WirtschaftsWoche

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15.03.2017

08:18 Uhr

Intelligent investieren

Die Macht des Zinseszinses

Von: Thorsten Polleit

kolumne  Ohne Zinseszins wäre die Geldanlage ein mühsames Geschäft. Für Geduldige jedoch zahlt sich der Zinseszinseffekt aus - auch und gerade am Aktienmarkt. Wie Anleger den Zinseszinseffekt an der Börse nutzen können.

Das Wort "Zins" dpa

"Zins".

Vor langer Zeit wurde in Indien das Schachspiel erfunden. Kaiser Sheram wollte den Erfinder des Spieles, Zeta, belohnen. Zeta forderte für das erste Feld des Schachbrettes 1 Reiskorn ausgehändigt zu bekommen, 2 Körner für das zweite Feld, 4 für das dritte und für jedes weitere Feld doppelt so viele Körner wie für das vorhergehende. Nach 64 Feldern waren es 18.446.744.039.484.029.952 Reiskörner (die Zahl heißt: 18 Trillionen, 446 Billiarden, 744 Billionen, 39 Milliarden, 484 Millionen, 29 Tausend, 952).

Eine recht bekannte, aber nichtdestotrotz hübsche Geschichte, die die Macht des Zins- und Zinseszinseffektes illustriert (und den Umgang mit großen Zahlen schult). Und ihre Botschaft für den Investor ist wichtig. Die Bedeutung des Zins- und Zinseszinseffektes kann gar nicht stark genug betont werden. Dennoch kommt sie – das erfahre ich immer wieder in Gesprächen und Sitzungen gerade auch mit Anlageexperten – nur allzu häufig in der Hektik des Tagesgeschäfts zu kurz.

Zur Person

Thorsten Polleit

Dr. Thorsten Polleit ist Chefvolkswirt der Degussa sowie Mitgründer und volkswirtschaftlicher Berater und Mitgründer des P&R REAL VALUE Fonds. Er ist zudem Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth. In seiner auf wiwo.de erscheinenden Kolumne "Intelligent investieren" widmet er sich alle 14 Tage (immer mittwochs) den grundlegenden Irrtümern und Erkenntnissen der Geldanlage.

Nehmen wir an, Sie haben sich entschieden, ihre Ersparnisse in Aktien zu investieren – weil sie erkannt haben, dass langfristig gesehen Aktien zur erfolgreichsten Anlageklasse zählen oder besser abschneiden als Anleihen. Die Rendite, die Aktien einspielen, setzt sich bekanntlich aus Dividenden und Kursgewinnen zusammen. Wie sollen Sie vorgehen, wenn Sie den Zins- und Zinseszinseffekt für Ihre Zwecke einsetzen wollen? Schauen wir uns dazu drei unterschiedliche Herangehensweisen an. 

Aus 10.000 Euro heute werden …
 … bei einer jährlichen Rendite von:
Jahr14%16,6%20%26%36%
828.52634.16642.99863.528117.034
1037.07246.45061.917100.857216.466
1354.92473.634106.993201.752544.510
1571.379100.110154.070320.3011.007.126
18105.752158.699266.233640.7222.533.380
20137.435215.760383.3761.017.2114.685.740
25264.619465.012953.9623.230.45421.800.814
30509.5021.002.2052.373.76310.259.267101.430.193
Quelle: Eigene Berechnungen.

Da ist zunächst Investor A. Er kauft unterbewertete Aktien. Handelt die Aktie bei 50 Euro, und meint Investor A, die Aktie sei 60 Euro wert, so investiert er. Steigt dann der Aktienkurs auf 60, verkauft er. Seine Kapitalrendite beträgt 20 Prozent. Nun muss er wieder Ausschau halten nach neuen Gelegenheiten. Das ist aufwendig, kostet Zeit und Nerven – und Geld. Wenn er findig ist, wird es ihm jedoch gelingen, eine andere unterbewertete Aktie zu finden, und das Spiel beginnt von neuem. Investor A wird mit seiner Strategie prinzipiell in der Lage sein, einen Zins- und Zinseszinseffekt zu erzielen.

US-Aktien: Die Kursraketen seit der Finanzkrise

US-Aktien

Die Kursraketen seit der Finanzkrise

Im US-Aktienindex S&P 500 sind die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen. Diese Aktien konnten seit der Finanzkrise die größten Kursgewinne erzielen - in den Top Ten mit mindestens 2000 Prozent plus.

Betrachten wir nun Investor B. Seine Idee ist es, in Aktien von solchen Unternehmen zu investieren, die über lange Zeit eine hohe Kapitalrendite erzielen. Er kauft zum Beispiel eine Aktie eines Unternehmens, das jedes Jahr eine Rendite auf das Eigenkapital von 15 Prozent erzielt, und das den Gewinn nicht als Dividende auszahlt, sondern in das eigene Geschäft mit einer Rendite von 15 Prozent reinvestiert. Nach nur 5 Jahren hat sich der Wert des Unternehmens – gemessen anhand seines Eigenkapitals – verdoppelt, nach 33 Jahren verhundertfacht.

Wenn es Investor B gelingt, die Aktie eines Unternehmens, das eine Rendite von 20 Prozent pro Jahr erzielt, zu kaufen, wird der Unternehmenswert sich nach knapp 4 Jahren verdoppelt, nach knapp 13 Jahren verzehnfacht haben. Nach etwas mehr als 25 Jahren wird es sich verhundertfacht haben. Damit wird einsichtig: Das Investieren in Unternehmen, die in der Lage sind, über lange Zeit hohe Renditen zu erzielen, ist der Schlüssel zum großen Erfolg. Doch halt: Fehlt nicht noch etwas bei dieser Betrachtung? Ja, richtig: Die Frage nach dem Kaufpreis der Aktie.

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