WirtschaftsWoche

MenüZurück
Wird geladen.

Aufholjagd der chinesischen Autobauer

Seite 3 von 4

In China ist die Kunst des Kopierens hoch geschätzt

Darauf angesprochen wirkt Horbury verärgert: „Menschen müssen alles immer mit etwas vergleichen“, sagt er. „Man kopiert nur, wenn man selbst keine Idee hat.“

Und das will der Brite nicht über seine Arbeit hören. Er arbeitet seit 30 Jahren in der Industrie, unter anderem bei Ford und viele Jahre bei Volvo, dessen Designs er entscheidend mitgeprägt hat. Fälle wie Landwind hätten natürlich für viel Ärger und Schaden gesorgt. In China sei das Verständnis aber eben ein anderes. Die Kunst des Kopierens werde in China hoch geschätzt. Als der Landwind auf die Straßen kam, sagt Horbury, hätten die Chinesen gar nicht gewusst, was sie falsch gemacht haben. „Ich wäre sauer, wenn man mich kopiert. In China ist das aber eine Ehre.“

Diese Ära sei dennoch vorbei, betont Horbury. Geely arbeite zwar mit ausländischen Designern, setze aber langfristig auf den chinesischen Nachwuchs. „Chinesische Designschulen gehören bald schon zur Weltklasse“, prophezeit er. Die chinesischen Autobauer bräuchten ein wenig Starthilfe. Design hätte eben viel mit Erfahrung zu tun. Er ist sich aber sicher: „Wenn ich aufhöre, wird ein chinesisches Team übernehmen.“

China ist größter Markt für E-Mobilität

Ein weiterer Grund für den Eindruck, dass internationale Autobauer in China ins Hintertreffen geraten, ist das Thema Elektromobilität. China ist im vergangenen Jahr zum weltweit größten E-Automarkt aufgestiegen. Im vergangenen Jahr wurden weltweit 873.000 Elektroautos und Plug-In Hybride verkauft, eine halbe Million davon in China. Bis 2025 will China den Verkauf der E-Autos auf fünf Millionen steigern.

Dafür investiert es massiv in Ladestationen, subventioniert E-Auto-Käufe und unterstützt die lokale Entwicklung von Batterien. Auch Chinas Internetgiganten wie Alibaba, Baidu und Tencent stecken Geld in den Zukunftsmarkt. Mindestens zwei Milliarden Dollar sollen sie bisher in die Industrie gepumpt haben.

Elektroautos: Gratis parken und tanken

Elektroautos

Premium Gratis parken und tanken

Welche Märkte sich am dynamischsten entwickeln und wie sich deutsche Hersteller weltweit schlagen, zeigt das Ranking der Berater von McKinsey.

Jedes fünfte E-Auto verkauft mittlerweile Marktführer BYD. Um über 70 Prozent wuchs der chinesische Gigant im vergangenen Jahr. Dazu sorgt der Geldregen für einen Boom in der Gründerszene. Mehrere hundert Start-ups arbeiten mit Hochdruck an Elektroautos. Eines davon ist auch auf der Messe vertreten: NextEV. Das Start-up ist 2014 erst mit einem Rennwagen bei der Formel E gestartet, hat dann Anfang des Jahres auf der amerikanischen Internetkonferenz „South by Southwest“ einen Sportwagen vorgestellt. Davon wurden nur zehn Exemplare gebaut, jeweils zum Preis von 1,5 Millionen Euro. Einige stehen aufgereiht am Eingang des Standes. Am Mittwoch hat Gründer William Li den ersten Wagen für den Massenmarkt präsentiert. Ein Elektroauto für sieben Personen. Als er seine Kollegen auffordert, den neuen Wagen zu enthüllen, ist es eigentlich schon egal, was hervorkommt: Die chinesische Presse ist völlig aus dem Häuschen.

Das Start-up weiß, wie man gute Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Das zeigt auch ein Besuch im Hauptquartier des Start-ups in der Nähe der Formel 1-Strecke in Shanghai, eine Stunde außerhalb der Stadt. In einer Ecke des Büros steht ein Kicker mit dem Logo von Real Madrid. An der Wand hängen Comiczeichnungen. Es gibt Sitzecken, eine Espresso-Maschine und in den Regalen genauso viel Chaos, wie man es von einem Start-up erwartet.

Direkt vom Startbildschirm zu Wiwo.de

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×