WirtschaftsWoche

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Stelter strategisch

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Fortsetzung der chronischen Krise und heftige Wahlverluste

7.      Der Verfall der Eurozone geht weiter: weder kam es zum Wahlsieg von Geert Wilders, noch zum Sieg von François Fillon. Richtig war es jedenfalls nicht auf einen Sieg von Marine Le Pen zu setzen. Der Verfall der Eurozone hat sich dennoch fortgesetzt, wenngleich er von der vordergründig guten Konjunktur und der Politik der EZB verdeckt wird. Es kam nicht so dramatisch wie erwartet, ist aber die Fortsetzung der chronischen Krise. 0,5 Punkte.

8.      Die EZB lässt letzte Hemmungen fallen: Die EZB ist nicht in die direkte Staatsfinanzierung eingestiegen und kauft auch (noch) keine Aktien auf. Sie hat auch nicht den Ausstieg aus dem Anleihenkaufprogramm verschoben. Insofern kam es zu keiner Verschärfung der geldpolitischen Maßnahmen. Hier denke ich jedoch, dass es mit der (noch) nicht eingetretenen Rezession zu tun hat und würde mir deshalb einen halben Punkt zugestehen: 0,5 Punkte.

9.      Der Deal mit der Türkei platzt: Ich habe eine Verschlechterung des Verhältnisses der EU zur Türkei erwartet. Auch dass die türkische Strategie im Nahen Osten und die Bereitschaft, die türkischen Interessen notfalls auch militärisch durchzusetzen immer offensichtlicher wird. Dies ist zwar eigetreten, doch bisher hält das Abkommen mit der Türkei zur Begrenzung der Migrationsströme. Noch ist die Balkanroute nicht wieder zum bevorzugten Weg für die Einwanderer aus Afrika und dem Nahen Osten geworden. 0,5 Punkte.

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10.  In Deutschland regiert Schwarz-Rot-Grün: Richtig war meine Erwartung deutlicher Verluste für Union und SPD, einer stabilen Linken, und eines Einzuges von AfD und FDP in den Bundestag. Richtig war auch die Erwartung einer schwierigen Regierungsbildung. Falsch war die Erwartung, dass es für Union und SPD alleine nicht mehr reichen würde und deshalb eine Regierung von Schwarz-Rot-Grün gebildet wird. Verfolgt man allerding die aktuelle Diskussion, könnte man durchaus den Schluss ziehen, dass eine Regierung von CDU, SPD und Grünen mehr Gemeinsamkeiten hätte als eine Regierung von CDU, SPD und CSU – nicht, dass das mit Blick auf den Zustand des Landes eine erfreuliche Nachricht ist. Deshalb: 1,0 Punkte.

Womit wir beim Fazit wären: Wie vermutet ist es keine gute Idee, Prognosen abzugeben, vor allem mit dem kurzen Zeithorizont von nur einem Jahr. Meine Trefferquote von 5,5 aus zehn möglichen Punkten dürfte das unterstreichen. 

Hier die Prognosen für 2018

Trotz der gemischten Bilanz haben mich Leser um meine Prognosen für 2018 gebeten. Ich kann das nur darauf zurückführen, dass sie vergessen haben, wie schlecht meine Prognosequalität für das abgelaufene Jahr war. Andererseits ist es ein interessantes Gedankenexperiment. Hier also meine Top Ten für 2018 – in der Hoffnung, dieses Jahr etwas besser abzuschneiden:

1.     Bitcoin-Blase platzt: Dass sich Kryptowährungen trotz der unzweifelhaften Attraktivität der Technologie in einer Blase befinden, erkennt man schon daran, dass Firmen, die ihren Namen ändern, wie zuletzt die "Long Island Iced Tea Corporation" – neu "Long Blockchain Group“ - Kurssteigerungen von mehreren hundert Prozent über Nacht erfahren. Die Getränkefirma sprach lediglich von "a new smart contract platform for building decentralised applications that provides scalability beyond currently available options" was die Financial Times zu einem direkten Vergleich mit einer früheren ähnlich gelagerten Unternehmung veranlasste, die ihren Geschäftszweck so umschrieb: "company for carrying on an undertaking of great advantage, but nobody to know what it is". Gemeint ist die South Sea Company, die zur berühmten Südseeblase geführt hat.

Schon jetzt ist die Bitcoin-Blase die wohl größte der Finanzgeschichte, weitaus ausgeprägter als die Südseeblase oder die Tulpenmanie. Meine Erwartung deshalb: zum Jahresende stehen Bitcoins nach zahlreichen Skandalen und staatlichen Eingriffen deutlich tiefer als heute. Können sie davor noch auf 100.000 US-Dollar steigen? Ja klar. Genauso gut aber auf 100 fallen.

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