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18.04.2017

22:14 Uhr

Facebook-Entwicklerkonferenz

Mark Zuckerberg entdeckt die Kamera

Von: Matthias Hohensee

  Auf der Entwicklerkonferenz F8 ruft Mark Zuckerberg das nächste große Ziel aus: Die Handy-Kamera soll zur ersten Plattform für "erweiterte Realität" werden. Doch während der Facebook-Chef so Snapchat attackiert, werden andere Baustellen größer.

Mark Zuckerberg kündigt auf der Facebook-Entwicklerkonferenz F8 eine neue Plattform rund um die sogenannte «erweiterte Realität» an, bei der virtuelle Objekte in die reale Umgebung integriert werden. dpa

Mark Zuckerberg kündigt auf der Facebook-Entwicklerkonferenz F8 eine neue Plattform rund um die sogenannte «erweiterte Realität» an, bei der virtuelle Objekte in die reale Umgebung integriert werden.

Es war ein Experiment, ursprünglich kritisiert als Kontrollverlust, das zum Durchbruch wurde. Im Gegensatz zu seinem Konkurrenten MySpace gewährte Facebook im Mai 2007 externen Programmierern Zugang zu seiner Plattform. Facebook startete dank deren Kreativität durch. 20 Millionen Nutzer hatte das soziale Netzwerk damals. Millionen neue wurden allein durch virale und süchtig machende Spiele wie Zyngas Farmville gewonnen.

Zehn Jahre später, am Dienstag nach Ostern, steht Facebook-Chef Mark Zuckerberg mit stolz gereckter Brust auf der Bühne des McEnery Konferenzzentrums im kalifornischen San Jose und gibt auf seiner Entwicklerkonferenz F8 vor 4000 geladenen Programmierern aus aller Welt das nächste große Ziel vor.

"Wir machen die Kamera zur ersten Plattform für erweiterte Realität", ruft der Unternehmer. Er verspricht: "Wir werden digitale und natürliche Dinge miteinander kombinieren und damit die physische Welt noch interessanter machen."

Facebook-Entwicklerkonferenz: Das ist die F8

Die Entwicklerkonferenz

Führende Unternehmen im Silicon Valley wie Apple, Google und Facebook sind auf die Kooperation mit externen Software-Entwicklern angewiesen. Um dieses „Ökosystem“ zu pflegen, laden die Konzerne jährlich zu ihren Entwicklerkonferenzen ein. Den Auftakt macht Facebook jetzt mit der F8, im Mai folgt die Google I/O und im Juni findet die WWDC von Apple statt.

Von wem und für wen?

Die zweitägige Konferenz F8 richtet sich allerdings nicht nur an Entwickler im engeren Sinne, sondern ist auch für Geschäftspartner von Facebook interessant. Sie können von Konzern-Chef Mark Zuckerberg persönlich erfahren, welche Richtung Facebook in den kommenden Monaten einschlagen wird. Die externen Programmierer haben aber auch die Möglichkeit, von Entwicklern bei Facebook Details zu den technischen Schnittstellen des weltgrößten sozialen Netzwerks zu erfahren, aber auch von den anderen Facebook-Diensten Instagram, Messenger und WhatsApp sowie zu der VR-Brille Oculus.

Ticket-Preise und Livestream

Die F8 findet im McEnery Convention Center in San José statt. Das Ticket für die Besucher kostet 595 Dollar. Da sich jedes Jahr deutlich mehr Interessenten melden, als Plätze verfügbar sind, werden die Ticket-Zusagen verlost. Das Event wird auch im Internet übertragen. Unter https://www.fbf8.com/watch-confirm bietet Facebook einen Live-Stream an.

Basis dafür sind Facebooks Investitionen in Bildmanipulation und Künstliche Intelligenz, beispielsweise das Umwandeln von normalen Fotos in dreidimensional erscheinende Szenen und das automatische Erkennen von Objekten und Personen. Jeder Facebook- Nutzer soll mit ihnen seine Fotos durch das Verschmelzen mit digitalen Kreationen aufhübschen und interessanter machen.

Auf der Leinwand hinter Zuckerberg erscheint eine Kaffeetasse, neben der plötzlich digitale Fische schwimmen oder per Fingertipp Wasserbälle tanzen. Später wird ein Video von einem Pub gezeigt, in dem Fans von Manchester United das Spiel ihrer Mannschaft schauen, eingeblendet mit digitalem Spielstand und Freuden-Feuerwerk, wenn ein Tor geschossen wird.

Facebook-Nutzer können sich dank solcher Tricks noch stärker untereinander bespaßen. Sie verweilen deshalb länger im sozialen Netzwerk. Aber ist das, wie von Zuckerberg vollmundig verkündet, wirklich eine neue Plattform?

Klar ist, dass es eine weitere Kampfansage an den kürzlich an die Börse gegangenen Konkurrenten Snapchat ist. Der Nachrichtendienst hat sich mit verspielten Fotoeffekten allen Skeptikern zum Trotz zum derzeit gefährlichsten Facebook-Konkurrenten entwickelt. Noch vor Zuckerberg hat Snapchat-Chef Evan Spiegel die zentrale Rolle der Kamera als Kreativ-Instrument, mit dem jedermann umgehen kann, entdeckt und in den Mittelpunkt seiner Strategie gerückt. Nachdem Zuckerberg erfolgreiche Snapchat-Funktionen - wie nach 24 Stunden verschwindende Bildergeschichten - bereits in seinem Fotoservice Instagram kopiert hat, legt er nun nach. Das ist gefährlich für Snapchat mit seinen 300 Millionen Nutzern, denn Facebook hat das weit größere Publikum.

Das Unternehmen Facebook in Zahlen

Umsatz

2016: 27.638 Mio. US-Dollar

2012: 5.089 Mio. US-Dollar

2006: 50 Mio. US-Dollar

Stand: April 2017

Quelle: statista.com

Reichweite

Monatlich aktive Nutzer: 1.860 Mio.

Monatlich aktive mobile Nutzer: 1.740 Mio.

Ausgaben für Forschung und Entwicklung

5.919 Mio. US-Dollar (2016)

Mitarbeiter weltweit

17.048 Mitarbeiter

Eigentumsanteil Mark Zuckerberg

28,2 Prozent

Innerhalb einer Dekade sind aus 20 Millionen fast zwei Milliarden Nutzer geworden, etwa ein Viertel der Weltbevölkerung. Diese Klientel zu umgarnen, ließen sich Werbekunden allein im vergangenen Jahr 27 Milliarden Dollar kosten. Für 2017 ist ein Umsatz von 40 Milliarden Dollar angepeilt. Die Reichweite wird von der eigenen Instant-Messaging-App Facebook Messenger, sowie zugekauften Diensten wie WhatsApp und Instagram flankiert.

Doch das globale Publikum bringt auch Probleme mit, denen sich Facebook laut Kritikern nur ungenügend stellt.

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