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13.07.2017

13:42 Uhr

Metro

Was die Aufspaltung für Aktionäre bedeutet

Von: ant, dpa, rtr

  Nach der Aufspaltung des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro sind seine beiden Nachfolge-Unternehmen in der Summe nahezu unverändert in den Börsenhandel gestartet. Trotzdem gibt es viel zu beachten.

Olaf Koch, Metro REUTERS

Metro-Chef Olaf Koch.

Die Aufspaltung des Handelsriesen Metro ist mit dem Börsenstart vollzogen. Ab heute werden je zwei Stamm- und zwei Vorzugsaktien des Handelsriesen an der Börse gehandelt. Ein wichtiger Schritt Metro-Konzerns, den Vorstandschef Olaf Koch mit freudigem Glockenläuten zum Handelsstart an der Frankfurter Börse begrüßte. "Mit der Börsennotierung der neuen Metro starten wir in die Zukunft", sagte Koch. Er hatte den Plan für die Aufspaltung des Handelsriesen entworfen und führt nun den neuen Lebensmittelhändler, der von der alten Metro abgespalten wurde. Nun sollen beide Teile schlagkräftiger und für Investoren attraktiver werden.

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Der Handelsriese Metro ist endgültig Geschichte: Nach der Aufspaltung des Düsseldorfer Konzerns sind seine beiden Nachfolge-Unternehmen an die Börse gegangen.

Wichtig für Anleger: Aktionäre müssen dabei zunächst nichts unternehmen. Verwirrend ist es trotzdem: Jeder Inhaber der alten Metro-Aktien bekommt im Verhältnis eins zu eins neue Aktien zugeteilt. Das gilt sowohl für die alten Metrostammaktien (WKN 725750 / ISIN DE0007257503), als auch die bisherigen Vorzugsaktien (WKN 725753 / ISIN DE0007257537). Für sie gibt es die gleiche Anzahl neuer Aktien dazu (Stämme neu: WKN BFB001 / ISIN DE000BFB0019; Vorzüge neu: WKN BFB002 / ISIN DE000BFB0027).

Noch verwirrender wird es, wenn sich Aktionäre erst einmal klarmachen, was genau sie da im Depot haben.

Unter dem altbekannten Börsentitel Metro mit gleicher Wertpapierkennnummer ist nicht etwa das klassische Handelsgeschäft mit Metro-Lebensmittelgroßhandel (Cash & Carry) und den Real-Supermärkten versammelt, sondern jener Teil, der die Elektronhandelsketten Media Markt und Saturn, sowie Online-Anbieter wie Redcoon, Juke! und ein paar weitere Tochtergesellschaften umfasst.

Warum die Metro sich aufspaltet

Warum will sich die Metro überhaupt aufteilen?

Die Geschäfte beim Düsseldorfer Handelsriesen liefen zuletzt nicht gerade berauschend. Die Konkurrenz ist groß und das Unternehmen schrumpft seit Jahren. Immer wieder wurden große Konzernteile verkauft – wie etwa die Warenhäuser Galeria Kaufhof oder das Auslandsgeschäft der Supermarktkette Real. Die Folge: Der Konzern verlor nicht nur den inoffiziellen Titel des größten deutschen Handelskonzerns, er musste auch seine Platz in der höchsten Börsenliga, dem DAX-30, räumen. Die Aufspaltung soll nun zu neuem Schwung verhelfen.

Was verspricht sich Metro-Chef Olaf Koch von der Aufspaltung?

Mehr Wachstum und mehr Börsenwert. Mehr Wachstum, weil die getrennten Unternehmen sich besser auf ihre jeweilige Kundengruppe konzentrieren und dynamischer agieren können. Mittelfristig soll der bereinigte Umsatz bei beiden Gesellschaften um mindestens drei Prozent pro Jahr steigen. Im zurückliegenden Jahr schaffte die Metro als Ganzes weniger als ein Prozent. Mehr Börsenwert, weil Mischkonzerne wie die Metro an der Börse schlechter bewertet werden als klar fokussierte Unternehmen. Tatsächlich hat die Metro-Aktie seit Bekanntgabe der Aufspaltungspläne rund 25 Prozent an Wert gewonnen.

Sehen das auch Branchenexperten so?

Viele Analysten halten die Teilung für sinnvoll. Laurence Hofmann vom Investmenthaus Oddo sieht mehr Spielraum für Zukäufe und Partnerschaften. Dies hat aus seiner Sicht vor allem Media-Saturn nötig, will die Tochter ihre Stellung als größter Elektronikhändler Europas gegen mächtige Internetriesen wie Amazon auf Dauer verteidigen. Der Lebensmittelteil wiederum dürfte sein Geschäft mit der Belieferung sowie Kooperationen mit Start-Up-Unternehmen für das Hotel- und Restaurantgewerbe ausbauen, erwartet Christian Bruns von der Investmentbank Equinet. Der Experte verspricht sich zudem schnellere Entscheidungen auf Managementebene und insgesamt mehr Transparenz.

Wie funktioniert die Aufspaltung?

Heute vereint die Metro unter ihrem Dach zwei Geschäftsbereiche, die eigentlich wenig gemeinsam haben: die Lebensmittelsparte mit den Metro-Großmärkten und den Real-Supermärkten auf der einen Seite, sowie die Elektroniksparte mit den Ketten Media Markt und Saturn auf der anderen. Nach der Trennung Mitte 2017 sollen diese Sparten als eigenständige Unternehmen getrennte Wege gehen. Dabei behält die Lebensmittelsparte den Traditionsnamen Metro. Die Elektroniksparte erhält den neuen Kunstnamen Ceconomy. Die Elektronikketten selbst werden aber weiter unter den altbewährten Namen Media Markt und Saturn firmieren. Beide Unternehmen werden weiterhin an der Börse notiert sein.

Und was ändert sich für die Verbraucher?

Erst einmal wenig. Denn der Verkauf wird in den Großmärkten ebenso wie bei Real, Media Markt oder Saturn unverändert weitergehen. Auf Dauer würden aber auch die Verbraucher profitieren, meint Koch, weil sich die spezialisierten Gesellschaften besser auf die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse einstellen könnten.

Was spricht gegen eine Aufspaltung?

Wenig, außer vielleicht den hohen Kosten. Denn Gemeinsamkeiten zwischen den Geschäftsbereichen gibt es kaum. Konzernchef-Koch meint sogar, der Zusammenschluss der Metro-Großmärkte, der Real-Supermärkte und der Elektronikketten Media Markt und Saturn unter einem Dach habe zuletzt die Geschäfte eher behindert als gefördert. Die Aufspaltung ist allerdings nicht billig. Der Konzern beziffert die Kosten auf rund 100 Millionen Euro.

Steht schon fest, wer die neuen Unternehmen leiten wird?

Ja. Die Leitung des Lebensmittelgeschäfts übernimmt Koch selbst, Aufsichtsratsvorsitzender soll der bisherige Metro-Chefkontrolleur Jürgen Steinemann werden. An der Spitze der Elektronikkette wird der Media-Saturn-Chef Pieter Haas stehen. Für den Aufsichtratsvorsitz ist der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, vorgesehen.

Ist die Idee einer Aufspaltung ungewöhnlich?

Im Gegenteil. Zurzeit ist das Aufspalten oder Abspalten bei deutschen Konzernen geradezu in Mode. Die Energieriesen Eon und RWE spalteten sich kürzlich jeweils in zwei Teile auf, um das wenig zukunftsfähige Geschäft mit konventionellen Kraftwerken vom lukrativeren Zukunftsgeschäft um Ökostrom, Vertrieb und Netzbetrieb zu trennen. Und der Pharma- und Pflanzenschutzkonzern Bayer brachte 2015 seine Kunststoffsparte als Covestro an die Börse, um sich stärker auf das lukrativere Geschäft mit der Gesundheit für Mensch, Tier und Pflanze zu konzentrieren.

Aber halt: Beim Namen Metro bleibt es nicht, dieser Teil des Unternehmens bekommt in Kürze den Namen Ceconomy. Kommt es nach den üblichen bürokratischen Verfahren zur Umbenennung, wird diese Aktie ebenfalls den Namen Ceconomy tragen. Bis dahin bleibt es bei der Börsenbezeichnung Metro AG. Am Börsenkürzel sind die verschiedenen Unternehmensteile hingegen jetzt schon besser unterscheidbar: B4B (Business for Business) steht für den Großhandel, CEC für Ceconomy.

Das klassische Geschäft mit den Lebensmittel- und Großhandelsmärkten bekommt also neue Aktien, mit neuen Wertpapierkennnummern und firmiert unter dem Namen Metro Wholesale & Food Specialist. Die neuen Stamm- und Vorzugsaktien sind also jene, die das Metro-Kerngeschäft beinhalten.

Zwar erfolgt die Zuteilung alter zu neuer Aktien im Verhältnis eins zu eins, die Bewertung liegt aber am ersten Handelstag im Verhältnis eins zu zwei. Somit entfällt ein Drittel der bisherigen Börsenbewertung auf Metro AG beziehungsweise Ceconomy, zwei Drittel auf Metro Wholesale & Food. In der Summe haben Altaktionäre die verschiedenen Aktien im gleichen Gesamtwert im Depot. Und am ersten Handelstag sieht es zunächst nicht so aus, als würde sich die Bewertung beider Konzernteile von der bisherigen des Gesamtkonzerns unterscheiden.

Dabei hoffen beide Unternehmen auf einen höheren Börsenwert. Generell haben es Mischkonzerne wie die bisherige Metro es bei der Börsenbewertung schwerer, als klar fokussierte Geschäftsmodelle. Oft steigen die Einzelteile von Mischkonzernen deshalb nach einer Aufspaltung im Kurs und sind in Summe mehr wert als das große Ganze.

Doch: Die Metro-Aufspaltung brachte Anlegern kurz nach Handelsbeginn nur einen kleinen Gewinn ein. Die Kurse der Stammaktien der beiden neuen Unternehmen summierten sich am Morgen auf 29,245 Euro - ein Plus von 0,2 Prozent gegenüber dem letzten Xetra-Kurs der alten Metro-Aktie vom Vorabend. Das Lebensmittelgeschäft unter dem Börsenkürzel B4B kostete nach dem Börsenstart am Mittag 19,00 Euro je Anteil, der Elektronikhandel mit dem Kürzel CEC wurde zu 9,87 Euro gehandelt.

Die deutschen Einzelhandelsriesen

Zum Ranking

Das Ranking zeigt die weltweit führenden deutschen Einzelhandelsunternehmen im Jahr 2015 (in Milliarden US-Dollar).

Quelle: Deloitte - Global Powers of Retailing 2017 (Stand: Januar 2017)

Platz 1

Schwarz Unternehmenstreuhand

Einzelhandelsumsatz in Milliarden US-Dollar: 94,45

Gruppenumsatz in Milliarden US-Dollar: 94,45

Platz 2

Aldi

Einzelhandelsumsatz in Milliarden US-Dollar: 82,16

Gruppenumsatz in Milliarden US-Dollar: 82,16

*Schätzwerte

Platz 3

Metro Group

Einzelhandelsumsatz in Milliarden US-Dollar: 68,07

Gruppenumsatz in Milliarden US-Dollar: 68,07

*Groß- und Einzelhandelsumsätze

Platz 4

Edeka

Einzelhandelsumsatz in Milliarden US-Dollar: 53,81

Gruppenumsatz in Milliarden US-Dollar: 52,48

*Groß- und Einzelhandelsumsätze

Platz 5

Rewe Group

Einzelhandelsumsatz in Milliarden US-Dollar: 48,54

Gruppenumsatz in Milliarden US-Dollar: 43,61

*Groß- und Einzelhandelsumsätze

Wirbel im MDax

Auch im Aktienindex MDax, der normalerweise 50 Aktien mittelgroßer und großer Unternehmen unterhalb des Leitindex Dax umfasst, sorgt der Metro-Börsengang für Wirbel. Wie bei Abspaltungen üblich zählte der MDax am Donnerstag - und nur für diesen Tag - 51 Mitglieder. Am Freitag scheidet dann Metro Wholesale & Food - und damit die höher bewertete Lebensmittelhandelssparte aus dem Index aus, die Ceconomy hingegen darf zumindest bis zum nächsten Überprüfungstermin zur Indexzusammensetzung bleiben - die alte Wertpapierkennnummer macht es möglich. Die Arbeitsgruppe zur Indexzusammensetzung tagt traditionell im Spätsommer, am 5. September will die Börse Änderungen in der Indexzusammensetzung bekannt geben.

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Beobachter sind aber optimistisch, dass sich auch Metro Wholesale & Food aufgrund des hohen Unternehmenswertes für den MDax qualifizieren wird. Je nach Schätzung sollen die handelbaren Aktien 2,8 bis 3,4 Milliarden Euro wert sein. Zehn Prozent der neuen Aktien verbleiben bei Ceconomy, deren Börsenwert so aufgebessert wird.

Anleger dürfen darauf gespannt sein, wie sich der Aktienkurs von Metro Wholesale & Foods am Freitag entwickelt. Vor allem börsengehandelte Indexfonds, kurz ETF, dürften Druck auf den Kurs ausüben. Da sie unter anderem auch den MDax spiegelbildlich im Depot haben, müssen sie sich beim Ausscheiden der Lebensmittelsparte aus dem MDax von den Aktien trennen. Und da ETF mitunter enorme Volumina erreichen, dürfte der Aktienkurs sinken.

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