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20.04.2017

19:21 Uhr

March for Science

Revolte statt Elfenbeinturm

Von: Thomas Kuhn

  Forscher rufen zu einer der größten Demonstrationen aller Zeiten auf – gegen die Abkehr von faktenbasiertem Wissen und Denken. Doch der weltweite March for Science ist umstritten.

Menschen protestieren gegen alternative Fakten und für die Wissenschaft in Boston im Februar 2017. dpa

Es ist nicht das erste Mal, dass Wissenschaftler gegen Donald Trump auf die Straße gehen. Mitte Februar demonstrierten etwa Forscher in Boston.

George Daley, Dekan der Harvard Medical School, gilt in der Stammzellenforschung als Mann für die unlösbaren Fälle. Vergangenes Jahr erst einigten sich unter seiner Leitung Dutzende Experten auf ethische Standards für die weltweite Forschung an Stammzellen. Daley befriedete dabei einen über Jahre schwelenden Streit zwischen Politik und Wissenschaft. Auch deshalb schauen seine Kollegen immer dann auf den Wissenschaftler, wenn diese zwei Welten besonders hart aufeinanderprallen. In diesen Tagen ist es wieder so weit. „Da zieht ein Sturm auf“, warnte der Biologe und Mediziner jüngst in einem Interview. Die USA seien „auf dem Weg zurück zu einem Denken wie vor der Aufklärung in die Tage von Aderlass und Wunderheilung“.

Daley und große Teile der US-Wissenschaftsgemeinde sind alarmiert, dass Diskussionen immer seltener auf Basis von Fakten geführt werden.

Fast täglich verbreiten US-Präsident Donald Trump und seine Entourage Halbwahrheiten oder schlicht Erfundenes als „alternative Fakten“. Trump, so die Angst vieler Wissenschaftler, könnte wissenschaftliche Arbeit und offenen Diskurs einer politischen Zensur unterwerfen.

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Nun sammeln sich Forscher zum Protest gegen die Trump-Regierung. Sie machen Front gegen eine Beschränkung der US-Wissenschaft. Auch in Deutschland wächst die Sorge um das weltoffene Klima für die US-Forschung.

Zehntausende Aktivisten organisieren deshalb die größte Wissenschaftsdemo, die Washington je gesehen hat. Am 22. April wollen sie mit dem „March for Science“ der überprüfbaren Wahrheit Gehör verschaffen.

Forschungsförderung als politisches Druckmittel

Anlass zur Sorge gibt es reichlich: So hat der US-Präsident erste Links auf Studien zum Klimawandel, den er anzweifelt, sofort nach Amtsantritt von Regierungswebseiten tilgen lassen. Wissenschafts-Aktivisten hatten sie aus Sorge um den Verlust der Daten auf andere Server kopiert und zum Teil außerhalb der USA gesichert.

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Viele - Wissenschaftler, genauso wie forschende Unternehmen - befürchten zudem, dass die Regierung missliebige Forschungsfelder austrocknet.

Größter Geldgeber in der medizinischen Forschung etwa ist die Gesundheitsbehörde NIH mit rund 32 Milliarden Dollar jährlich der weltgrößte öffentliche Geldgeber für biomedizinische Forschung überhaupt. Geld für Studien zur Abtreibungsberatung bei am Zika-Virus erkrankten Schwangeren hat Trump schon gekappt. Mediziner sehen das als Entgegenkommen an die konservativen Abtreibungsgegner in der Republikanischen Partei - und fürchten weitere politisch motivierte Einschnitte.

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