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05.12.2017

12:34 Uhr

OECD-Studie zur Altersvorsorge

Immer mehr Ältere gehen in Deutschland arbeiten

Von: fk

  Der OECD-Bericht „Renten auf einen Blick“ sieht in Deutschland besondere Risiken der Altersarmut. Die Einkommensungleichheit werde auch in zukünftige Renten übertragen.

Die Alterung der Bevölkerung ist eine Herausforderung für die Rentensysteme aller OECD-Staaten. Im Vergleich zu 2000 haben die Rentenausgaben aller OECD-Staaten um 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zugenommen. In den vergangenen zwei Jahren hat allerdings die Reformaktivität generell abgenommen, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem Bericht „Renten auf einen Blick 2017“ feststellt.

Jedes fünfte Land unternahm gar keine Reformen. Kanada und Tschechien nahmen Reformen, also die Erhöhung des Renteneintrittsalters, sogar zurück, Polen senkte das Renteneintrittsalter.

Die Regierungen der OECD-Länder sollten die dynamischere Wirtschaftsentwicklung nutzen, um die Rentensysteme zukunftsfest zu machen, fordern die Autoren. Weitere Reformen seien erforderlich, um die Rentensysteme an die alternde Bevölkerung und der sich verändernden Arbeitswelt anzupassen, sowie um zunehmender Ungleichheit im Alter entgegenzuwirken.

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Die Ausgaben des Bundes für die Rente werden im Jahr 2021 erstmals die Marke von 100 Milliarden Euro übersteigen. Das sollte uns drei Lehren der deutschen Altersvorsorge bewusst machen.

In Deutschland könnte der Bericht die Diskussion über die Zukunft der deutschen Alterssicherung anheizen. Denn er stellt fest, dass Geringverdiener und Beschäftigte mit geringen Rentenbeitragszeiten in Deutschland besonders von Altersarmut bedroht sind.

Durchschnittsverdiener kommen mit privater Riester-Vorsorge zwar auf Renteneinkünfte, die kaum unter dem OECD-Durchschnitt liegen. Aber bei Geringverdienern sieht das anders aus. Wer nur die Hälfte des Durchschnittslohns verdient, erhält als Rente netto nur 55 Prozent seines bisherigen, ohnehin schon niedrigen Arbeitseinkommens. Im Durchschnitt der Industrieländer sind es 73 Prozent.

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Zur Prognose

Die Prognosen beziehen sich auf den sogenannten Standardrentner, der 45 Jahre Beiträge gezahlt und immer das Durchschnittseinkommen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verdient hat. Die angegebene Bruttostandardrente versteht sich vor Steuern. Das Sicherungsniveau vor Steuern gibt das Verhältnis der Renten im Vergleich zum Durchschnittseinkommen der beitragszahlenden Beschäftigten abzüglich der durchschnittlichen Sozialversicherungsbeiträge an.

 

Quelle: Rentenversicherungsbericht 2015, Deutsche Rentenversicherung Bund, Stand: November 2015

 

2010

Beitragssatz zur GRV: 19,9 %

Bruttostandardrente: 1224 Euro monatlich

Sicherungsniveau vor Steuern: 51,6 %

2016

Beitragssatz zur GRV: 18,7 %

Bruttostandardrente: 1372 Euro monatlich

Sicherungsniveau vor Steuern: 47,7 %

2020

Beitragssatz zur GRV: 18,7 %

Bruttostandardrente: 1517 Euro monatlich

Sicherungsniveau vor Steuern: 47,6 %

2025

Beitragssatz zur GRV: 20,4 %

Bruttostandardrente: 1680 Euro monatlich

Sicherungsniveau vor Steuern: 46,0 %

2029

Beitragssatz zur GRV: 21,5 %

Bruttostandardrente: 1824 Euro monatlich

Sicherungsniveau vor Steuern: 44,6 %

„Die enge Verbindung von Einkommen und Rentenansprüchen sowie das Fehlen von Grund- oder Mindestrenten bedeuten, dass Niedrigverdiener und solche mit geringen Beitragszeiten von Altersarmut bedroht sind“, sagt die Leiterin der Abteilung Sozialpolitik bei der OECD, Monika Queisser. Das Armutsrisiko von Senioren liegt zwar unter dem OECD-Durchschnitt (zu dem auch Schwellenländer wie Mexiko gehören), aber höher als etwa in Frankreich, den skandinavischen Ländern, Spanien, Polen oder Italien.

Angst vor Altersarmut in Deutschland

Möglicherweise ist die Gefahr der Altersarmut auch ein Grund dafür, dass Deutschland bei der Beschäftigung Älterer im internationalen Vergleich in den vergangenen Jahren am stärksten zugelegt hat. Die Beschäftigungsrate bei den 55- bis 64-Jährigen stieg seit 2000 um mehr als 30 Prozentpunkte.

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Bei den 55- bis 59-Jährigen sind in Deutschland etwa 80 Prozent in Beschäftigung, bei den 60- bis 64-Jährigen noch rund 56 Prozent. Während sich diese Werte über OECD-Durchschnitt bewegen, liegt Deutschland bei den 65- bis 69-Jährigen etwa zwei Prozentpunkte unter dem OECD-Schnitt von gut 20 Prozent.

Die Politik müsse, so die Autoren, sicherstellen, dass das freiwillige Aufschieben des Ruhestands ausreichend belohnt werde, ohne dass Erwerbstätige, die früher in Rente gehen übermäßig bestraft würden. Es gebe auch jenseits offizieller Beschränkungen Hindernisse gegen den Wunsch von Menschen, nach dem Renteneintritt weiter zu arbeiten: vor allem Altersdiskriminierung durch Arbeitgeber und fehlende kulturelle Akzeptanz für Teilzeitarbeit.

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