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13.11.2017

19:07 Uhr

Riesiger LED-Bildschirm

Wie Samsung das Kino neu erfinden will

Von: Thomas Kuhn

  Mehr Kontraste, mehr Farben, mehr Dynamik: Samsung entwickelt eine neue Technik, die das Filmerlebnis im Kino revolutionieren soll - und kopiert dabei den Fernseher.

Dass der koreanische Elektronikkonzern Samsung für seinen Einstieg in den Kinomarkt ausgerechnet die elegante Lotte-World-Mall im Südosten der südkoreanischen Hauptstadt ausgewählt hat, passt. Immerhin gehört der Konsumtempel samt seinem zugehörigem 555-Meter-Hochhaus zu den aktuell angesagtesten Shopping-Destinationen in Fernost. Weil der Elektronikriese bei seinen Ambitionen gleichermaßen hohe wie beeindruckende Ziele verfolgt, haben seine Marktstrategen und der Handelskonzern Lotte genau hier vor Kurzem eine weltweit einzigartige Kinoleinwand präsentiert.

Eine von ihre Entwickler glauben, dass sie die Art grundlegend verändern wird, wie Filmfreunde rund um den Globus in Zukunft Filme erleben werden.

Zur Eröffnung des Einkaufszentrums in diesem Spätsommer nahmen die Partner die erste Kinoleinwand weltweit in Betrieb, die aus annähernd 8,3 Millionen winziger LED-Leuchtpunkte besteht und daher keine Projektionstechnik mehr benötigt. Stattdessen arbeitet sie wie ein gigantischer, 10,2 mal 5,4 Meter großer Flachbildmonitor – und leuchtet selbst. Was zunächst eher wie eine technische Fingerübung klingt, hat tatsächlich bemerkenswerte Folgen für das Filmerlebnis.

Weil die Leinwand selber leuchtet und Licht nicht bloß reflektiert, kann sie nicht bloß fünf- bis zehnmal größere Kontraste zwischen den dunkelsten und den hellsten Bildstellen darstellen als bisherige Projektionstechniken. Für Filme mit einer derartigen Kontrastspreizung hat sich in der Branche das Kürzel HDR etabliert, das für High Dynamic Range steht, einen besonders großen Dynamikumfang. Mehr noch, das Display ist auch noch  in der Lage einen deutlich größeren Farbraum (also Farbtöne und -schattierungen) darzustellen als herkömmliche Monitore oder Projektionsverfahren.

Weitere Folge der Leuchtstärke: Alle Bildbereiche erscheinen aus allen Blickwinkeln gleichmäßig hell ausgeleuchtet. Der bisher häufig erkennbare Helligkeitsabfall zu den Rändern und speziell in den Ecken – die sogenannte Vignettierung – ist beim Mega-LED-Schirm des Lotte-Kinos Vergangenheit. Und die Bildqualität von allen Plätzen gleich.

„Wir bieten damit ein bislang ungekanntes Bilderlebnis“, sagt Jason Kim, einer der technischen Spezialisten hinter der Entwicklung der LED-Leinwand. Und damit hat er Recht, wie eine Demo-Vorführung im Lotte-Kino belegt. Dazu haben die Techniker die Helligkeitswerte einiger Szenen aus Tim Burtons Film „Die Insel der besonderen Kinder“ mithilfe eines Kontrast-Algorithmus automatisch an die Lichtstärke ihres Displays angepasst.

Räumliche Bildwirkung ohne Brille

Das Ergebnis ist ebenso verblüffend wie faszinierend: Gleißendes Sonnenlicht wird dabei deutlich heller dargestellt, die Farben leuchtender und sogar in den dunklen Bildteilen werden plötzlich Details erkennbar, die bei normalen Kontrastverhältnissen unsichtbar blieben. Was auf den Plakaten, die im Einkaufszentrum für die neue High-Tech-Leinwand werben, noch nach gekünstelter Farbenflut aussieht, wirkt – wenn die Bilder als Film ablaufen – plötzlich auf eine bislang ungesehene Art realistisch.

Nebeneffekt der Kontraststärke: Die Details erscheinen so gestochen scharf, dass die Bilder, obwohl nur zweidimensional abgespielt, sogar eine Art räumliches Sehempfinden vermitteln.

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Die Leinwand in Seoul bedeutet nicht nur einen Qualitätssprung in der Filmwiedergabe. Sie ist auch Ausdruck einer Umkehrung der Innovationsdynamik zwischen der TV- und Filmwelt. Galt in der Vergangenheit immer das Kino dank der Opulenz der Bilder, der Farben und natürlich der Größe als das Maß der Dinge, hatte die jüngste Generation der Flachbildriesen für daheim der klassischen Leinwand zuletzt erstmals den Rang abgelaufen.

Denn HDR, die Technik, die auch die Bilder in Seoul strahlend, detailreich und lebensecht wirken lässt, gibt es bei den Top-Fernsehern der großen Geräteproduzenten bereits seit vergangenem Jahr zu kaufen.

Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime bieten bereits die ersten Filme in entsprechend höher Farb- und Kontrastauflösung an. Bisher aber eben bloß für daheim. Das Kino konnte da mangels geeigneter Wiedergabetechnik nicht mithalten. Das Super-Display in Seoul ändert das nun.

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