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20.03.2017

17:14 Uhr

Gehälter bei der Deutschen Bank

Aufgeschoben, nicht aufgehoben

Von: Cornelius Welp

  Wie hart kürzt die Deutsche Bank tatsächlich die Gehälter ihrer Mitarbeiter? Der Geschäftsbericht liefert eine moderate Antwort.

Eine Sparrunde bei den Gehältern kann sie sich  die Deutsche Bank kaum leisten. REUTERS

Eine Sparrunde bei den Gehältern kann sie sich die Deutsche Bank kaum leisten.

Die Entscheidung sei dem Vorstand schwer gefallen, teilte die Deutsche Bank im Januar mit. Aber die wenig erfreuliche Entwicklung des eigenen Ergebnisses lasse keine andere Wahl. Nicht nur die Mannschaft um Chef John Cryan selbst verzichte deshalb für das Jahr 2016 auf einen Bonus.

Auch rund 20.000 Führungskräfte sollten ihren Beitrag zur Bewältigung der Misere leisten. Sie erhalten für das Jahr 2016, das die Bank mit einem Milliardenverlust abschloss, keinen individuellen Bonus. Um die Tragweite des Entschlusses sichtbar zu machen, zeichnete der gesamte Vorstand die entsprechende Erklärung ab.

Auf den ersten Blick zeigt der gerade veröffentlichte Geschäftsbericht, wie konsequent die Bank diesen Schritt umgesetzt hat. Mit seinem Fixgehalt von 3,8 Millionen Euro reiht sich Cryan am unteren Ende der Dax-Chefs ein. Und auch die Mitarbeiter leisten ihren Beitrag: Die variablen Gehälter in der gesamten Bank sind im Vergleich zum Vorjahr um 77 Prozent auf 500 Millionen Euro gesunken. Auch die Zahl der Angestellten, die mehr als eine Million Euro verdient, hat sich mehr als halbiert. Cryan, so scheint es, greift endlich hart durch.

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Deutsche Bank-Chef John Cryan macht es wie seine Vorstandskollegen und verzichtet auf seine Boni. Damit erhält er nur 3,8 Millionen Euro Grundgehalt. Seine Vorgänger bekamen zeitweise zweistellige Millionenbeträge.

Doch ein paar Seiten weiter relativiert sich der Eindruck zumindest teilweise. So erhalten immerhin rund 5500 Banker sogenannte „Retention Awards“. Die setzen sich je zur Hälfte aus einer Barkomponente und einem an den Kursverlauf gekoppelten Aktienanteil zusammen. In der Summe kommen so maximal rund 1,1 Milliarden Euro zusammen. Diese Prämien, so erklärt die Bank, seien keine Gehaltsbestandteile, weshalb sie in der Endabrechnung für 2016 auch nicht auftauchen.

Tatsächlich gehen die Sonderzahlungen frühestens 2018 auf den Konten der begünstigten Banker ein. Dann aber können sie nachträglich im Durchschnitt mit einem Zuschlag von rund 200.000 Euro für 2016 rechnen – wenn sie solange bei der Bank bleiben und der Aktienkurs nicht unter ein festgelegtes Niveau fällt.

Der Einschnitt bei den Gehältern bleibt damit aktuell zwar deutlich spürbar. Mittelfristig fällt er aber doch nicht so heftig aus, wie es der nun ausgewiesene Rückgang von 10,5 auf 8,8 Milliarden Euro vermuten lässt.

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Tiefrote Zahlen, teurer Konzernumbau - das geht auch an den Mitarbeitern der Deutschen Bank nicht spurlos vorüber. Der Bonustopf fällt noch einmal deutlich kleiner aus als im Vorjahr.

Zumal die Bank Ende 2016 auch noch rund 1300 Beschäftigte weniger hatte als Ende 2015. Allein durch diesen Rückgang dürfte sie einen dreistelligen Millionenbetrag gespart haben. Zudem sind die Halteprämien das gewichtigste, aber nicht das einzige Mittel, um den öffentlichkeitswirksamen Verzicht abzumildern. So sind die schon in den Vorjahren erhöhten Fixgehälter 2016 abermals leicht um 200 Millionen auf 8,3 Milliarden Euro gestiegen.

Ohnehin sind die Einsparungen nur temporärer Natur. In diesem und den kommenden Jahren werden die Personalkosten wieder deutlich steigen. Schließlich will die Bank geschäftlich wieder angreifen und verlorenes Terrain zurück erobern. Dafür braucht sie motivierte Mitarbeiter, eine abermalige harte Sparrunde bei den Gehältern kann sie sich da kaum leisten. Denn nicht jeder denkt wie Cryan. Der hatte schon kurz nach seinem Amtsantritt verkündet, dass er wegen eines Bonus noch nie härter gearbeitet hätte.

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