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05.09.2017

06:00 Uhr

Verkehrte (Finanz)welt

Investoren müssen nachhaltige Geldanlage endlich ernst nehmen

Von: Susana Peñarrubia Fraguas

kolumne  Geldanlagen sollen längst nicht mehr nur Rendite abwerfen, sondern nachhaltig sein und Kriterien wie Umweltbewusstsein und gute Unternehmensführung erfüllen. Emittenten müssen das ernst nehmen und Transparenz schaffen.

Buschwindröschen dpa

Der Fokus auf Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung in der Geldanlage ist keine Modeerscheinung mehr, findet Susana Peñarrubia Fraguas.

In der Finanzbranche sind schon viele Kürzel zu kurzfristigen Hypes geworden. Die Liste reicht von hochspekulativen Derivaten namens CFD (Contracts-for-Difference) bis zum VDAX-Tracker, der den Volatilitätsindex VDax nachbaut. Es wäre leicht zu glauben, dass auch ESG in diese Kategorie gehört. Doch der Fokus auf Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (Environment, Social & Governance) in der Geldanlage ist keine Modeerscheinung mehr, sondern ein säkularer Trend, der die Investmentbranche weiter prägen wird. Höchste Zeit, dass professionelle Investoren, Privatanleger und Unternehmensführer die Sache ernst nehmen.

ESG-Kapitalanlage ist keine Mode

Zahlreiche Gründe beflügeln den Aufschwung von ESG-Investments seit einigen Jahren. Zwei sind dabei besonders wichtig: Erstens, das Bewusstsein vieler Marktteilnehmer für Aspekte von Umweltschutz, sozialer Gerechtigkeit und rechtlicher Compliance. Zweitens, Erkenntnisse über die Auswirkung von ESG-Kriterien auf die Wertentwicklung von Kapitalanlagen.

Susana Peñarrubia Fraguas PR

Susana Peñarrubia Fraguas, CFA, ist Head of ESG Integration-Active der Deutsche Asset Management  sowie engagiertes Mitglied der CFA Society Germany.

Dem ganzen liegt ein gesellschaftlicher Wandel zu Grunde. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zeigt sich deutlich, dass sich die Erwartungen von Verbrauchern, Anlegern und Geschäftspartnern verändert haben und Themen wie zum Beispiel Korruption, Kinderarbeit und Klimawandel sehr viel kritischer beurteilt und weniger toleriert werden als zuvor. Für Unternehmen, die hier Angriffsfläche bieten, können Imageschäden, Strafzahlungen oder sonstige Sanktionen bei Verstößen oder Umsatzeinbrüchen die Folge sein. Ebenso kann es bedeuten, dass sie als Emittenten weniger Kapital erhalten oder höhere Zinsen bieten müssen und eine geringere Nachfrage ihrer Wertpapieren erleben.

Zudem hat eine wachsende Zahl akademischer Studien über die Auswirkungen von ESG-Faktoren auf die Performance von Finanzanlagen einen positiven oder zumindest neutralen Zusammenhang zwischen Performance und ESG-Qualität von Firmen feststellen können. Damit wäre auch ein Hauptkritikpunkt – nämlich eine vermeintliche Minderung der erwarteten Rendite – entkräftet und der Weg frei für den in den vergangenen Jahren merklichen Aufstieg von an ESG-Kriterien ausgerichteten Investoren sowie die Integration von ESG-Faktoren in die Investitionsprozesse institutioneller Endinvestoren und Kapitalanlagegesellschaften.

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Integration von ESG-Kriterien: Keine Philanthropie

Bei der Integration von ESG-Faktoren in den Investitionsprozess eines Asset Managers geht es somit um deutlich mehr als bloß philanthropische Vorhaben, gute Absichten oder vom Kerngeschäft losgelöste Tätigkeiten. Vielmehr geht es um eine treuhänderische Verpflichtung, bei der Analyse und Bewertung von Renditeaussichten eines Wertpapiers über die nackten Kennzahlen hinaus, auch umliegende relevante Faktoren zu berücksichtigen. So war es beispielsweise in den letzten zehn Jahren bei europäischen Energieversorgern zu beobachten, die mit den direkten Auswirkungen des politischen und gesellschaftlichen Stimmungswandels rund um das Thema erneuerbarer Energien und Atomausstieg auf ihre Finanzstärke und Wettbewerbsposition zu kämpfen hatten.

ESG-Faktoren zu berücksichtigen hilft also sowohl Risiken zu minimieren als auch frühzeitige Chancen zu identifizieren, die vom Kapitalmarkt noch nicht angemessen eingepreist sind.

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