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16.03.2017

16:12 Uhr

Dax-Bilanzen belastet

Pensionsverpflichtungen laufen den Konzernen davon

Von: Andreas Toller

  Die Betriebsrenten belasten die Bilanzen der Dax-Konzerne immer stärker. Die Pensionsverpflichtungen steigen schneller als die Pensionsvermögen. Schuld sind die niedrigen Zinsen.

Die internationale Unternehmensberatung Mercer hat die Bilanzkennzahlen von 20 der insgesamt 30 Dax-Konzerne, die bereits Geschäftszahlen für 2016 vorgelegt haben, unter die Lupe genommen. Demnach steigen 2016 die Pensionsverpflichtungen für alle Dax-Konzerne zusammen voraussichtlich von 361 Milliarden Euro auf 396 Milliarden Euro – so hoch wie nie zuvor. Innerhalb eines Jahres bedeutet das einen Anstieg um 35 Milliarden Euro oder knapp zehn Prozent.

Die Pensionsvermögen wuchsen im selben Zeitraum allerdings nur von 236 Milliarden Euro auf nun 251 Milliarden Euro – ein Plus von 6,4 Prozent. Der Deckungsgrad sinkt nur leicht auf 63 Prozent. Die 20 untersuchten Dax-Unternehmen stehen für knapp 80 Prozent der Pensionsverpflichtungen und Pensionsvermögen.

Grundsätzlich haben die Pensionsverpflichtungen und –vermögen keine Auswirkungen auf die Ertragslage eines Unternehmens, sondern stellen eine rein bilanzielle Bewertung dar. Die Verpflichtungen selbst sind normalerweise nicht abhängig von der Zinsentwicklung, die späteren Versorgungszahlungen werden also durch die Niedrigzinsphase grundsätzlich nicht beeinträchtigt. Aber für die Bilanz müssen Unternehmen künftigen Betriebsrenten mit einem Marktzins kalkulieren.

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Laut Mercer ist der dafür herangezogene Rechnungszins im Jahr 2016 von etwa 2,4 auf etwa 1,7 Prozent gesunken. "Die Dax-Unternehmen mussten den verwendeten Rechnungszins erneut deutlich reduzieren. Dadurch entstanden versicherungsmathematische Verluste in Höhe von etwa 44 Milliarden Euro, die aber das Jahresergebnis nicht belasten, da sie erfolgsneutral zu erfassen sind", erläutert Thomas Hagemann, Chefaktuar von Mercer Deutschland.

Im September 2016 wurde mit etwa 1,3 Prozent der bislang niedrigste Rechnungszins erreicht. Darunter hatten Siemens, Infineon und ThyssenKrupp zu leiden, deren Bilanzstichtag der 30. September ist. Siemens und Infineon haben im Euroraum einen Zins von nur 1,0 Prozent angesetzt, ThyssenKrupp 1,3 Prozent.

Ohne die Veränderungen beim Zins wären die Verpflichtungswerte nur unwesentlich angestiegen, weil der planmäßige Anstieg der Verpflichtungen durch Verzinsung und weitere Dienstjahre in etwa genauso groß war wie die getätigten Zahlungen.

Auch Pensionsvermögen erreicht Rekordmarke

Sinken die Zinsen am Markt, steigen die Werte bestehender festverzinslicher Wertpapiere, die noch einen höheren Zins aufweisen. Dementsprechend stiegen auch die Pensionsvermögen der Unternehmen. Ebenso konnten Aktienanlagen zulegen. Nur ein kleiner Teil des Anstiegs der Pensionsvermögen um 15 Milliarden Euro beruht auf einer gestiegenen Kapitalausstattung der Pensionsrücklagen, die voraussichtlich etwa zwei Milliarden Euro über den Mittelabflüssen aus dem Pensionsvermögen liegen.

Der darüber hinausgehende Vermögensanstieg ist demnach auf die gute Wertentwicklung der angelegten Gelder zurückzuführen. Die Gesamtrendite liegt dabei laut Mercer bei etwa sechs Prozent. Für das nächste Jahr prognostiziert Mercer eine zunehmende Belastung der Unternehmen durch einen sinkenden Rechnungszins.

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