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16.02.2017

17:22 Uhr

Fahrradtrends 2017

Das Ende des Radelns, wie wir es kennen

Von: Thorsten Firlus-Emmrich

  Die Auswahl wird größer, die Vielfalt verwirrender: Fahrräder gibt es für jede Situation und jeden Geschmack. Doch mit den neusten Trends verändert sich auch das Wesen des Rades - daran ist nicht allein das E-Bike schuld.

Satteltaschen mit selbst gewähltem Motiv, Elektromotoren in jeder Radgattung und Riemen statt Kette - der Radmarkt bedient jeden Geschmack. PR

Satteltaschen mit selbst gewähltem Motiv, Elektromotoren in jeder Radgattung und Riemen statt Kette - der Radmarkt bedient jeden Geschmack.

Karl Freiherr von Drais hat sich im 19. Jahrhundert um vieles Gedanken gemacht, zum Beispiel, wie sich Klaviertöne aufnehmen lassen. Dafür erfand er eine Maschine, die gedrückten Töne auf Papierband festhielt. Mit der Kochkiste ersann er er eine Art Herd.

Woran er jedoch nicht dachte, als er 1817 zum Patentamt ging, war eine Kette. So blieb es dabei, dass er ein Gefährt dort anmeldete, das mit Muskelkraft vorangetrieben wird und auf lediglich zwei Rädern rollt. Das Fahrrad war geboren.

2017 ist die Grundform kaum verändert: Die Beschränkung auf zwei Räder. Doch heute sind die Fahrräder aus Bambus oder Kohlefaserstoff - und das mit der Muskelkraft ist immer weniger wichtig.

Fahrrad, das ist im Jubiläumsjahr nicht länger ein Fortbewegungsmittel. Es ist Technologieträger, Transportalternative, Abenteuergerät, Lifestyle-Objekt. "Es gibt nicht mehr das ideale Rad für Jeden, sondern für alle Geschmäcker das passende Rad", sagt Gunnar Fehlau von der Kommunikationsagentur pd-f, die den Markt kontinuierlich nach Neuheiten vom Schuh bis zur Fahrradgarage absucht.

Boom der E-Bikes

Den größten Schub erlebt der Handel derzeit mit einer Entwicklung, die Drais nicht mal ahnen konnte: Die Motorisierung des Fahrrades. Anfang März präsentiert der Verband der Zweiradindustrie die Zahlen für 2016, doch jetzt schon rechnen Experten wie Fehlau damit, dass die Umsätze, die E-Bikes im Fahrradhandel ausmachen, weiter gestiegen sind.

Elektro-Fahrräder: Was ist was?

Was ist ein Pedelec?

Das Pedelec (kurz für: Pedal Electric Cycle) ist das, was umgangssprachlich in der Regel gemeint ist, wenn von einem E-Bike gesprochen wird. Dabei unterstützt ein Motor den Radfahrer. Hört dieser auf zu treten, hört auch der Motor auf. Die Trittkraftunterstützung geht bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. Möchte der Radfahrer noch schneller sein, muss er das allein mit Muskelkraft erstrampeln.

Was ist ein E-Bike?

Das Wort wird inzwischen oft als Oberbegriff für alle Arten von Rädern mit Elektromotor verwendet. Ursprünglich handelt es sich im Gegensatz zum Pedelec nur um Fahrräder, die auf Knopfdruck fahren, ohne dass der Fahrer dafür treten muss. Ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und mindestens eine Mofa- Prüfbescheinigung sind notwendig.

Man ist auf die eigene Leistungsfähigkeit angewiesen, wenn man schneller als 20 Stundenkilometer fahren möchte. Bis zu einer Motorleistung von 500 Watt und einer Höchstgeschwindigkeit mit Motorantrieb von 20 Stundenkilometern gelten sie als Kleinkraftrad. Eine Helmpflicht besteht bei den E-Bikes nicht.

Was ist ein S-Klasse-Bike?

Der ADFC definiert schnelle Pedelecs auch als "Schweizer Klasse oder S-Klasse". Sie gehören nicht mehr zu den Fahrrädern, sondern zu den Kleinkrafträdern. Hier wird die Motorunterstützung erst ab 45 Stundenkilometer abgestellt. Für diese Räder ist eine Betriebserlaubnis oder eine Einzelzulassung nötig. Das Rad braucht ein Versicherungskennzeichen.

Der Fahrer muss mindestens 16 Jahre alt sein und im Besitz einer Fahrerlaubnis der Klasse AM sein. Sie dürfen nicht auf Radwegen benutzt werden. Pflicht ist ein geeigneter Helm. Was aber als "geeignet" gilt, ist nicht eindeutig geregelt.

Muss ein E-Bike auf den Radweg?

Für Pedelecs gelten die gleichen Gesetze wie für Fahrradfahrer ohne Motorunterstützung. Die Radwegepflicht besteht und wird durch das blaue Schild gekennzeichnet.

Ausgenommen sind reine E-Bikes, die auch fahren, ohne dass der Nutzer in die Pedale tritt und die Geschwindigkeiten bis zu 45 Stundenkilometern erreichen. Diese sind kennzeichenpflichtig und dürfen nicht auf Radwegen fahren – selbst dann nicht, wenn die Radwege für Mofas freigegeben sind.

Muss ein E-Bike-Fahrer einen Helm tragen?

Nein. Es besteht in Deutschland für E-Bike-Fahrer keine Helmpflicht. Obwohl damit die gleichen oder gar höhere Geschwindigkeiten erreicht werden können als mit einem Mofa.

Das liegt auch daran, dass das E-Bike endgültig den Ruf abgelegt hat, nur für unsportliche Menschen geeignet zu. Die Anbieter von E-Bikes vernachlässigen keine Klientel von Mountainbiker über Rennradfahrer bis Weltenbummler mehr. Für rund 5000 Euro bietet beispielsweise der deutsche Spezialist Riese & Müller mit dem Delite Mountain, das gleich zwei Akkus mit sich führt, um den Fahrer auch schwieriges Gelände und hohe Aufstiege mit genug Unterstützung nach oben zu bringen.

Radkuriere mit Lastenrädern profitieren ebenso von der Antriebshilfe, wie auch die zahlreichen Menschen, die sich mit Komforträdern nach langen Jahren der Pause, wieder an größere Strecken trauen und Büroradler im Anzug finden Modelle im modischen Gewand eines alten Stahlrahmens und kaum noch sichtbaren Motor.

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