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28.09.2017

20:29 Uhr

Gesichtserkennung Face ID

Wie Apple die Trickser aussperren will

Von: Christof Kerkmann
Quelle:Handelsblatt Online

  Apple nutzt im iPhone X eine Technologie namens Face ID für die Entsperrung des Gerätes. Doch wie sicher sind die Daten? Nun verrät der Konzern Details, wie er die sensiblen Informationen schützen will.

Mehrere Komponenten vermessen das Gesicht des Nutzers. Reuters

Mehrere Komponenten vermessen das Gesicht des Nutzers.

DüsseldorfEin kurzer Blick, und es kann losgehen. Mit dem iPhone X führt Apple eine Entsperrung per Gesichtserkennung ein. Wenn das neue Premiumgerät im November in den Handel kommt, so verspricht der Konzern, soll Schutz vor fremden Zugriffen auf das Gerät samt aller Fotos, E-Mails und Gesundheitsdaten so einfach wie nie werden.

Die Funktion wirft aber Fragen zu IT-Sicherheit und Datenschutz auf: Wie will der Hersteller verhindern, dass Kriminelle die Sperre überwinden, beispielsweise mit Fotos? Bei Konkurrenzgeräten von Samsung reicht das aus, um die Gesichtserkennung auszutricksen. Und wie gewährleistet er, dass sich niemand Zugriff auf die Daten verschafft? Ein Passwort lässt sich ersetzen, ein Gesicht nicht. Der US-Senator Al Franken hat einen Katalog mit solchen Fragen an den Konzern geschickt.

Der iPhone-Hersteller hat bereits bei der Präsentation neben dem Komfort die Sicherheit in den Mittelpunkt gestellt. Nun hat er mehrere Dokumente veröffentlicht, um die Arbeitsweise und den Umgang mit personenbezogenen Daten zu erklären. Der Datenschutz sei „unglaublich wichtig“, heißt es in der Dokumentation. Einige Aspekte können aber vielleicht trotzdem Unbehagen auslösen.

Die Einführung der Gesichtserkennung hat mit einer großen Neugestaltung des iPhone X zu tun: Um mehr Fläche für den Bildschirm freizuräumen, hat Apple den Home Button und somit auch den Fingerabdrucksensor abgeschafft. Stattdessen soll nun die Gesichtserkennung eine schnelle Entsperrung des Gerätes ermöglichen und Bezahlungen im App Store erleichtern. Auch die Apps anderer Unternehmen sollen die Technologie nutzen können.

Apple nutzt für die Entsperrungstechnologie mehrere Komponenten, die mithilfe einer Infrarotkamera ein dreidimensionales Bild erstellen, darunter ein Projektor, der 30.000 Bildpunkte aufs Gesicht wirft. Der Vorteil gegenüber der Iriserkennung: Das Verfahren soll bei Dunkelheit wie auch bei hellem Sonnenschein funktionieren. Technisch ist das nicht trivial: Medienberichten zufolge sorgt das aufwendige System für Produktionsprobleme.

Bei der Einrichtung speichert das iPhone X eine „mathematische Darstellung“ des Gesichts ab, wie Apple es ausdrückt – also ein dreidimensionales Modell. Dieses dient als Vorlage: Wenn Nutzer das Gerät zur Hand nehmen, gleicht das System die Person vor der Kamera automatisch damit ab – und entsperrt den Bildschirm bei Übereinstimmung.


Es reicht nicht, das Smartphone vor das Gesicht zu halten

Dabei kommt künstliche Intelligenz zum Einsatz, die einerseits bestimmte Kennzeichen des Gesichts wiedererkennt - auch wenn der Nutzer eine Sonnenbrille, einen Hut oder Schal trägt, wie Apple in dem technischen Papier erklärt. Andererseits sollen die Algorithmen Tricksereien verhindern, etwa mit Fotos. Professionell gemachte Masken aus Hollywood dienten dem System dabei als Lernstoff, wie Apple-Manager Phil Schiller verriet. Welche Kriterien die Technik anlegt, lässt sich indes nicht nachvollziehen: Künstliche Intelligenz ist eine Blackbox.

Hier spielt Apple eine Stärke aus: Der Konzern investiert massiv in die Entwicklung eigener Chips. Der aktuelle Prozessor, A11 Bionic genannt, kann die Algorithmen für die Gesichtserkennung direkt auf dem Gerät ausführen. Für die Erkennung ist es also nicht nötig, Daten in die Cloud zu übertragen, wie es sonst beim Einsatz künstlicher Intelligenz üblich ist.

Die biometrischen Daten speichert das Gerät in einem verschlüsselten Bereich. Auf diesen habe niemand Zugriff, betont das Unternehmen – noch nicht einmal es selbst. Die einzige Ausnahme: Wenn Nutzer Probleme haben, können sie dem Kundenservice den Zugriff gestatten. Auch in den eigenen Rechenzentren hält der Konzern keine Kopie der Daten vor.

Bei aller Vorkehrungen: Ohne ein dreidimensionales Modell des Nutzers funktioniert Face ID nicht. Die Kunden müssen also darauf vertrauen, dass Apple den geschützten Bereich, Secure Enclave genannt, tatsächlich gut vor Zugriffen absichert.

Wie schon bei der Entsperrung per Touch ID stellt sich zudem die Frage: Wie können iPhone-Nutzer verhindern, dass jemand das Gerät gegen ihren Willen entsperrt? Das mag für viele nicht besonders wahrscheinlich klingen, ist aber für Bürgerrechtler, Journalisten und alle anderen, die ihre Daten besonders gut schützen wollen, eine wichtige Frage.

Die Dokumente zeigen, dass die Apple-Ingenieure über dieses Problem nachgedacht haben. So reicht es nicht, das Smartphone vors Gesicht zu halten: Die Augen müssen geöffnet sein und in Richtung Bildschirm gucken. Zudem können Nutzer das System mit einer Tastenkombination zwischenzeitlich deaktivieren – sie müssten den Ein- und Ausschalter sowie den Leiser-Knopf mehrere Sekunden drücken.

Im Vergleich zu anderen Systemen scheint Face ID deutlich sicherer zu sein. Ob die verschiedenen Maßnahmen reichen, um Hacker und Kriminelle abzuwehren, wird sich aber erst nach der Markteinführung im November zeigen.

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