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03.12.2017

13:09 Uhr

Umweltökonom Bernd Hansjürgens

"Ökosysteme gehören zu den wichtigsten Dienstleistern"

Von: Katharina Matheis

Interview  Umweltökonomen wollen den Wert von Natur erfassbar machen. Im Interview spricht der Volkswirt Bernd Hansjürgens darüber, wie man den Preis eines Baums berechnet und was es kostet, wenn die Insekten aussterben.

Bestäubungsleistung einer Biene. Getty Images

Bernd Hansjürgens schätzt den Wert der Bestäubungsleistung der Insekten auf zwei bis vier Milliarden Euro.

Warum ist es wichtig, Natur und Ökosystemleistungen mit einem Wert zu versehen?
Ökosysteme gehören zu den wichtigsten Dienstleistern der Wirtschaft. Mal halten sie das Grundwasser sauber, mal verhindern sie Bodenerosion oder sorgen für reichhaltige Ernten. Ohne solche Ökodienstleistungen hätten ganze Branchen massive Verluste; gleichzeitig tauchen diese Leistungen in keiner Bilanz auf. Mit der Bewertung – auch mit Preisen – wird deutlich, dass viele Entscheidungen, die der Natur schaden, auch ein ökonomisches Desaster sind.

Und wie berechnen Sie den Preis von Bäumen und Insekten?
Manche Leistungen sind bereits marktgängig. Wir haben Handelspreise für Holz, Mais oder Honig. Schwieriger ist es bei den nicht-marktgängigen Leistungen. Dort ermitteln wir z.B. die Kosten, die auftreten würden, wenn die Natur als Dienstleisterin ausfiele.

Was ist mit emotionalen Werten, zum Beispiel die schöne Aussicht auf einen Wald oder die Freude über das Vogelzwitschern?
Hier analysieren wir z.B. die menschliche Zahlungsbereitschaft, indem wir fragen: Was würden Sie für diesen Ausblick bezahlen? Wie viel würden Sie ausgeben, damit der Vogel auch nächstes Jahr wieder singt?

Zur Person

Bernd Hansjürgens

Bernd Hansjürgens ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Leiter des Departments Ökonomie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ in Leipzig

Ein Pandababy bekommt so vermutlich einen höheren Preis als die nervige Mücke.
Tatsächlich. Deshalb geben wir in solchen Fällen Informationen zur Bedeutung einer Art. Wir konzentrieren uns deshalb im besten Fall auf die objektivierbaren Leistungen der Tiere, Pflanzen und Ökosysteme.

Was heißt das im Fall der Insekten.
Hier steht vor allem die Bestäubungsleistung im Mittelpunkt. Der Großteil unserer Nutzpflanzen ist auf die fliegenden Helfer angewiesen. Wenn sie ausfallen, gibt es große Probleme in der Nahrungsmittelindustrie. Wir schätzen den Wert der Bestäubungsleistung auf zwei bis vier Milliarden Euro.

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Das Insektensterben wird jetzt auch zum Thema für Volkswirte. Denn Fliegen, Mücken und Bienen haben einen hohen ökonomischen Wert. Blöd nur, dass die meisten Menschen mehr Geld für ein Eisbärbaby ausgeben würden.

Wie kommen Sie auf diesen Wert?
Wir berechnen, was es kosten würde, die Pflanzen mit technischen Hilfsmitteln oder menschlicher Arbeitskraft zu bestäuben. Und wir schätzen die Produktionsausfälle. Das ist natürlich immer standortabhängig, und so müssen wir immer bei Bandbreiten bleiben. Doch wir bewegen uns bei der Bestäubung definitiv im Milliardenbereich.

Für wen ist Ihre Forschung relevant?
Wir wollen mit unseren Analysen Politiker und Unternehmer erreichen. Erst wenn es um Geld geht, wird vielen die Tragweite bestimmter Entscheidungen bewusst. Viele Entscheidungsträger verstehen in erster Linie wirtschaftliche Argumente und missachten gleichzeitig die ökonomische Bedeutung der Natur. Deshalb ist es so wichtig, dass wir die Natur in dieser Hinsicht fassbar machen: Wir haben einen falschen ökonomischen Kompass, und lassen zu, dass deshalb falsche Abwägungen getroffen werden.

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