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Aufholjagd der chinesischen Autobauer

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Entthronung der alten Unternehmen ist nah

Li ist schlank, hat kurze schwarze Haare und trägt ein blaues T-Shirt mit einer schwarzen Jacke, die das Logo von Nio aufgedruckt hat. An der Wand hängen Uhren, auf der die Uhrzeiten in München, San José und Shanghai angezeigt werden. Im Silicon Valley arbeiten einige hundert Kollegen, auch in München und London hat das Start-up Teams sitzen.

Li sitzt entspannt in einem Besprechungsraum, nimmt sich Zeit, findet manchmal das entsprechende chinesische Wort nicht und wechselt dann ins Englische. Er sagt, dass die Autobranche vor einer Revolution stehe, die Entthronung der alten Unternehmen stehe kurz bevor: „Wenn wir das nicht tun, tut es jemand anderes.“

Für ihn geht es dabei nicht primär um die Entwicklung von Autos. Der Gründer, der mit einer Internetplattform für Pkw reich geworden ist, vergleicht sein Geschäftsmodell eher mit dem Fahrradverleih-Unternehmen Mobike, in das er ebenfalls investiert hat. Das chinesische Unternehmen bietet seit einigen Monaten Fahrräder in China an, die man für ein paar Kuai leihen kann. Der Nutzer schaltet sie per Handy frei und bezahlt, wenn er am Ziel angekommen ist. Mittlerweile gibt es rund zwanzig Nachahmer des Modells. „Die Nutzer fahren immer noch mit einem Fahrrad, aber das Produkt, das Mobike anbietet, ist ein ganz anderes“, erläutert Li.

Es geht ihm also um die Nutzererfahrung, den Service. Autos kommen in seiner Version vor, sie spielen aber nicht mehr die Hauptrolle. Für ihn ist das das Autounternehmen der Zukunft. Und für die Idee haben ihm Unternehmen wie Tencent mehrere hundert Millionen Dollar gegeben.

Wie viel Show dabei ist? Schwer zu sagen, meint Autoexperte Dudenhöffer. „Man muss abwarten, was sie nun wirklich herausbringen“. Nicht zuletzt, weil Lis Auftritte manches Mal an die von Faraday Future erinnern. Das 2014 mithilfe chinesischer Investoren gegründete Start-up, das anfangs als Tesla-Killer gefeiert wurde, ohne je ein Auto verkauft zu haben und mittlerweile in massiven finanziellen Schwierigkeiten zu stecken scheint. Der Bau einer Fabrik in der Nähe von Las Vegas wurde vertagt. Bei der Messe in Shanghai sind sie nicht mal mehr vor Ort. Gründe will Faraday Future auf Anfrage nicht nennen.

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Ernstnehmen sollte man die Start-ups trotzdem, sagt Dudenhöffer. Viele würden pleite gehen. „Aber ich bin mir sicher, dass es einige schaffen.“ Es sei nicht mehr die Welt von gestern, egal was die internationalen Autobauer sagten. Und schiebt hinterher: „Wenn die internationalen Autobauer so toll sind, wieso haben sie es bis heute nicht geschafft, mal ordentliche Elektroautos zu bauen?“

Als Hu Xiafeng seinen Selfiestick am Stand von Lynk & Co wieder einsteckt und zum Ausgang geht, setzt sich ein Mann in das SUV, das zur Besichtigung offen steht. Er nimmt sein Handy heraus und fängt an, das Armaturenbrett zu filmen. Er fährt dabei ganz langsam von links nach rechts, hin und her. Er filmt den Bildschirm, die Anordnung der Knöpfe und dann die Handbremse. Nach ein paar Minuten verlässt er den Stand wieder. Der Verdacht liegt nahe, dass er alle Details des Wagens festhalten wollte, um es später zu kopieren. Peter Horbury wäre jetzt richtig sauer.

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