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Volkswagen

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Die nächste Generation ist gefragt

Wer kann – abseits des finanziellen Aspekts – die Führungsrolle von Ferdinand Piëch übernehmen?
Auf Seite des Porsche-Clans tritt derzeit vor allem Wolfgang Porsche auf, im Piëch-Clan ist Ferdinands Bruder Hans Michel derzeit die mächtigste Person. Hans Michel, zu dem Ferdinand ein gutes Verhältnis hat, sitzt im VW-Aufsichtsrat und hält ebenfalls rund 15 Prozent an der Porsche SE. Doch sowohl Wolfgang Porsche (Jahrgang 1943) oder Hans Michel Piëch (Jahrgang 1942) werden irgendwann kürzer treten (müssen) – die nächste Generation ist gefragt.

Seitens des Piëch-Clans sind in den vergangenen Jahren vor allem zwei Frauen aufgefallen: Hans Michels Tochter Julia Kuhn-Piëch und Louise Kiesling, Tochter von Louise Daxer-Piëch, einer Schwester von Hans Michel und Ferdinand. Louise Kiesling sitzt seit dem Rückzug Ferdinands und seiner Gattin Ursula im VW-Aufsichtsrat. Damals wurde auch Julia Kuhn-Piëch in das Kontrollgremium berufen – musste aber diesen Posten nach wenigen Monaten wieder räumen, damit der damalige Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat aufrücken konnte. Aktuell sitzt Kuhn-Piëch im Aufsichtsrat der VW-Töchter Audi und MAN – dort wird sie inzwischen geschätzt und überraschte durch technisches Know-how und Detailfragen.

Im Porsche-Clan tauchen drei Namen aus der nächsten Generation regelmäßig auf. Mark Philipp, Christian und Peter Daniell Porsche. Vor allem Mark Philipp Porsche vertritt als Vorstand der Familien-Stiftung nun die Interessen der Porsches. Zweiter starker Mann der Autodynastie wird der Arzt Christian Porsche, der in zwei Aufsichtsräten des VW-Konzerns sitzt. Und Peter Daniell, Mitglied des Skoda-Aufsichtsrats, kommt ohnehin eine Sonderrolle zu: Der Sohn von Wolfgangs Bruder Hans-Peter Porsche ist ein Einzelkind – als einziger der nächsten Generation.

Wird aus der Nachfolge-Frage ein tiefergehender Streit zwischen den beiden Familienclans entstehen?
Unklar. Es ist aber vorerst unwahrscheinlich. Der Porsche-Clan hat heute schon eine kleine Mehrheit: Sämtliche Mitglieder des Porsche-Zweigs haben ihre Anteile in eine gemeinsame Stiftung eingebracht, die Ferdinand Porsche Familien-Privat-Stiftung. Damit treten sie geschlossen auf, während die PSE-Aktionäre auf Seiten des Piëch-Zweigs jeweils eigenständig auftreten.

Volkswagen: Die heimliche Machtübernahme bei VW

Volkswagen

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Volkswagen steckt in der Krise. Eine neue Generation der Familie Porsche-Piëch tritt bei Europas größtem Autokonzern an die Macht. Ex-Patriarch Ferdinand Piëch hat kaum noch etwas zu sagen.

Das aktuelle Übergewicht für Porsche rührt daher, dass, wie die WirtschaftsWoche bereits im April 2016 berichtete, Louise Kiesling aus dem Piëch-Clan übergelaufen ist und ihre Anteile in die Porsche-Stiftung eingebracht hat. Die Familienstiftung hält damit 51,7 Prozent der PSE-Anteile.

Wie steht die aktuelle VW-Führung zu Piëch?
Es scheint fast so, als ob Piëch in Wolfsburg zur „Persona non grata“ geworden ist. Vorstandschef Matthias Müller, einst ein enger Vertrauter Winterkorns, sagte erst kürzlich: „Ich stehe nicht in Kontakt mit Piëch.“ Cousin Wolfgang Porsche rückte von Piëch ab: Am Rande des Genfer Autosalons sagte er, dass zwischen den Familienoberhäuptern Sprachlosigkeit herrsche. Stephan Weil, VW-Aufsichtsrat und Niedersachsens Ministerpräsident, warf dem „Alten“ gar vor, „fake news“ zu verbreiten. Und auch der Betriebsrat, früher lange ein enger Verbündeter, ist auf ihn alles andere als gut zu sprechen.

Piëch und seine Figuren

Ferdinand Piëch

Auf dem Weg des Ferdinand Piëch vom Audi-Manager auf den Aufsichtsratschefsessel des größten Autokonzerns Europas, blieb so mancher Top-Manager auf der Strecke. Die wichtigsten Stationen zusammengefasst.

1988: Beerbt

Nach fünf Jahren als Vize übernimmt Piëch bei Audi den Chefsessel von Wolfgang Habbel und baut die Marke mit den vier Ringen zur Premiummarke um. In die Ära des Vollblutingenieurs fällt die Entwicklung des Super-Diesels TDI sowie des Allradantriebs Quattro.

1993: Abgeworben

Als neuer VW-Chef wirbt Piëch den Einkaufschef José Ignacio López vom Konkurrenten General Motors (GM) ab, der die Preise der Zulieferer drücken soll. Wegen des Verdachts, GM-Betriebsgeheimnisse an VW verraten zu haben, muss Piëch 1996 López fallen lassen.

1994: Vorgeschickt

Piëch heuert das IG-Metall- und SPD-Mitglied Peter Hartz als VW-Personalchef an. Der führt die Vier-Tage-Woche ein und spart so 500 Millionen Euro Lohnkosten. Nachdem auffliegt, dass VW unter ihm Luxusreisen und Bordellbesuche für Betriebsräte finanzierte, muss Hartz gehen.

2006: Ausradiert

Als Piëch 2002 VW-Aufsichtsratschef wird, installiert er Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder als VW-Lenker. Der agiert eigenständig, macht Piëch-Ideen rückgängig. Fünf Jahre später schweigt Piëch demonstrativ, als er gefragt wird, ob Pischetsrieder im Amt bleibt. Kurz darauf holt er Winterkorn.

2008: Verbrannt

Jahrelang versuchte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unter der Aufsicht von Piëch VW zu übernehmen. Als dies scheitert, sagt Piëch auf die Frage von Journalisten, ob Wiedeking sein Vertrauen genieße: „Zurzeit noch. Das ,Noch‘ können Sie streichen.“ Wiedeking muss gehen.

Auch Audi-Chef Rupert Stadler, Mitglied des VW-Vorstands und lange Zeit Büroleiter Piëchs, hat sich inzwischen von seinem Ziehvater distanziert – oder anders herum, das ist nicht genau bekannt. Klar ist, dass Stadler seit einigem Monaten nicht mehr die beiden Stiftungen Ferdinand Karl Alpha und Ferdinand Karl Beta führt – also jene Stiftungen, über die Piëch in der PSE investiert ist.

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