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19.06.2017

10:03 Uhr

Google

Mit künstlicher Intelligenz gegen Terror-Inhalte

Von: dpa

  Internet-Konzerne stehen unter Druck, mehr gegen die Verbreitung von Terror-Propaganda im Netz zu unternehmen. Google kündigte nun eine Initiative an, die auf Künstliche Intelligenz und menschliche Expertise setzt.

Künstliche Intelligenz soll Google bei der Bekämpfung von Terrorinhalten helfen. dpa

Künstliche Intelligenz soll Google bei der Bekämpfung von Terrorinhalten helfen.

Unter wachsendem Druck aus der Politik wollen Internet-Konzerne verstärkt künstliche Intelligenz im Kampf gegen terroristische Inhalte einsetzen. Nach Facebook kündigte dies am Wochenende auch Google an. Der Internet-Konzern werde dafür mehr Entwickler abstellen und seine modernste Technologie bei selbstlernenden Maschinen nutzen, erklärte Google-Chefjurist Kent Walker am Sonntag.

Damit sollen unter anderem bei der Videoplattform YouTube automatisch mehr Clips mit Terrorpropaganda aufgespürt werden. Auch die Zahl der Experten, die über als verdächtig markierte Videos entscheiden, werde stark erhöht, schrieb Walker in einem Beitrag in der Londoner Zeitung „Financial Times“. Google setzt dabei auf „Trusted Flagger“, das sind Einzelpersonen oder Organisationen, denen Google vertraut, wenn sie anstößige oder rechtswidrige Inhalte anzeigen. Das können auch Strafverfolgungsbehörden sein. In Deutschland gehören jugendschutz.net, das gemeinsame Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Jugendschutz im Internet, sowie der Verein FSM (Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter) zu den „Trusted Flaggern“.

Walker betonte, Google, YouTube und andere Internet-Firmen arbeiteten zwar schon seit Jahren daran, solche Inhalte zu finden und zu löschen - aber „die unbequeme Wahrheit ist, dass wir als Industrie eingestehen müssen, dass noch mehr getan werden muss. Jetzt.“

Nutzerzahlen der bekanntesten sozialen Medien

Xing

10 Millionen aktive Nutzer hat das Karriereportal Xing monatlich.

Quelle: We are social, Unternehmensangaben

LinkedIn

LinkedIn hat deutlich mehr aktive User: 100 Millionen Menschen nutzen das Karriereportal im Monat.

Pinterest

Auch das soziale Bildernetzwerk Pinterest kommt auf 100 Millionen registrierte, aktive Nutzer.

Snapchat

Noch weit vor Pinterest, LinkedIn und Xing liegt Snapchat, der kostenlose Instant-Messaging-Dienst zur Verbreitung von Bildern und Videos. 200 Millionen Menschen nutzen Snapchat im Monat.

Twitter

Den Nachrichtendienst Twitter nutzen jeden Monat 320 Millionen Menschen.

Instagram

Der Online-Dienst zum Teilen von Fotos und Videos - Instagram - registriert 400 Millionen aktive Nutzer im Monat.

WhatsApp

Der erfolgreichste Instant-Messaging Dienst ist WhatsApp mit 1000 Millionen Nutzern pro Monat.

Facebook

Das soziale Netzwerk Facebook kann jedoch keiner der anderen sozialen Netzwerke toppen: 1600 Millionen User nutzen das Portal jeden Monat aktiv.

Google setze bereits auf die Analyse von Videobildern, um Terror-Propaganda auch ohne Hinweisen von Nutzern zu entdecken, betonte Walker. Mehr als die Hälfte der gelöschten Inhalte in den vergangenen sechs Monaten sei so gefunden worden. Entwickler des Internet-Konzerns hätten auch Technologie entwickelt, die ein erneutes Hochladen bereits bekannter terroristischer Videos verhindere.

Auch Facebook gab vor wenigen Tagen bekannt, dass selbstlernende Maschinen stärker dafür eingesetzt werden, solche Inhalte gar nicht erst wieder auf die Plattform durchzulassen. Zudem werde an einem Algorithmus gearbeitet, der durch Textanalyse terroristische Propaganda erkennen solle.

Löschregeln: Was bei Facebook erlaubt ist

Löschregeln

Was bei Facebook erlaubt ist

"Hate speech" muss konkret und bedrohlich sein, damit sie gelöscht wird. So steht es in den Kommentarregeln von Facebook, die der englische "Guardian" veröffentlicht hat. Was noch gepostet werden darf - und was nicht.

Internet-Unternehmen stehen in Europa unter wachsendem Druck aus der Politik, härter gegen Terror-Inhalte vorzugehen. So erklärte die britische Premierministerin Theresa May nach dem jüngsten Attentat auf der London Bridge, Extremismus finde im Netz eine sichere Brutstätte - und die großen Internetunternehmen ließen dies zu. In Deutschland sieht ein Gesetzentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) Strafen von bis zu 50 Millionen Euro vor, wenn Internet-Firmen illegale Inhalte nicht schnell genug löschen.

Der Entwurf ist umstritten, unter anderem wegen einer Frist von sieben Tagen, die Online-Netzwerke zur Entscheidung in nicht eindeutigen Fällen bekommen sollen. Für den Montag ist eine Anhörung im Rechtsausschuss des Bundestages zu dem Gesetz angesetzt, bei der unter anderem Organisationen und Verbände ihre Argumente einbringen können. In vorab veröffentlichten Stellungnahmen wurde der Entwurf von „Reporter ohne Grenzen“ als ungeeignet kritisiert und von der Staatsanwaltschaft Hamburg unterstützt.

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