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50 Jahre Mercedes Strich-Acht

Dauerbrenner mit Stern

Quelle:Spotpress

  Mit dem später legendären „Strich-Acht“ stellte Mercedes vor 50 Jahren einen echten Dauerbrenner vor, der sämtliche Absatzrekorde sprengte. Dank damals noch konkurrenzloser Typenvielfalt und besonderer innerer Werte.

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50 Jahre Mercedes-Benz Strich-Acht-Typen W 114/115 Daimler

Quelle: Daimler

Der vor 50 Jahren vorgestellte "kleine Mercedes" – von allen Fans nur Strich-Acht genannt – war ein echter 68er, denn er brach gesellschaftliche Tabus. Das gelang den Typen 200 D bis 280 E in der automobilen Premiumklasse. Statt auf Protz und Prunk wie bei der abgelösten Heckflosse setzten die neuen, nur 4,68 Meter langen Mittelklasselimousinen auf Luxus für ein Millionenpublikum durch konkurrenzlose Typenvielfalt und innere Werte...

Mercedes-Benz 200 (ab 1968) Daimler

Quelle: Daimler

Mercedes-Benz 200 (ab 1968)

Zu den inneren Werten zählten die hintere Einzelradaufhängung an Schräglenkern und die wartungsfreie Vorderradaufhängung an doppelten Querlenkern ebenso wie Motoren für jeden Anspruch. Taxifahrer und Landwirte schworen auf den fast unzerstörbaren 40 kW/55 PS Diesel im 200 D – bevor dieser im Alter zum beliebten studentischen Fortbewegungsmittel avancierte.

220 D mit langem Radstand und acht Sitzplätzen Daimler

Quelle: Daimler

220 D mit langem Radstand und acht Sitzplätzen

Konzernchefs und die Politprominenz präferierten dagegen die souveräne, aber äußerlich dezent verpackte Kraft des über 200 km/h schnellen Sechszylindertyps 280 E, der es leicht mit Oberklasse-Repräsentanten wie Opel Diplomat V8 oder den BMW-Sechszylindern aufnehmen konnte.

Präsentation der „Neuen Mercedes-Benz Generation“ am 9. und 10. Januar 1968 in Sindelfingen Daimler

Quelle: Daimler

Präsentation der „Neuen Mercedes-Benz Generation“ am 9. und 10. Januar 1968 in Sindelfingen

Chefingenieur Hans Scherenberg (am Rednerpult) stellt die neuen Typen (auf der Bühne, von links nach rechts) 220 D (W 115), 280 S (W 108) und 250 (W 114) vor.

Strich-Acht Coupé: Damals fast so kostspielig wie ein Porsche 911 Daimler

Quelle: Daimler

Strich-Acht Coupé: Damals fast so kostspielig wie ein Porsche 911

Ursprünglich sollte sich die Fahrzeugfront der intern W 114 und W 115 genannten Typen unterscheiden. Während für die Vierzylinder quer liegende Rechteckscheinwerfer vorgesehen waren, sollten die Sechszylinder mit vertikalen Leuchten im Stil des Pagodendach-SL die Überholspur frei räumen. Stattdessen frönten in der Serienversion selbst die teuren 280er ganz dem Understatement...

Mit dem Einheitslook traf Mercedes den Zeitgeist Daimler

Quelle: Daimler

Mit dem Einheitslook traf Mercedes den Zeitgeist

Der Strich-Acht erreichte bis Ende 1976 fast zwei Millionen Zulassungen, mehr als bis dahin alle anderen Nachkriegs-Mercedes zusammen. Die größte Sensation gelang dem Bestseller während der ersten Ölkrise, als der Benz den VW Käfer vom Thron stieß und zum neuen deutschen Verkaufschampion gekürt wurde...

Ab 1971 war die neue Taxifarbe Hellelfenbein im Angebot Daimler

Quelle: Daimler

Ab 1971 war die neue Taxifarbe Hellelfenbein im Angebot

Auch das konkurrenzlos große Motorenangebot von zehn parallel produzierten Aggregaten sicherte dem Strich-Acht anhaltende Popularität. Die Nachfrage blieb konstant hoch, so dass sich lange Lieferzeiten als Mercedes-Markenattribut etablierten und die Bauzeit des Strich-Acht am Ende um ein Jahr verlängert wurde.

Die Welt war 1968 im Rausch raketenschneller Veränderungen Daimler

Quelle: Daimler

Die Welt war 1968 im Rausch raketenschneller Veränderungen

In der Apollo 8 schossen Astronauten um den Mond, Stanley Kubricks Filmepos „Odyssee im Weltraum“ wagte einen Blick ins 21. Jahrhundert, die Generation der Baby-Boomer brach mit gesellschaftlichen Konventionen und die automobile Mittelklasse demokratisierte Leistung und Luxus...

Blick ins Cockpit einer W 114/115-Baureihe Daimler

Quelle: Daimler

Blick ins Cockpit einer W 114/115-Baureihe

Motoren mit bis zu 185 PS, das gab es bis dahin nur bei Sportwagen und in der Oberklasse. Entsprechend groß war die Sensation, als ausgerechnet die Stuttgarter Marke für das Besitzbürgertum in ihrer mittleren Baureihe in Einheitsform alle Ansprüche bediente, vom Knauser-Diesel bis zum Sechsender. Nicht zu vergessen das 150 PS leistende Hardtop-Coupé 250 CE als erster Mercedes mit wegweisender elektronisch gesteuerter Einspritzanlage...

Mercedes-Benz 280 und 280 E (ab 1971) Daimler

Quelle: Daimler

Mercedes-Benz 280 und 280 E (ab 1971)

Keinen Neid und keine soziale Missgunst wecken, diese in den Siebzigerjahren angesagten gesellschaftlichen Tugenden erfüllte der Strich-Acht-Mercedes so vorbildlich, dass seine Vorreiterrolle noch 1974 bei der Pressevorstellung des Jaguar XJ 12 Erwähnung fand, denn der majestätische britische Zwölfzylinder trug fast die gleichen Kleider wie seine profanen Sechszylinder-Geschwister.

Von Kult-Designer Paul Bracq in schlichter Eleganz gezeichnet Daimler

Quelle: Daimler

Von Kult-Designer Paul Bracq in schlichter Eleganz gezeichnet

Wie der schwedische Autobauer Volvo schrieben die Schwaben Fahrzeugsicherheit und Langlebigkeit besonders groß. Neben der Sicherheitsfahrgastzelle waren es viele Details, mit denen die Daimler-Ingenieure für Furore sorgten. Etwa die damals noch nicht selbstverständlichen servounterstützten Scheibenbremsen an allen vier Rädern, die vom Citroen DS inspirierte pedalbetätigte und per Zugknopf gelöste Feststellbremse sowie die ab 1973 analog zur S-Klasse eingeführten, geriffelten und schmutzabweisenden Rückleuchten.

Mercedes-Benz Strich-Acht-Produktion Daimler

Quelle: Daimler

Mercedes-Benz Strich-Acht-Produktion

Im Werk Sindelfingen liefen die W 114/115-Typen parallel zur Pagode (links im Bild) vom Produktionsband

Mercedes hatte auch einen revolutionären „Rußwolkenmacher“ im Angebot Daimler

Quelle: Daimler

Mercedes hatte auch einen revolutionären „Rußwolkenmacher“ im Angebot

Der 240 D 3.0 schrieb 1974 Geschichte als erster Großserien-Fünfzylinder und galt als rasantester Diesel weltweit mit einer sagenhaften Höchstgeschwindigkeit von 148 km/h. So schnell war kein Käfer und auch dem Golf mit Basismotor zeigte der Mercedes seine dunkle Abgasfahne.

Der Fünfzylinder-Diesel Daimler

Quelle: Daimler

Der Fünfzylinder-Diesel

Dieselfans waren seinerzeit vom 240 D so begeistert, dass sie den hohen Kaufpreis bereitwillig zahlten, für den es alternativ schon noble englische V8 gab. Andererseits war der Kauf eines Strich-Acht eine Langzeitinvestition, wie die bis heute überlebende Zahl der H-Kennzeichen-Klassiker beweist.

Mercedes-Taxi Daimler

Quelle: Daimler

Mercedes-Taxi

Tiefenentspannte Gelassenheit brauchten indes die Fahrer des 55 PS abgebenden Ölbrenners 200 D. Mehr als eine halbe Minute gönnte sich der phlegmatische Diesel bis seine Tachonadel die 100-km/h-Marke passierte und auch die minimal kräftigeren Typen 220 D und 240 D genossen einen Ruf als „Wanderdüne“. Zum Ausgleich waren die Diesel unzerstörbar robust, was ihre Popularität bei Taxiunternehmern und Gebrauchtwagenkäufern begründete...

Ein 240 D Taxi ist bis heute der Mercedes-Benz mit der höchsten bekannten Kilometerleistung Daimler

Quelle: Daimler

Ein 240 D Taxi ist bis heute der Mercedes-Benz mit der höchsten bekannten Kilometerleistung

Sein griechischer Besitzer hat mit dem rastlosen Viertürer 4,6 Millionen Kilometer zurückgelegt, ehe der Benz im Stuttgarter Werksmuseum zur Ruhe kam. Das klappte natürlich nur, wenn der serienmäßig unvollkommene Rostschutz nachgebessert wurde, aber diese Notwendigkeit gab es damals bei allen Marken.

Auch das konkurrenzlos große Motorenangebot von zehn parallel produzierten Aggregaten sicherte dem keineswegs preiswerten Strich-Acht anhaltende Popularität. Die Nachfrage blieb konstant hoch, so dass sich lange Lieferzeiten als Mercedes-Markenattribut etablierten und die Bauzeit des Strich-Acht am Ende um ein Jahr verlängert wurde, obwohl die nachfolgende W-123-Mittelklasse schon in den Schauräumen stand... Daimler

Quelle: Daimler

Auch das konkurrenzlos große Motorenangebot von zehn parallel produzierten Aggregaten sicherte dem keineswegs preiswerten Strich-Acht anhaltende Popularität. Die Nachfrage blieb konstant hoch, so dass sich lange Lieferzeiten als Mercedes-Markenattribut etablierten und die Bauzeit des Strich-Acht am Ende um ein Jahr verlängert wurde, obwohl die nachfolgende W-123-Mittelklasse schon in den Schauräumen stand...

Strich-Acht-Coupé Daimler

Quelle: Daimler

Strich-Acht-Coupé

Das Ende des W 114/115 kommt 1975, mit dem Produktionsstart für die neue Baureihe W 123. Die Produktion wird aber nicht etwa gleich eingestellt, sondern läuft noch das ganze Jahr bis Dezember weiter. Grund sind die langen Lieferzeiten für den neuen W 123.

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