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07.04.2017

12:40 Uhr

Autonome Autos

Ein Robo-Taxi kann zehn Privatautos ersetzen

Von: Stefan Hajek

  Die Autobauer versuchen bei ihren Visionen für das autonome Fahren den Vorteil für den Fahrer ins Rampenlicht zu stellen. Eine neue Studie zeigt aber einen ganz anderen Nutzen autonomer Autos – als Robo-Taxen.

Ein autonom fahrendes Taxi kann bis zu zehn Privatautos ersetzen. REUTERS

Ein autonom fahrendes Taxi kann bis zu zehn Privatautos ersetzen.

Gleich zwei neue Studien aus dieser Woche mühen sich, den Nutzen und die Vorteile des selbstfahrenden Autos zu ermitteln. Mitte der Woche verkündete Bosch, größter Automobilzulieferer der Welt, in Kooperation mit Daimler eine neue Initiative zur Entwicklung autonomer Pkw.

Bosch und Daimler wollen bereits in fünf Jahren autonom fahrende Autos auf die Straße bringen. In die Forschung und Entwicklung stecken die Autokonzerne Milliarden. Anfang März stellte Konkurrenz Renault-Nissan in London einen Prototypen vor, der bereits ohne menschlichen Fahrer durch den real existierenden Londoner Berufsverkehr kurvte.

Wozu der ganze Aufwand? Bosch lieferte Mitte der Woche in seiner Connected Car Studie verlockende Zahlen: Experten sind sich einig, dass selbstfahrende Autos, so sie denn dereinst auch bei dichtem Nebel, schneebedeckten Fahrbahnen und in völliger Dunkelheit funktionieren, sehr viel weniger Unfälle bauen werden als menschliche Fahrer.

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Daimler und Bosch arbeiten künftig gemeinsam am selbstfahrenden Auto. Bis 2020 wollen beide Konzerne vollkommen autonom fahrende Autos für den Stadtverkehr auf den Markt bringen. Das ist deutlich schneller als geplant.

„Allein in den drei größten Autoländern USA, China und Deutschland würden vernetzte Systeme 2025 ungefähr 11.000 Menschenleben retten, Versicherungen würden um 4,43 Milliarden Euro Schadenskosten entlastet, vernetzte Parksysteme 480 Millionen unnötig gefahrene Kilometer Parkverkehr einsparen“, sagte ein Bosch-Sprecher der WirtschaftsWoche.

Nun legt eine Studie der TU München und der Beratungsgesellschaft Berylls nach: Je ein autonomes Taxi könnte demnach bald bis zu zehn Pendler-Autos ersetzen.

München ist Deutschlands Stau-Hauptstadt. Jede vierte Autofahrt im Stadtgebiet der Bayernmetropole endet im Stau. In Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Köln und vielen anderen Metropolen ist die Lage kaum besser. Und es wird noch schlimmer werden: Neusten Studien zufolge gibt es in Deutschland derzeit so viele Pendler wie noch nie. Die Gründe (vereinfacht): Der anhaltende Wirtschaftsboom und damit starke Beschäftigung, und steigende Wohnungskosten in den Städten, wo die meisten Jobs entstehen.

Die fünf Stufen des automatisierten Fahrens

Stufe 1: Fahrassistenten

Der Fahrer lenkt, bremst und beschleunigt selbständig. Einfache Systeme wie Abstandshalter unterstützen ihn.

Stufe 2: Teilautomatisiertes Fahren

Das elektronische System übernimmt bestimmte Funktionen wie etwa das automatische Einparken oder das Spurhalten. Der Fahrer bleibt aber weiter in der Verantwortung, die Hände bleiben am Lenkrad.

Stufe 3: Hochautomatisiertes Fahren

Das Fahrzeug fährt weitgehend autonom, der Fahrer muss nicht mehr alles dauerhaft überwachen. Er darf die Hände vom Lenkrad nehmen, muss aber in der Lage sein, nach Vorwarnung die Kontrolle wieder zu übernehmen.

Stufe 4: Vollautomatisiertes Fahren

Der Fahrer kann noch übernehmen, ist aber nicht mehr erforderlich, um das Auto zu steuern. Elektronische Systeme können alle Verkehrssituationen automatisch bewältigen.

Stufe 5: Fahrerloses Fahren

Das Lenkrad entfällt, das Auto wird nur noch vom System gesteuert.

Beispiel München: Trotz eines relativ gut ausgebauten ÖPNV sind in München derzeit fast eine Dreiviertelmillion private Pkw zugelassen. Sie und die täglich ins Stadtgebiet einpendelnden Menschen aus dem Umland, das inzwischen aufgrund hoher Mietpreise locker bis Landshut oder Augsburg reicht, verhelfen der Bayernmetropole zum zweifelhaften Titel „Stauhauptstadt Deutschlands“: Laut dem Verkehrsdatenanbieter INRIX beträgt die durchschnittliche Staurate am Gesamtverkehr 25 Prozent, pro Kopf liegt die Wartezeit in Staus in München pro Jahr bei 49 Stunden.

Die Beratungsgesellschaft Berylls hat zusammen mit der Technischen Universität München und der Stadt München untersucht, wie Lösungen für das Problem aussehen könnten. Denn dass es sich von alleine löst, muss als unrealistisch gelten: „Das Verkehrsaufkommen in den Ballungsräumen wird weiter wachsen, und es wird vor allem in den ohnehin schon staugeplagten Spitzenzeiten überproportional zulegen, also morgens und am frühen Abend“, sagt Thomas Ferrero, Geschäftsführer und Co-Gründer des auf Verkehrsthemen spezialisierten Karlsruher Thinktanks PTV.

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Ein Teil der Antwort könnten autonome, selbstfahrende Autos sein. Besonders effektiv wären sie laut der neuen Studie nicht, wenn sie in Privatbesitz wären, sonders als ständig zirkulierende Taxen. Wie die Studie zeigt, könnten realistisch bereits 18.000 solche Robo-Taxen mehr als zehn Mal so viele Autos überflüssig machen – zumindest fürs tägliche Pendeln.

„Das Ziel der Studie war der Aufbau einer umfangreichen multidimensionalen Simulation für das Szenario einer Stadtflotte aus autonom fahrenden E-Fahrzeugen, die den gesamten innerstädtischen Pkw-Individualverkehr substituiert“, sagt Professor Markus Lienkamp vom Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der TUM.

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