslese, viele werden in ihrem Job nicht überleben.

Der Verdacht: Fondsmanager ordern ihre Aktien nicht dort, wo sie die am günstigsten bekommen, sondern bei der Bank, die sie liebevoll umsorgt: mit Events, aber auch mit persönlicher Beratung und kistenweise Analystenstudien zu Aktien und Märkten. Banken takten die Kalender von Großanlegern mit Konferenzen durch, bei denen die mit Vorständen und freundlichen Analysten der Bank ergründen können, wo die Reise denn so hingeht, bei dieser oder jener Aktie.

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Doch mit derlei Gratisaufmerksamkeiten, für die sich die Fondsmanager bei der Bank mit provisionsbringenden Wertpapierorders revanchieren, soll Schluss sein. Fondsmanager müssen für Aktienanalysen und Konferenzbesuche an Deutsche Bank, Goldman Sachs und Co. Geld zahlen. Die Banken wollen das eigentlich gar nicht nehmen, das alte System war ihnen ganz recht, aber der Gesetzgeber drängt es ihnen jetzt praktisch auf. Aktuell werden die Preise verhandelt. Ein wahrer Kulturschock für Bankanalysten: „Für ihre Arbeit gibt es künftig einen Preisaushang, ähnlich dem, der auch in Filialbanken üblich ist“, sagt Thomas F. Seppi, Vorstand des Fondshauses FPM Frankfurt Performance Management.

Ab 2018, so sagt es die EU-Finanzmarktrichtlinie mit dem putzigen Namen Mifid II, sollen Fondsmanager die für Analysen („Research“) und Wertpapieraufträge gezahlten Summen genau auflisten. Jedenfalls dann, wenn sie die Kosten aus dem Fondsvermögen zahlen und die Rendite der Anleger drücken. Gratis erstelltes und zugesandtes Research müssten Fondsmanager ungelesen in den Papierkorb werfen. Mehr Transparenz und besseren Anlegerschutz will die EU so erreichen. Anleger sollen nicht die Leidtragenden des sorgsam gepflegten Geschäftsgebarens zwischen Banken und Fondsmanagern sein.

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Im Zentrum stehen Analysten. Sie sollen, Animierdamen gleich, die Fondsmanager und Vermögensverwalter zu Aktivitäten bewegen, den „Flow“ anheizen, wie sie an der Börse sagen – Nachrichten und Einschätzungen zu Unternehmen in die Welt setzen, damit Wertpapierorders hereinkommen, an denen die Banken verdienen.

Im Techboom um die Jahrtausendwende konnte eine „Kaufen“-Analyse Kurse binnen weniger Tage verdoppeln. Wer eine Information von einem Topanalysten bekam, als guter Kunde auch früher als der Rest des Marktes, konnte prächtig verdienen. Damals dominierten aggressive angelsächsische Häuser den deutschen Markt. Börsenpropheten wie Henry Blodget vom damaligen Broker Merrill Lynch in New York oder sein Gegenstück Bernard Tubeileh in Frankfurt wurden gefeiert wie Hollywood-Stars und ähnlich gut bezahlt – bis zum Crash.

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