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Wolfgang Grupp

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Familienleben und Arbeit verbinden

Dafür hat Grupp gesorgt, indem er, wo immer möglich, Familienleben und Unternehmen auf das Engste miteinander verwob. Sohn Wolfgang wird nie vergessen, wie „schön es war, als Kleinkind bei Mitarbeitern von Trigema auf dem Schoß zu sitzen“. Mussten er und seine Schwester zurück ins Internat, brachte der Firmenfahrer sie hin. „Ich weiß noch genau, wie mich unser Fahrer getröstet hat, als ich geweint habe, weil ich wieder weg musste“, erinnert sich Wolfgang. „So jemand ist für mich natürlich mehr als nur ein Mitarbeiter.“

In der schulfreien Zeit wiederum unternahm Grupp alles, um die Kinder mit Leib und Seele in seine Firma zu tauchen. „Ich durfte schon als Baby bei Modeaufnahmen mitwirken“, sagt Bonita. Von klein auf habe sie im Lager und im Verkauf geholfen und die Mutter in den Verkaufsläden unterstützt. „Aus dieser Zeit kenne ich noch viele Mitarbeiter.“ Grupp steckte die Kinder sogar in Trigema-T-Shirts und bannte ihre Fotos auf die firmeneigenen Lastwagen, die damit bis heute herumfahren.

So hart die Expatriierung für die Kleinen anfangs gewesen sein mag, für Grupp hatte sie eine nützliche Nebenwirkung. Denn auf diese Weise entschärfte er – bewusst oder unbewusst – mögliche Konflikte während der Pubertät, deren Ausgang für ihn unkalkulierbar gewesen wäre. Wer im Alter von 14 bis 16 ständig mit Gleichaltrigen aus 52 Ländern von Argentinien bis China verkehrte, hatte wenig Anlass, aus einer dörflichen Beschränktheit wie in Burladingen auszubrechen. Und wer bei der Suche nach der eigenen Identität nicht ständig den Alltag mit einem Vater verbringen musste, der Folgsamkeit liebt, hatte auch weniger Anlass aufzubegehren. „Ich habe nie rebelliert“, sagt Sohn Wolfgang.

Bonita Grupp Matthias Schmiedel für WirtschaftsWoche

Verwurzelt in den Anschauungen des Vaters.

Grupp-Tochter Bonita.

Derart präpariert, ist es für Bonita und Wolfgang nur noch ein kleiner Schritt, den gemeinsamen Weg auch im Studium fortzusetzen – und es dem Vater endgültig gleichzutun. Erst zieht die Schwester in die britische Hauptstadt und schreibt sich an der London School of Economics and Political Science im Fach Betriebswirtschaftslehre (BWL) ein. „Irgendwie war das naheliegend“, erinnert sie sich, „Papa hat ja auch BWL studiert.“ Zwei Jahre später beginnt auch der Bruder das BWL-Studium an der berühmten Hochschule, an der einst der österreichische Philosoph Karl Popper und der deutsche Liberale Ralf Dahrendorf der Marktwirtschaft im Nachkriegsdeutschland den ideologischen Überbau lieferten.

Herkunft der Kinder lenkt ihre Interessen

Doch derart Grundsätzliches interessiert die beiden nicht. Als es auf den Abschluss des Studiums zugeht, wählt Wolfgang für seine Masterarbeit das Thema „Institutionelle Voraussetzung für die Textilindustrie in Europa am Beispiel Deutschlands und Großbritanniens“. Schwester Bonita hatte zuvor eine Masterarbeit über „Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen in der südwestdeutschen Textilindustrie in den Zwanziger- und Dreißigerjahren“ des vergangenen Jahrhunderts verfasst. Erst im Nachhinein habe sie festgestellt, dass ihr Vater in seiner Diplomarbeit ein ähnliches Thema gewählt hatte.

Und wie die Herkunft ihre Interessen lenkt, so hat diese die beiden auch gegen den angelsächsischen Finanzkapitalismus der Londoner City imprägniert. Die Denke von Investmentbankern, etwa das Leveraging, bei dem Investoren Geld aus dem Unternehmen ziehen und die Verschuldung erhöhen, um die Verzinsung des Eigenkapitals zu steigern, perlt von ihnen ab. Wolfgang ist das „zu abgehoben“ und „nichts für ein solides Familienunternehmen“. Schwester Bonita kann sich „persönlich überhaupt nicht vorstellen, so etwas zu machen“.

Das müssen die beiden auch nicht. Ihr Vater hat viel Handfesteres vorgesehen, ein regelrechtes Trainee-Programm, um sie in sein Reich Trigema hineinwachsen zu lassen, damit einer von beiden die Firma einmal übernehme, wer auch immer dies am Ende sein möge.

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