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Chinesische Autos

Von der Billig-Kopie zur ernstzunehmenden Konkurrenz

  Der katastrophale Crashtest des Landwind X6 im Jahr 2005 prägt das Bild chinesischer Autos in Deutschland bis heute. Doch seitdem hat sich einiges getan, denn die chinesischen Autobauer lernen schnell.

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Landwind X6 Hersteller

Quelle: Hersteller

Der Landwind X6 war wohl eines der ersten Autos aus China, das in Europa Schlagzeilen gemacht hat. Aber nicht nur, weil das SUV zumindest optisch an den bereits damals veralteten Opel Frontera angelehnt war.

Landwind X6 ADAC

Quelle: ADAC

Die meisten Deutschen dürften den Landwind X6 eher so in Erinnerung haben: 2005 führte der ADAC einen Crashtest mit katastrophalen Ergebnissen durch. Der Wagen fiel in allen Belangen durch. Die angedachte Europa-Expansion blieb aus, auch ein zweiter Versucht im Jahr 2010 mit einem neu entwickelten Van namens CV9 blieb ohne Erfolg. Das heißt aber nicht, dass Landwind aus den Medien verschwunden wäre.

Landwind X7 Spotpress

Quelle: Spotpress

Aus europäischer Sicht gibt es weitere Vorurteile gegen chinesische Autos: Sie sind nicht nur unsicher, sondern auch dreiste Kopien. War der Landwind X6 zu seiner Zeit dem Opel Frontera nur ähnlich, kann der Landwind X7 als glasklare Kopie eines Range Rover Evoque durchgehen. Egal ob Scheinwerfer, Unterfahrschutz oder die prägnanten Sicken in der Seitenlinie: Alles ist vom britischen SUV abgekupfert – selbst der Schriftzug auf der Motorhaube ist von Platzierung und Schriftart an Land Rover angelehnt.

Landwind X7 Spotpress

Quelle: Spotpress

Eine klare Verletzung des Urheberrechts, könnte man meinen. Das sah auch Land Rover so und protestierte bei den chinesischen Behörden – dennoch bekam Landwind die Genehmigung. "Es ist ein Jammer für uns und die gesamte Wirtschaft und Chinas Reputation. Ich dachte eigentlich, das Kopieren wäre eine Sache der Vergangenheit", kommentierte Ralf Speth, Chef von Jaguar Land Rover, die Entscheidung der chinesischen Behörden 2015.

Fun Fact: Landwind ist Land Rover sprichwörtlich in die Karre gefahren – wie das Blog "Carscoops" damals berichtete, gab es in der chinesischen Stadt Chongqing eine Kollision zwischen einem Evoque und einem X7. Beide Fahrzeuge waren auch noch in derselben Farbe lackiert, was die optischen Unterschiede noch geringer werden lässt.

Eagle Spotpress

Quelle: Spotpress

Direkte Kopien wie den Landwind X7 gab es vor einigen Jahren viele: Der Porsche Macan etwa wurde für ein Drittel des Preises als Zotye SR8 angeboten. Inspiriert vom aktuellen VW Tiguan hat Zotye den X7 ins Programm genommen, der Vorgänger-Tiguan war von Yema als T-SUV kopiert worden.

Doch es geht auch kreativer: Vorne gleicht der Eagle Carrie (im Bild) einem Ferrari – zumindest die auffälligen Scheinwerfer –, während...

Eagle Spotpress

Quelle: Spotpress

... das Heck eindeutig von einem Porsche Cayman vom Typ 981 inspiriert wurde. Selbst beim Schriftzug haben sich die Designer am Vorbild aus Stuttgart-Zuffenhausen orientiert.

Haval H2 Hersteller

Quelle: Hersteller

Doch es geht auch anders: Während der Eagle auf der Ausgabe der Auto Shanghai im Jahr 2015 ein plumper Kopie-Versuch war, trat im selben Jahr der Haval H2 deutlich eigenständiger auf. Die Firma Haval ist Chinas größer Anbieter von SUV. Der H2 ist ein 4,56 Meter langer Fünftürer mit nach hinten abfallender Dachlinie. Unter der Haube ein 1,5-Liter-Benziner mit 150 PS. Allrad gibt es gegen Aufpreis. Mit dem H2 wollte Haval den aufstrebenden SUV-Trend in China bedienen.

Wuling Hongguang Hersteller

Quelle: Hersteller

Bei weitem nicht alle chinesischen Autos sehen so schick aus wie der Haval. Das hier gezeigte Fahrzeug ist kein willkürlich ausgewähltes Modell, das noch ein beliebiger Hinterhof-Schrauber im Angebot hat. Es ist der Wuling Hongguang, der mit 847.000 produzierten Fahrzeugen im Jahr 2016 auch das meistgebaute Auto Asiens war – und im globalen Ranking Platz 5 belegt. Trotz aller Alternativen überzeugt der achtsitzige Kompakt-Van die Kunden bis heute.

Denza 400 Daimler

Quelle: Daimler

Klar ist: Chinesische Autobauer lernen schnell. Wie schnell, lässt sich am Denza beobachten. 2014 brachte BYD zusammen mit Daimler in einem Joint Venture den Denza auf den Markt, ein Elektroauto mit inzwischen 400 Kilometern Reichweite.

BYD Qin Hersteller

Quelle: Hersteller

Inzwischen hat BYD – ganz ohne Hilfe von Daimler – den Qin im Programm. Der Plug-in-Hybrid ist deutlich attraktiver gestaltet als der sehr schlichte Denza.

Qoros 3 Hersteller

Quelle: Hersteller

2013 gab es wieder Schlagzeilen über den Versuch eines chinesischen Herstellers, in Europa Fuß zu fassen: Qoros. Statt die Autos zu kopieren ließ man sie gleich von Europäern entwickeln: Ein Großteil der Arbeit fand bei Magna Steyr statt, viele Qoros-Manager haben eine Vergangenheit bei europäischen Autobauern.

Der Erfolg blieb bislang aus: Von dem 2013 in Genf vorgestellten Qoros 3 wollten die Chinesen bis zu 150.000 Exemplare pro Jahr verkaufen – 2014 waren es gerade einmal 7000 Stück. Die Europa-Expansion wurde verschoben, jetzt will sich das 2007 gegründete Qoros mit neuem Management erst einmal auf dem Heimatmarkt etablieren.

Nio ES8 Hersteller

Quelle: Hersteller

Die Lehre aus dem erfolglosen Qoros-Versuch: Wozu gegen die etablierten Autobauer in ihren Kernkompetenzen wie Fahrzeugbau und Verbrennungsmotoren ankämpfen, wenn man es auch wie Tesla machen kann? Das Ergebnis ist Nio. Ähnlich wie Tesla-Gründer Elon Musk verfolgt das chinesische Elektro-Start-up das Motto: Die Welt ein kleines bisschen besser machen. Wie bei Tesla steht hinter dem Unternehmen ein Internet-Milliardär, in diesem Fall William Li. Sein Konzept: Der 2017 in Shanghai gezeigte ES8 soll es dem Tesla Model X nachmachen: Ein Elektro-SUV, das mit weitreichenden Connectivity-Lösungen überzeugen soll. Serienstart: 2018.

Lynk&Co

Ebenfalls ein vielversprechendes Projekt aus China ist Lynk&Co. Hinter der neuen Marke steht der chinesische Konzern Geely, der einst Volvo gekauft hat. Davon profitieren auch die neuen Autos von Lynk&Co: Sie basieren auf der sogenannten CMA-Plattform, die Volvo zusammen mit Geely für seine Kompaktautos entwickelt hat. In zwei Jahren soll Lynk&Co auch in Europa an den Start gehen – dabei wollen die Chinesen ihre Autos aber mehr als „Smartphone auf Rädern“ vermarkten und auch beim Vertrieb andere Wege gehen.

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