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13.07.2017

18:07 Uhr

Brexit der Banken

Immobilien-Späher am Main

Von: Saskia Littmann

  Viele britische Großbanken haben ihre Immobilienmanager nach Frankfurt geschickt, um dort freie Büroflächen zu sondieren. Trotzdem dürfte Frankfurt längst nicht bei allen Bankern ganz oben auf der Umzugsliste stehen.

Die Bankenskyline von Frankfurt am Main dpa

Die Bankenskyline von Frankfurt am Main

In seinem Büro hat Markus Kullmann eine große Karte von der Frankfurter Innenstadt aufgehängt. Im Fokus hat der Makler vom Immobilienberatungsunternehmen JLL dabei ganz klar das Bankenviertel. Kullmann nennt es CBD - central business district. Es verläuft in Ringen rund um die Alte Oper in der Innenstadt, im Süden runter an den Main und im Westen bis zum Platz der Republik. Genau in dem Areal sucht Kullmann nach Besichtigungsobjekten, wenn mal wieder ein Immobilienmanager einer Großbank bei ihm anklingelt.

Und das passiert seit dem Brexit-Votum vor einem Jahr immer häufiger. Der Makler hat in den vergangenen Monaten Gruppen von diversen Großbanken zur Besichtigungstour durch Frankfurt geführt. Kullmann zeigt den Immobilienspähern dann die Mainmetropole, zu Fuß, per Fahrrad und manchmal auch auf dem Segway. Bis zu zehn Objekte schafft er pro Tag, dank der "kurzen Wege", die die Gäste aus London sehr schätzen. Maximal drei Tage dauern diese Touren durch das Frankfurter Bankenviertel, Immobilienmanager und ITler besichtigen bestehende Büros und schillernde Neubauprojekte wie den Global Tower, der im alten Commerzbank-Turm entsteht. Kullmann geht davon aus, dass am Ende 50.000 bis 100.000 Quadratmeter Bürofläche in Frankfurt brexitbedingt neu vermietet werden könnten.

Tatsächlich könnte Frankfurt einer der großen Brexit-Profiteure werden. Bis Freitag müssen die Banken in Großbritannien der dortigen Aufsicht detailliert darlegen, welche Pläne sie für die Zeit nach dem Brexit haben. Am 3. August will die britische Notenbank die Pläne dann veröffentlichen. Bei einigen Banken dürfte Frankfurt ganz oben auf der Umzugsliste stehen, allerdings dürften auch Paris und Dublin Banker aus London bei sich aufnehmen.

Neu-Frankfurter gibt es zunächst mal bei den heimischen Geldinstituten. Die Deutsche Bank will offenbar Teile ihres Geschäfts mit Wertpapieren von London nach Frankfurt verlagern, dort soll ein neues Buchungszentrum für das Europa-Geschäft mit Firmenkunden entstehen. Rund 4000 Mitarbeiter könnten vom Umzug betroffen sein. Die Commerzbank dagegen will noch keine Angaben zu möglichen Veränderungen machen. Die Frankfurter haben allerdings ihre Belegschaft in London schon in den vergangenen Jahren reduziert.

Zusätzlich verlagern mehrere US-Investmentbanken zusätzliche Stellen an den Main. Goldman Sachs beispielsweise könnte die Zahl seiner Mitarbeiter in der Frankfurter Niederlassung auf 400 mindestens verdoppeln. JP Morgan hat sich bereits für Frankfurt als den rechtlichen Sitz des Europa-Geschäfts entschieden, ebenso wie die japanische Nomura, und Standard Chartered. Die britische Großbank will ihre Niederlassung in Frankfurt zur Europa-Basis ausbauen, heißt es.

Die HSBC dagegen hat sich für Paris entschieden, sie hat dort schlicht mehr Mitarbeiter als in Düsseldorf. Auch die französischen Banken wie BNP Paribas oder Credit Agricole werden die Seine dem Main vorziehen.

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Wie viele Stellen konkret verlegt werden und wohin, hat allerdings noch kaum eine Bank final entschieden. "Die Mitarbeiter könnten in Paris, den Niederlanden oder Madrid sitzen. Wir haben uns noch nicht entschieden", sagte etwa JP-Morgan-Chef Jamie Dimon am Dienstag auf einer Branchenkonferenz in Paris.

Tatsächlich dürfte sich kaum eine Bank auf einen Standort allein festlegen. Die meisten Institute, heißt es unisono, würden erst mal Geschäft an mehrere Standorte verlagern. „Reines Risikomanagement“ sei das, sagt ein hochrangiger Banker. Zumal ein Großteil der Stellen zunächst in London bleibt. Die richtigen Brexit-Gewinner werden sich also erst in einigen Jahren zeigen.

Das weiß auch Makler Kullmann in Frankfurt. Die Reaktionen seien zwar eher positiv gewesen. „Viele waren überrascht, wie klein Frankfurt ist“, sagt Kullmann. Am Ende zählten allerdings weder die kurzen Wege noch die räumliche Nähe zu den Aufsehern der Europäischen Zentralbank (EZB). „Die Technik muss stimmen“, sagt Kullmann. Wer Handelsabteilungen verlege, brauche schnelle Leitungen und funktionierende Sicherheitskonzepte.   

Die gibt es nicht nur in Frankfurt, muss Kullmann einräumen. „Wenn wir unsere Besucher am Flughafen abholen, kommen sie meistens aus Amsterdam  oder Paris“. Nach unserer Tour fliegen sie dann weiter nach Warschau oder Dublin, erzählt der JLL-Makler.

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