WirtschaftsWoche

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01.03.2017

18:19 Uhr

Mobile World Congress

Der Kampf ums Steuer

Von: Thomas Kuhn

  Bei der Frage, wer künftige autonome Autos am besten durch den Verkehr steuert, sind Autobauer und Kommunikationskonzerne auf Kollisionskurs. Wichtige Fragen sind ungeklärt, etwa: Wer ist schuld bei einem Unfall?

Connected-Car-Technologie von IBM and Mastercard beim Mobile World Congress in Barcelona AP

Connected-Car-Technologie von IBM and Mastercard beim Mobile World Congress in Barcelona

Wenn es in diesen Tagen auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona so etwas gibt wie die Idealanwendung für die künftigen Mobilfunknetze der fünften Generation – kurz 5G genannt –, ein Nutzerszenario, das in keiner Präsentation und bei keinem Hintergrundgespräch fehlen darf, dann ist es der Verkehr der Zukunft. Egal, ob es um bessere Stauvorhersagen, die Vermeidung von Unfällen oder – logisch – das autonome Fahren geht: Immer soll 5G so etwas sein wie das digitale Öl, das die Maschinerie der künftigen Mobilität zum reibungslosen Laufen bringt.

Wie eng die Welten mittlerweile verwoben sind, zeigt sich auch an der Masse der (mehr oder minder) vernetzten Fahrzeuge, die sich in fast allen Messehallen auf den Ständen der Aussteller finden. Gerade Oberklasse-Mobile dienen allenthalben als Blickfänger und Beispiel für die komfortable Welt des vernetzten Reisens. Über eigene Mobilfunkantennen an UMTS- oder LTE-Funknetze angedockt, werden die Karossen zu rollenden WLAN-Hotspots, an die sich die Reisenden im Inneren andocken können.

Bisher waren derlei Finessen noch ein Privileg der Top-Modelle, doch die Technik macht sich zunehmend auch im Mittelsegment und in der automobilen Einsteigerklasse breit. Rechtzeitig zum MWC kündigten etwa Ford und Vodafone an, Fahrzeuge ab kommendem Jahr mit integrierten LTE-Stationen ausstatten zu wollen, die (für die ersten drei Monate nach dem Kauf kostenlos) unterwegs den – im doppelten Wortsinn – schnellen Zugang zum mobilen Internet ermöglichen sollen.

Nach Ablauf der Testphase können (oder aus Vodafone-Sicht sollten) die Ford-Fahrer dann einen Laufzeitvertrag für ihr rollendes Mobilfunkgerät abschließen. Tun sie das nicht, bleibt der Webzugang im Auto stumm. Die eingebaute Sendetechnik aber bleibt dennoch nützlich, denn darüber wickelt Ford im Notfall die automatischen Alarmmeldungen des eCall-Dienstes ab, die voraussichtlich ab kommendem Jahr in der EU nun endlich für Neuwagen verpflichtend werden.

So gedeihlich solche Szenarien für beide Seiten sein mögen, so strittig ist die Frage, welche Bedeutung der Mobilfunk haben wird, wenn irgendwann nach 2020 die ersten teil- und später vollautonom fahrenden Autos auf die Straßen kommen sollen. Denn da, auch das wird hier in Barcelona deutlich, haben Fahrzeugbauer und Netzbetreiber ganz unterschiedliche Interessenslagen. Auch weil es darum geht, wer welche – potenziell lukrativen – kommenden Mobilitätsdienste anbieten wird.

Mobile World Congress: Die Telekom-Konzerne vergessen die normalen Verbraucher

Mobile World Congress

Kommentar Die Telekom-Konzerne vergessen die normalen Verbraucher

Das neue Mobilfunk-Paradoxon: Für die 5G-Netze wünscht sich die Industrie all das, wovon Normalkunden seit Langem träumen. Warum fragt eigentlich niemand die Verbraucher, was sie wollen?

Dabei ist inzwischen beiden Seiten klar, dass der automatisierte Verkehr umso flüssiger und sicherer fließen wird, je besser und verlässlicher die Robo-Autos vernetzt sind. Denn so sehr die einzelnen Wagen auch mit Sensor- und Rechentechnik hochgerüstet sein werden, um Häuserecken oder hinter Straßenkuppen kann auch das Tech-Mobil der kommenden Dekade nicht alleine blicken. Da braucht es den Austausch mit den übrigen Fahrzeugen, die in gleicher oder entgegengesetzter Richtung oder auch von der Seite kommend unterwegs sind.

Und zwar den Austausch möglichst in Echtzeit. Nur dann nämlich lassen sich Sicherheitsabstände auf ein technisch kürzestmögliches Maß reduzieren, lassen sich Straßen optimal auslasten. Dauert es zu lange, die Warnung zu übertragen, dass ein Hindernis droht, ist der Unfall schon passiert, bevor die Information nachfolgende Autos erreicht. Oder Autoschlangen schaukeln sich zu den Staus auf, die die Technik eigentlich vermeiden soll.

Auch deshalb warten Funkausrüster und Fahrzeugbauer sehnlichst auf die 5G-Funknetze, weil diese nämlich (unter anderem) Datenübertragungen im nur noch einstelligen (maximal niedrigen zweistelligen) Millisekunden-Bereich ermöglichen sollen.

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