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12.01.2018

17:45 Uhr

Neuer Eurogruppen-Chef Centeno

Der neue Varoufakis

Von: Silke Wettach

Premium  Der Portugiese Mário Centeno rückt an die Spitze der Eurogruppe. Der Ökonom hat wenig politische Erfahrung und scheint kaum zu wissen, was auf ihn zu kommt. Seinen Berater nennt man den "Thermomix-Mann" – weil er gerne Wirbel auslöst.

Mário Centeno Bloomberg

Portugals Finanzminister Centeno wird neuer Eurogruppenchef.

Mit Lehrstunden von Ökonomen haben die Finanzminister der Eurozone so ihre Erfahrungen. Als Griechenland vor bald drei Jahren nah am Exit aus der Eurozone stand, hielt der damalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis in den Krisensitzungen langatmige theoretische Exkurse.

Portugals Finanzminister Mário Centeno zeigt im Kreise seiner Kollegen einen ähnlichen Hang zum Dozieren. „Er redet nicht unter 20 Minuten“, sagt einer, der ihn bei den Treffen regelmäßig erlebt. Hinterher wisse niemand im Saal, worauf er hinauswollte. „Das erinnert schon sehr an Varoufakis.“

Während der griechische Ökonomieprofessor mit den Rocker-Outfits die politische Bühne längst verlassen hat, rückt Centeno an diesem Samstag an eine zentrale Schaltstelle der EU: Der Portugiese übernimmt den Vorsitz der Eurogruppe vom Niederländer Jeroen Dijsselbloem und wird damit als erster Südeuropäer an der Spitze der 19 Finanzminister der Eurozone stehen.

"Ronaldo der Eurogruppe": Das ist Portugals Finanzminister Mário Centeno

Portugiesischer Finanzminister

Der an der Algarve geborene Mario Centeno ist seit zwei Jahren Finanzminister Portugals. Als unabhängiges Mitglied der Parlamentariergruppe der Sozialistischen Partei (PS) sitzt Centeno seit Herbst 2015 im portugiesischen Parlament. Im November 2015 wurde er zum Finanzminister des Kabinetts von António Costa ernannt.

Quelle: dpa

Studium in Lissabon und Cambridge

Centeno studierte Wirtschaftswissenschaften in Lissabon, bevor er 1995 in die USA zog, wo er an der renommierten Harvard-Universität promovierte und dort auch seinen Master in Wirtschaft machte.

Sonderberater, Buchautor, Gastprofessor

Im Jahr 2000 kehrte er mit seiner Frau und den drei Kindern in die Heimat zurück, wo er in den Folgejahren verschiedene Posten bei der Bank von Portugal besetzte. Seit knapp vier Jahren ist er Sonderberater des Geldinstituts. Zudem ist er Buchautor und Gastprofessor an der Lissaboner „Universidade Nova“. Centeno spricht laut Lebenslauf neben Portugiesisch fünf weitere Sprachen.

Centenos Zahlen stimmen

Für sein Wirken in den Nachwehen der Finanzkrise erhielt Centeno von etlichen Seiten Lob. Nach jahrelangen Spar- und Reformmaßnahmen und gut drei Jahren unter dem EU-Rettungsschirm steht Portugal seit Mai 2014 finanziell wieder auf eigenen Beinen. 2016 wurde mit 2,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gar das niedrigste Haushaltsdefizit seit 1974 registriert.

"Ronaldo der Eurogruppe"

Der frühere Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verlieh dem 50-Jährigen den mittlerweile viel zitierten Spitznamen „Ronaldo der Eurogruppe“ - in Anspielung auf den ebenfalls aus Portugal stammenden Weltfußballer.

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