WirtschaftsWoche

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Tauchsieder

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Kein Kunstkauf, sondern Machtdemonstration

1. Der Siegerkunstmarkt

Den Geldolymp der Kunstwelt versteht nur noch, wer ihn nicht als Segment des Kulturbetriebs, sondern als Sektor der Finanzbranche für Superreiche begreift: Bei den „Evening Sales“ der beiden duopolistisch herrschenden Auktionshäuser Christie’s und Sotheby’s wird keine Kunst eingekauft, sondern Macht demonstriert: Bestenfalls aquirieren hier Hedgefondsmanager Blue Chips der Kunstgeschichte, um auf deren Wertzuwachs zu spekulieren - schlimmstenfalls investieren hier Verbrecher Schwarzmillionen, um sie in Form von Leinwänden in Schweizer Zollfreilagern reinzuwaschen.

Dazwischen tummeln sich Menschen, die sich „auf aggressiv-obszöne Weise ihres Vermögens entledigen“, so der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich, die einen anderen Vermögenden ausstechen im Wettbieten auf einen Warhol, Twombly, Bacon oder Basquiat - ganz einfach, weil sie es können. Der Verkauf von Leonardos „Salvator Mundi“ im Rahmen einer Auktion für Zeitgenössische Kunst für 400 Millionen Dollar (plus Aufgeld) war dabei nur der grellste Beleg für Ullrichs „Siegerkunst“-These. Zu den weiteren Top-Verkäufen in 2017 zählten Bilder von Klimt, van Gogh und Fernand Léger.

Tauchsieder: Jesus goes Abu Dhabi

Tauchsieder

kolumne Jesus goes Abu Dhabi

Der zweite Akt des Kunstspektakels ist noch absurder als der erste. Der für 450 Millionen Dollar versteigerte Christus-Erlöser von Leonardo wird im Louvre von Abu Dhabi als Kunst-Ikone der arabischen Welt vermarktet.

2. Der Distinktionskunstmarkt

Ob man es glaubt oder nicht: Kunstwerke zum Preis von drei Milliarden Dollar standen Anfang Dezember 2017 auf der Art Basel in Miami, der größten Kunstmesse in den USA, zum Verkauf - und natürlich waren sich die meisten Galeristen hernach einig, dass die Geschäfte ganz ausgezeichnet gelaufen waren.

Anders gesagt: Man trifft auf diesen Messen lauter Menschen, für die jedes Jahr ein „Superkunstjahr“ ist. Die Biennale in Venedig ist ihnen wichtig, das schon, allein der Preissteigerungen wegen, die mit ihr verbunden sein können, die Documenta hingegen schnuppe - aber so oder so: Die Hauptsache ist, dass die Dreiecksbeziehung zwischen Künstler, Sammler und Galerist stimmt. Wobei die Künstler vor allem auf den Präsenzstolz von Galeristen und den Besitzstolz solventer Käufer spekulieren. Wobei die Galeristen zwischen den Distinktionsmerkmalen ihrer Künstler und den Distinktionsbedürfnissen ihrer Käufer vermitteln. Und wobei die Sammler die Galeristen für die Beglaubigung ihres Gespürs und Kunstsinns honorieren - und die Künstler für das immaterielle Geschenk, ihnen gegenüber paternalistische Gönner-Gefühle entwickeln zu dürfen.

Auktionen für Anfänger: Richtig gute Kunst für wenig Geld

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Richtig gute Kunst für wenig Geld

Auktionshäuser entdecken den Markt der kleinen Budgets. Für Sammler mit gutem Blick lockt da bisweilen hohe Kunst zum tiefen Preis.

3. Der Markenkunstmarkt

Markenkunst hat kein Problem damit, sich als Auftrags- und Dekorationskunst zu genügen. Als inoffizieller Weltmeister darf sich zweifellos Damien Hirst fühlen, der sich in London ganz einfach ein eigenes Museum widmet - und 2017 aller Welt auch in Venedig demonstriert hat, dass einer wie er sich nicht kuratieren und schon gar nicht in nationale Pavillons zwängen lässt. Also bespielte er in der Lagunenstadt gleich die beiden Schauplätze der Pinault Collection, den Palazzo Grassi und die Punta della Dogana - mit „Schätzen aus dem Wrack des Unmöglichen“.

Die kunstmarktunabhängige Markenkunst kann sich durch einen unverwechselbaren Stil (etwa David Hockney), oder durch reine Serialität (Hirst), durch schiere Geschmacklosigkeit (Jeff Koons) oder auch durch Mischformen (Anish Kapoor, Ólafur Eliasson) auszeichnen; in allen Fällen zu eigen ist ihr: solistische Unabhängigkeit.

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