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19.05.2017

09:45 Uhr

Familienunternehmer

„Wir brauchen Gigabit-Geschwindigkeit“

Von: Marc Etzold

  Beim Kongress der Familienunternehmer stehen Digitalisierung und Breitbandausbau im Fokus. Wie soll das ohne schnelles Internet gelingen, fragen sich Unternehmer. Ein Wahlgewinner der letzten Landtagswahl macht ihnen Hoffnung.

Bei vielen deutschen Familienunternehmen ist die Internetverbindung zu langsam. Das führt zu Verzögerungen im Geschäftsalltag. dpa

Bei vielen deutschen Familienunternehmen ist die Internetverbindung zu langsam. Das führt zu Verzögerungen im Geschäftsalltag.

Martin Wagner muss schmunzeln als er die Zahl ausspricht. Zwei Megabit pro Sekunde. So schnell ist die Internetverbindung in seinem Unternehmen, der Brosa AG, im schwäbischen Tettnang. Das Familienunternehmen, das 1935 gegründet wurde, ist auf Sensoren spezialisiert, die beispielsweise in Seilwinden oder Fahrwerken verwendet werden. „Manchmal können unsere Kunden nicht auf unsere Systeme zugreifen. Dann rufen sie an oder schicken ein Fax“, sagt Wagner genervt. Der Aufwand ist immens, Brosa-Mitarbeiter pflegen die Bestellungen und Wünsche der Kunden dann händisch ein, das frisst Zeit und Geld.

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Brosa hat seinen Firmensitz in einem Gewerbegebiet. Andere Unternehmen überlegten bereits, ob sie sich woanders ansiedeln, erzählt Wagner. Zu schlecht seien die Bedingungen. Dass es auch anders geht, weiß der Brosa-Chef nur zu gut. In einer Schweizer Dependance stehen dem Unternehmen 500 Megabit pro Sekunde zur Verfügung während in Deutschland noch 50 Megabit pro Sekunde als Ziel gelten.

Bei der Jahrestagung der Familien- und Jungen Unternehmer zum Thema „Mehr Wirtschaft wagen“ klagt Wagner sein Leid – und wird gehört. FDP-Chef Christian Lindner ist zu Gast und fordert einen flächendeckenden Breitbandausbau in der Republik –„und nicht nur in Bayern“, scherzt der Liberale in Anspielung auf den zuständigen Verkehrsminister Alexander Dobrindt von der CSU. „Wir brauchen Gigabit-Geschwindigkeit“, sagt Lindner und erntet dafür Applaus.

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In den Städten und Metropolregion sei der Ausbau kein großes Problem, schließlich gebe es viele potentielle Kunden, sodass die Investitionen für die Unternehmen Sinn ergeben. Anders sieht es im ländlichen Raum aus. Hier muss oft über viele Kilometer Glasfaserkabel verlegt werden bevor ein Unternehmen davon profitieren kann. „Dafür brauchen wir staatliche Fördermittel“, sagt Lindner. Sein Ansatz: Der Bund soll seine Anteile an Telekom und Post verkaufen. Mit den Milliardenerlösen könne der Breitbandausbau finanziert werden, auch im ländlichen Raum, ist Lindner überzeugt. Auch CDU und Grüne fordern das.

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Für Brosa-CEO Martin Wagner trifft Lindner damit den richtigen Ton. „Der Breitbandausbau ist das Zukunftsthema.“ Es ist noch mehr. Denn ohne schnelles Internet für Wirtschaft und Unternehmen wird die Vernetzung von Maschinen und Robotern nicht funktionieren. Dabei schätzt der IT-Verband Bitkom, dass eine Produktivitätssteigerung von knapp 80 Milliarden Euro bis 2025 für die deutsche Wirtschaft möglich ist, wenn das gelingt. Industrie 4.0 nennen das die Experten – ohne schnelles Internet allerdings unmöglich.

Auch Sven Kaiser von der UKEM Elektrogroßhandelsgesellschaft hofft, dass die Politik ab Herbst, wenn eine neue Regierung im Amt ist, schnell in den Infrastrukturausbau investieren wird. Kaisers Unternehmen ist in Harzgerode, Sachsen-Anhalt angesiedelt. Aktuell noch das größte Problem: Mitarbeiter halten. Wer von einem Unternehmen in einer Großstadt oder Metropolregion ein Angebot bekommt, ist schnell weg. Eine gute technische Infrastruktur würde für Kaiser mehr Produktivität und bessere Zukunftsaussichten für Mitarbeiter bedeuten. „Ein Breitbandausbau macht uns wettbewerbsfähiger“, ist Kaiser überzeugt. 

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