WirtschaftsWoche

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08.01.2018

06:08 Uhr

Bytons Elektro-SUV

Die deutsch-chinesische Kampfansage

Von: Stefan Hajek

  Der technische Umbruch in der Autobranche bringt neuen Wettbewerb. Das bislang radikalste Konzept stellte das chinesische Start-up Byton jetzt vor: Ein Elektro-SUV mit Riesen-Display, Gesichtserkennung, Gesten- und Sprachsteuerung zum Kampfpreis von 38.000 Euro. Dahinter stecken chinesische Milliardenkonzerne und deutsche Auto-Manager.

Byton Concept Car Presse

Byton Concept Car

Eigentlich beginnt die weltgrößte Technologiemesse, die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas erst am Dienstag. Der Montag ist für Pressetermine vorgesehen. Doch um sich die ungeteilte Aufmerksamkeit der internationalen Medien zu sichern, hat der chinesische Auto-Neuling Byton schon am Sonntagnachmittag um ein Uhr nachts deutscher Zeit zur Pressekonferenz geladen. Vor allen anderen Konzernen und Start-ups. Das Manöver gelang; Byton dürfte in den kommenden Tagen für einige Furore sorgen. Auf der Techmesse und darüber hinaus.

In Las Vegas mangelt es zwar nicht an futuristischen Prototypen und originellen Konzeptautos, die den Ideenreichtum der Autobauer und ihrer großen Zulieferer demonstrieren. Doch das rein elektrisch angetriebene Byton-SUV zeigt eindrücklicher und vor allem schon sehr viel konkreter als andere Konzeptstudien, wie wir uns das Autofahren in naher Zukunft vorzustellen haben.

Der Byton ist nicht nur eine kreative, technisch zwar beeindruckende, aber hinsichtlich der Marktreife noch sehr vage Ankündigung, wie sie die Hersteller sonst gerne auf Terminen wie der CES präsentieren – viele Jahre und viele Milliarden Euro Entwicklungskosten von der Serienreife entfernt. "Unser erstes Serienauto wird schon 2019 in China bei den Händlern stehen, 2020 dann in den USA und in der zweiten Jahreshälfte auch in Europa", sagte Byton-Chef und Gründer Carsten Breitfeld der WirtschaftsWoche. Er käme damit in Europa etwa zur gleichen Zeit wie Elon Musks Tesla Model 3.

Obwohl der Byton also schon nahe an der Serienreife ist, wurde das Elektro-SUV so radikal für die Elektromobilität und Autonomes Fahren konzipiert wie bisher kein anderes Auto. Derart radikal, dass die Ingenieure und Designer so gut wie alles, was man bisher an Mensch-Maschine-Schnittstellen aus Autos kennt, neu konstruiert und konzipiert haben:

Ein Lenkrad gibt es vorerst noch. Doch bereits beim Einsteigen beginnt die automobile Zukunft: Türgriffe sucht man vergebens. Eine Gesichtserkennungssoftware identifiziert befugte Nutzer und entriegelt das Auto. Auch Außen- und Rückspiegel fehlen, diesen Job übernehmen insgesamt drei Kameras. Ihre optischen Signale werden in Daten gewandelt und in einem riesigen Display unter der Windschutzscheibe zu einem digitalen Panorama-Bild zusammengefasst.

Shared Experience Display nennt Byton den fahrenden Flatscreenfernseher. Ein riesiges digitales Armaturenbrett, das mit 1,25 Metern fast so breit wie der ganze Wagen ist, mit 25 Zentimetern vertikaler Ausdehnung aber gerade so hoch, dass es den Blick der Fahrerin oder des Fahrers auf den Verkehr nicht beeinträchtigt.

Es kann bis zu drei Info-Fenster nebeneinander anzeigen: Außer dem digitalen Bild, das die analogen Rückspiegel ersetzt, etwa die Landkarten des Navigationssystems oder die Nutzeroberflächen verschiedener Apps, die die Fahrgäste auf ihren Smartphones mitbringen, zum Beispiel Musikstreaming.

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Damit der Fahrer die Hände nicht mehr vom Lenkrad nehmen und den Blick nicht vom Verkehr abwenden muss, lässt sich das Ganze mit Gesten und Sprache steuern. Es gibt keine Hebel, Schalter oder Knöpfe mehr im Byton. Die Bedienelemente des Autos selbst, wie Scheibenwischer, Blinker oder Licht, werden über ein kleineres, acht Zoll großes Display in der Mitte des Lenkrads gesteuert; das ersetzt zugleich den Tachometer.

Dieses Konzept kennt man zwar schon von Teslas Model 3. Doch die Byton-Ingenieure gehen einen Schritt weiter: Die Gesichtserkennungssoftware öffnet nicht nur die Türen, sie erkennt auch regelmäßige Byton-Fahrer und -Mitfahrer anhand deren Nutzerprofile, die online hinterlegt werden können. Diese Profile werden dann auf das große Display unter der Windschutzscheibe gespielt, die Sitze in die bevorzugte Position gefahren, auf Wunsch wird die persönliche Musik von den Playlists des anwesenden Nutzers eingespielt. Eine Funktion, die besonders für Carsharing interessant werden dürfte.

"Wir wollen damit aber alle lästigen Schnittstellen zwischen dem digitalen Leben der Kunden und dem Auto ausradieren", sagte Breitfeld, "das Auto wird so nahtlos in den digitalen Alltag der Kunden integriert wie ihr Smartphone."

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