WirtschaftsWoche

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29.07.2017

09:00 Uhr

E-Antrieb statt Verbrenner

Warum Greenpeace plötzlich für Elektroautos ist

Von: Martin Seiwert

  Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat Greenpeace bei seiner Meinung zum Elektroauto eine 180-Grad-Wende vollzogen. Was hinter dem Manöver steckt.

Demonstration von Greenpeace gegen Diesel dpa

Demonstration von Greenpeace gegen Diesel

Vor fünf Jahren war für die Umweltschützer in Hamburg noch alles klar: Elektroautos sind nur pseudo-grün, ein Feigenblatt der Autohersteller. Der damalige Verkehrsexperte von Greenpeace, Wolfgang Lohbeck, behauptete, Elektroautos böten  überhaupt keinen ökologischen Vorteil. Denn beim jetzigen Strommix stoße ein Elektroauto sogar mehr CO2 aus als ein sparsamer Benziner.

Die WirtschaftsWoche lieferte sich damals einen Schlagabtausch mit Lohbeck. Die Redaktion schrieb einen offenen Brief an ihn, er antwortete auf dem gleichen Weg.

Nun fordert Greenpeace, dass in Deutschland schon ab 2025 keine neuen Autos mit Verbrennungsmotor zugelassen werden dürfen – eine radikalere Wende zum E-Antrieb fordert in Europa derzeit fast niemand. Großbritannien und Frankreich wollen 2040 aus dem Verbrenner austeigen, Indien bis 2030.

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Das Auto war für Deutsche mehr als ein Produkt, es war ein nationales Symbol. Lange nutzten Konzerne diese Liebe aus. Doch Dieselgate und geheime Absprachen haben das Vertrauen demoliert – und vielleicht noch viel mehr.

Woher der Sinneswandel? Die Klimaziele Deutschlands seien anders nicht zu schaffen, heißt es nun bei Greenpeace. Und: Lohbeck habe grundsätzlich nicht Unrecht gehabt mit seinen Einwänden. Teilweise bestünden die Nachteile des E-Autos – hoher Energiebedarf bei der Herstellung etwa oder der Mangel an sauberem Strom – bis heute nicht gelöst.

Nun sind die Umweltschützer aber optimistisch, dass die Nachteile mit der Zeit geringer werden. Etwa, weil der Anteil sauberen Stroms schnell wächst.

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E-Fahrzeuge sollen die Autoindustrie in ein Zeitalter jenseits des Erdöls führen - und so zum Klimaschutz beitragen. Bei ihrer Ökobilanz muss man aber auch die Quellen des Stroms berücksichtigen.

Schon 2014 belegte eine Studie aus den USA, dass E-Autos bereits zu diesem Zeitpunkt ökologisch überlegen waren. Die auf Öko-Bilanzierungen spezialisierte Beratungsgesellschaft Automotive Science Group (ASG) aus Santa Rosa, Kalifornien, bewertet jährlich anhand von 45 Kennzahlen wie umweltfreundlich, sozialverträglich und kostengünstig die in den USA angebotenen Automodelle sind. In die Wertung geht die Herstellung der Fahrzeuge ebenso ein wie die Nutzung und die Entsorgung. Das ASG-Ranking war ein eindrucksvolles Plädoyer für Elektro- und Hybridautos.

In der Klasse der Kompaktwagen war die Elektroversion des Ford Focus nicht nur das umweltfreundlichste Auto, sondern auch der Gesamtsieger – unterm Strich also der kostengünstigste, umweltfreundlichste Kompaktwagen, der auch noch sozialverträglich hergestellt wurde. Auch in der Klasse der mittelgroßen Fahrzeuge setzte sich ein Elektroauto in der Kategorie Umweltfreundlichkeit und in Gesamtwertung durch: der Leaf von Nissan, das mit über 100.000 Exemplaren bislang meistverkaufte E-Auto der Welt. In der oberen Mittelklasse siegte mit dem Tesla Model S ebenfalls ein Elektroauto in der Kategorie Umwelt. Die grünsten kompakten und die saubersten großen Geländewagen sind Autos mit Hybridantrieb.

Auch wenn sich das die deutschen Dieselfans bei VW, BMW und Daimler sehr gewünscht hätten: Ihre angeblich sauberen und klimafreundlichen Clean Diesel-Modelle hatten schon damals keine Chance.

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