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04.08.2017

18:30 Uhr

FinTech

Die jungen Wilden lassen sich domestizieren

Von: Mark Fehr

  Früher wollten digitale Finanzdienstleiter der neuen Generation die Welt der alten Banken zerlegen. Jetzt dienen sich viele von ihnen den Dinosauriern als Partner an.

dpa

FinTech-Gründer haben viele Gemeinsamkeiten. Die hervorstechendste ist vielleicht die demonstrative Hingabe, die sie an den Tag legen, wenn sie mit dem Smartphone im Anschlag das Geschäftsmodell ihres aufstrebenden Unternehmens erklären.

Yoni Assia, Gründer und Chef des israelischen Trading-Netzwerks eToro, ist da keine Ausnahme. Mit ein paar Wischern über den Touchscreen stellt er blitzschnell ein Anlageportfolio zusammen – Aktien, Rohstoffe und Währungen – und das alles ganz nebenbei, ohne seinen eloquenten Vortrag unterbrechen zu müssen. Präsentation geglückt. Die Botschaft: Digitale Technik soll die Geldanlage kinderleicht machen. Wie solide und ertragreich die wunderbar haptisch ins Portfolio gerutschten Werte sind, ist eine andere Frage.

Um diese Frage zu beantworten, können Anfänger auf eToro erfahrenen Händlern folgen und deren Anlageverhalten mit eigenem Geld automatisch kopieren. Auch dafür genügt ein Fingerwisch. Auf einen Blick ist erkennbar, welcher der Leithammel in der Vergangenheit besonders gut abgeschnitten hat. Das lässt sich an seiner Rendite und der Größe seiner Gefolgschaft ablesen. Allerdings können selbst die Finanzprofis auch mal tüchtig daneben greifen. Tolle Renditen in der Vergangenheit sind ein Blick in den Rückspiegel und können keinen Erfolg für die Zukunft garantieren. An der Börse werden die Karten eben jeden Tag neu gemischt.

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Neben eToro aus Israel gibt es weitere Plattformen, die – wenn auch mit unterschiedlichen Konzepten – Geldanlage im Stil eines sozialen Netzwerks anbieten, etwa ayondo aus Frankfurt oder wikifolio aus Wien. Die Beispiele zeigen, wie technisch hochgerüstete digitale Finanzdienstleister Prinzipien aus dem Internet auf die Finanzwelt übertragen wollen.

Andere Unternehmen aus dem FinTech-Kosmos etwa versuchen, die aussterbende Bankfiliale auf dem Handy zu installieren, wieder andere wollen den Vermögensverwalter aus Fleisch und Blut durch künstliche Intelligenz ersetzen. Schlaue Algorithmen sollen auch die Bonität von neuen und bestehenden Kreditkunden einschätzen und damit den altgedienten Kreditsachbearbeiter überflüssig machen.

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Jede dieser Ideen hat das Zeug, den etablierten Finanzsektor bestehend aus Banken, Sparkassen, Versicherungen und ihren Vertriebsleuten ins Wanken zu bringen. Zumindest auf dem Papier. Kein Wunder, dass sich die Wunderknaben der FinTech-Szene zu Beginn ihres Booms nach der Finanzkrise als Disruptoren feierten, die Banken und Versicherer gehörig auseinander nehmen wollten. Auch die Medien feierten mit. Was früher eine große Bank oder Finanzgruppe allein erledigte, sollten nach der Vorstellung vieler Gründer bald zahllose kleine FinTech-Firmen Firmen übernehmen. Jede würde sich ein kleines Stückchen aus der finanziellen Wertschöpfungskette herausschneiden.

Die Vision der digitalen Auflösung des Bankensektors schien allen willkommen, die sich nach der Finanzkrise und zahlreichen Anlageskandalen verständlicherweise nach einer fundamentalen Neuordnung der Geldwelt sehnten. Doch die Realität sieht heute anders aus.

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