WirtschaftsWoche

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26.10.2017

17:00 Uhr

Boom der Wertlager

Kunst, Oldtimer und Wein schön sichern

Von: Thorsten Firlus

  Immer mehr Reiche wollen ihre Schätze sowohl sicher wissen, als auch in angemessenem Ambiente nutzen und genießen. Das Geschäft mit den Wertelagern boomt.

Diese Heimstatt erlesener Kunst ist nicht in New York, Los Angeles, London oder Hongkong. Sie befindet sich in Meiningen. Einer Stadt, in der die Schlagzeilen lauten: "Trinkgelage endet in Meiningen mit Rippenbrüchen". Knapp 20.000 Einwohner. Gelegen zwischen Eisenach im Norden, Fulda im Westen, Suhl im Osten und Coburg im Süden. Hier in Südthüringen entschied die Bundesbank nach der Wende, die Landeszentralbank erbauen zu lassen.

Sie engagierte niemanden Geringeres als das Architekturbüro von Hans Kollhoff. Der Gestalter des DaimlerChrysler-Gebäude am Berliner Potsdamer Platz, der Newton Bar oder des Mainplazahochhauses in Frankfurt, setzte einen Quader mit "massivem, fast wehrhaftem Charakter der Fassade" in die Stadt an der Werra. 20 Millionen Euro kostete der Bau, der 2000 fertig gestellt wurde.

Allein: Nur knapp ein Jahrzehnt später wurde das Gebäude im Rahmen einer Strukturreform der Bundesbank nicht mehr benötigt. Am 30. September 2012 schlossen sich die Türen. Dahinter: Ein bis ins Details ausgeschmücktes Gebäude mit zahllosen Sicherheitsvorkehrungen und einer tonnenschweren Tresortür.

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Seit Mai diesen Jahres öffnet sie sich wieder. Statt Noten und Münzen ruhen nun Kunstwerke in den ehemaligen Schalterräumen und Besprechungszimmern. 55 Räume in dem unveränderten Gebäude stehen zur Verfügung. Privatpersonen können sie mieten und dort ihre Gemälde nicht nur sicher unterbringen – sondern sie auch betrachten. Umbenannt in ZentralDepot ist aus der ehemaligen Bank ein Wertlager geworden.

Wertlager boomen bei den Superreichen

Es ist das vielleicht am unwirklichsten Ort gelegene Wertdepot, aber beileibe nicht das einzige. Für Autos, Wein und Kunst gibt es weltweit immer mehr Anbieter für sichere Verwahrung und gleichzeitig Erleben der eigenen Schätze. Was nützt die schönste Wertanlage, wenn sie zwar sicher aber unsichtbar in klimatisch kontrollierten und unzugänglichen Zellen verwahrt wird?

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"Wir bieten für Sammler Räume an, die eben auch eine Qualität haben, dass man sich in ihnen aufhalten will", sagt Nicolas Perren, einer der beiden Betreiber des ZentralDepots Vallor. Er war Architekt im Büro Kollhoff und kennt das Gebäude deswegen haargenau. Ebenso sein Partner Ulrich Schulten, der als am Bau beteiligter Ingenieur noch tiefer in den technischen Details steckte.

Drei Millionen Euro rief die Bundesbank beim Verkauf auf. "Wir haben es für deutlich weniger bekommen", sagt Perren. Vielleicht auch, weil die eingeschränkte Verwendung einer so speziellen Immobilie ausgerechnet in Meiningen noch weniger Optionen bot. Denn am Ende zählt immer Lage, Lage, Lage.

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