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19.05.2017

19:00 Uhr

Mobilität

Fliegen ist viel einfacher

Von: Andreas Menn

  In der Luftfahrt ist ein Glaubenskrieg ausgebrochen: Sind fliegende Autos die Zukunft oder ein Hype? Die Antwort liefern europäische Start-ups.

Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin hatten schon viele ausgefallene Ideen, Mobilität neu zu erfinden, nur hat keine davon bisher tatsächlich gezündet. Selbstfahrende Autos, so versprach Brin im Jahr 2012, kämen im Jahr 2017 für die Massen auf die Straßen – bislang Fehlanzeige. Im geheimen X-Lab starteten Forscher ein Projekt für neuartige Frachtschiffe, die weniger Sprit verbrauchen sollten. Gestrichen. Und so wundert es nicht, wenn Pages neues Lieblingsprojekt nicht nur Bewunderung hervorrief, sondern auch Spott und Kritik.

Autonome Autos: Ein Robo-Taxi kann zehn Privatautos ersetzen

Autonome Autos

Ein Robo-Taxi kann zehn Privatautos ersetzen

Die Autobauer versuchen bei ihren Visionen für das autonome Fahren den Vorteil für den Fahrer ins Rampenlicht zu stellen. Eine neue Studie zeigt aber einen ganz anderen Nutzen autonomer Autos – als Robo-Taxen.

Es geht um Kitty Hawk, eine Art fliegendes Motorrad und Vorstufe zum fliegenden Automobil. Wie dies funktioniert, konnte man in einem Werbevideo zu Pages neuestem Start-up neulich sehen: Eine Frau lädt darin ihre Freundin am Telefon zu einem spontanen Abendessen ein. Beide wohnen in schönen Villen an einem See. Schnell setzt sich die Eingeladene einen roten Helm auf, fliegt über das Wasser und landet ihre Kitty Hawk zwei Minuten später neben dem Boot der Gastgeberin. „Kitty Hawk wird revolutionieren, wie reiche Leute über einen See kommen“, machte sich prompt der Late-Night-Talker Stephen Colbert über das Werbevideo lustig. Das Ding sehe außerdem aus, als hätten ein „Minitrampolin und ein Hotdogwagen Sex miteinander gehabt“.

Dabei ist es eigentlich ein verlockendes Versprechen: Statt eineinhalb Stunden lang zur Arbeit zu pendeln, könnte man künftig binnen einer Viertelstunde mit neuen Fluggeräten hinüberfliegen. Wo heute noch Staus die Straßen verstopfen, könnten künftig vielleicht Taxis auf verschiedenen Höhen übereinander hinwegfliegen, genug Platz ist schließlich da im Himmel. Und wer sich heute noch ärgert, mehrfach unterwegs umsteigen zu müssen, könnte bald vielleicht von Tür zu Tür fliegen, als wäre der eigene Vorgarten ein Flughafen.

Die fünf Stufen des automatisierten Fahrens

Stufe 1: Fahrassistenten

Der Fahrer lenkt, bremst und beschleunigt selbständig. Einfache Systeme wie Abstandshalter unterstützen ihn.

Stufe 2: Teilautomatisiertes Fahren

Das elektronische System übernimmt bestimmte Funktionen wie etwa das automatische Einparken oder das Spurhalten. Der Fahrer bleibt aber weiter in der Verantwortung, die Hände bleiben am Lenkrad.

Stufe 3: Hochautomatisiertes Fahren

Das Fahrzeug fährt weitgehend autonom, der Fahrer muss nicht mehr alles dauerhaft überwachen. Er darf die Hände vom Lenkrad nehmen, muss aber in der Lage sein, nach Vorwarnung die Kontrolle wieder zu übernehmen.

Stufe 4: Vollautomatisiertes Fahren

Der Fahrer kann noch übernehmen, ist aber nicht mehr erforderlich, um das Auto zu steuern. Elektronische Systeme können alle Verkehrssituationen automatisch bewältigen.

Stufe 5: Fahrerloses Fahren

Das Lenkrad entfällt, das Auto wird nur noch vom System gesteuert.

Noch ist nicht ausgemacht, ob sich die Lösung für alle Verkehrsprobleme anbahnt oder nur Spielzeuge für Sci-Fi-begeisterte Internetgründer entstehen. Page und Co. kreieren einen Hype wie ungeduldige Milliardäre, die nicht erwarten können, ihre neueste Errungenschaft ihren ebenso betuchten Freunden zu zeigen. Denn die Liste der Unwägbarkeiten, die aus dem Weg geräumt werden müssen, damit das fliegende Auto zum Massenprodukt werden kann, ist noch lang. Werden Städte ihren Luftraum freigeben? Wird es sichere Straßen im Himmel geben? Ist die Technik wirklich schon so reif, dass Taxis abheben können? Die größte wird wohl sein, Menschen von den Vorteilen des Flugautos zu überzeugen. Und das können derzeit Pioniere aus Europa viel besser. Pioniere wie Markus Hess.

Nur Kennern der Szene ist der Privatpilot ein Begriff, aber für Hess ist der Traum vom nahezu unbegrenzten Fliegen schon heute Realität. Mehrmals im Monat fährt Hess, Marketingchef der holländischen Flugautoschmiede Pal-V, zum Flugplatz am Rande von Freiburg und rollt seinen Gyrokopter aus dem Hangar. Auch der Zwei-Personen-Helikopter ist so etwas wie die Vorstufe des fliegenden Autos, und Hess nutzt ihn, um zu Geschäftsterminen zu fliegen. Hochtrabende Werbevideos gibt es davon nicht, aber wenn Hess ins Meeting geht, hat er schon Flüsse, Wälder und Dörfer aus der Luft gesehen.

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