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28.05.2014

17:09 Uhr

Brennstoffzellen

Das eigene Kraftwerk im Keller

Von: Dieter Dürand

  Mit der Wut über den steigenden Strompreis wächst bei vielen der Wunsch, sich von Energieversorgern unabhängig zu machen. Nun ist mit der Brennstoffzelle eine neue Technologie marktreif. Was die acht besten Systeme können - und was sie kosten.

Hans-Gerd Funke kann es sich gar nicht mehr anders vorstellen: Seit mehr als 18 Monaten bezieht er den Strom für das 200-Quadratmeter-Haus, in dem er mit seiner Frau, drei Kindern und einem Hund wohnt, fast vollständig aus einem Brennstoffzellen-Testgerät. Es steht im Keller seines Hauses, ist nicht größer als eine Spülmaschine - und völlig geräuschlos.

Rund 24 Kilowattstunden produziert die Brennstoffzelle jeden Tag. Anders als bei Solarzellen auf dem Dach fließen die Elektronen auch nach Sonnenuntergang. Die Abwärme, die bei der Stromproduktion entsteht, wird genutzt, um Duschwasser zu erhitzen oder die Räume zu heizen. Funke ist zufrieden: „Bisher läuft das System sehr zuverlässig.“

Aufbau des Brennstoffzellen-Systems "Galileo" der Hexis AG. (zum Vergrößern bitte anklicken) Presse

Aufbau des Brennstoffzellen-Systems "Galileo" der Hexis AG. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Der Oldenburger ist Teilnehmer eines bundesweiten Großprojekts namens Callux. Hersteller von Viessmann bis Vaillant prüfen seit 2008 fast 400 Geräte im Alltagsbetrieb auf Herz und Nieren.

Und das funktioniert so: Die Geräte gewinnen aus Erd- oder Biogas Wasserstoff. Dieser wird in der Brennstoffzelle in Wärme und Elektrizität umgewandelt. In Autos oder auch in U-Booten hat die Zukunftstechnik ihre Tauglichkeit längst bewiesen. In Japan tut sie bereits in mehr als 40.000 Privathaushalten ihren Dienst.

Sprung nach Deutschland

Nun soll der Markt auch in Deutschland in die Gänge kommen. Laut Wolfram Münch, Chef der Forschungsabteilung beim Energiekonzern EnBW Baden-Württemberg und Sprecher der Callux-Initiative, sind die Systeme reif für den Hausgebrauch. Bei dieser Einschätzung stützt er sich auf eine Befragung der Testkunden: 98 Prozent gaben an, mit den Geräten zufrieden zu sein.

Das macht den Herstellern offensichtlich Mut. Nach den Vorreitern Ceramic Fuel Cells (CFC) und Hexis wagen sich dieses Jahr auch Elcore und Viessmann in den Markt. Als letzter Anbieter will nach derzeitiger Planung Vaillant 2017 einsteigen.

Die wichtigsten Brennstoffzellen-Hersteller und -Systeme

Baxi Innotech

Hersteller: Baxi Innotech
System: Gamma Premio
Typ: NT-PEM
Gesamtwirkungsgrad: 96%
Markteinführung: 2015

www.baxi-innotech.de

Buderus

Hersteller: Buderus
System: Logapower FC10
Typ: SOFC
Gesamtwirkungsgrad: 90%
Markteinführung: 2016

www.buderus.de

Ceramic Fuel Cells

Hersteller: Ceramic Fuel Cells
System: BlueGen
Typ: SOFC
Gesamtwirkungsgrad: bis zu 85%
Markteinführung: 2012

www.ceramicfuelcells.de

Elcore

Hersteller: Elcore
System: elcore 2400
Typ: HT-PEM
Gesamtwirkungsgrad: 98%
Markteinführung: 2014

www.elcore.com

Hexis

Hersteller: Hexis
System: Galileo
Typ: SOFC
Gesamtwirkungsgrad: 95%
Markteinführung: Ende 2013

www.hexis.com

Junkers

Hersteller: Junkers
System: CeraPower FC
Typ: SOFC
Gesamtwirkungsgrad: 90%
Markteinführung: 2016

www.junkers.com

Vaillant

Hersteller: Vaillant
System: Prototyp
Typ: SOFC
Gesamtwirkungsgrad: 80-90%
Markteinführung: spätestens 2017

www.vaillant.de

Viessmann

Hersteller: Viessmann
System: Vitovalor 300-P
Typ: NT-PEM
Gesamtwirkungsgrad: 90%
Markteinführung: April 2014

www.viesmann.de

Größte Einstiegshürde dürften die hohen Preise für die Brennstoffzellen sein. Das BlueGen-Gerät von CFC zum Beispiel kostet inklusive Installation rund 28.000 Euro. Dennoch soll es sich CFC-Geschäftsführer Frank Obernitz zufolge nach etwa sieben Jahren über die Energieeinsparung amortisiert haben.

Das funktioniert allerdings nur, wenn ein Investitionszuschuss von bis zu 13.000 Euro aus einem Förderprogramm eingerechnet wird. Damit unterstützt zum Beispiel die nordrhein-westfälische Landesregierung die Markteinführung. Sonst dauert es deutlich länger - laut Energieagentur NRW 20 Jahre und mehr.

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