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02.01.2018

09:30 Uhr

Milliardärsfamilie

Reimanns suchen Geldgeber für Übernahmen

Von: dpa, rtr

  Die Industriellen-Familie Reimann will auf Einkaufstour gehen – und sammelt dafür bei Investoren Geld ein. Dabei sind offenbar Übernahmen im Kerngeschäft der Milliardärsfamilie geplant – Kaffee, Tee und Kosmetika.

JAB steht unter anderem hinter der Kaffee-Marke Douwe Egberts und dem Senseo-System. REUTERS

JAB steht unter anderem hinter der Kaffee-Marke Douwe Egberts und dem Senseo-System.

Die Mannheimer Milliardärsfamilie Reimann sammelt über ihre Beteiligungsgesellschaft JAB derzeit Geld bei Investoren für weitere Übernahmen. „Unsere Transaktionen werden immer größer, wir brauchen mehr Geld“, sagte JAB-Chef Bart Becht dem „Handelsblatt“. Dabei wolle die Holding künftig stärker mit fremden Mitteln arbeiten. An den von JAB aufgelegten Fonds seien unter anderem Staatsfonds und vermögende europäische Familien beteiligt. Interessant seien für JAB Akquisitionen im Kaffee- und Tee-Geschäft sowie bei Kosmetika.

In den vergangenen Jahren hatte die JAB Holding Milliardensummen in Zukäufe gesteckt, unter anderem in die Kaffeekonzerne D.E. Master Blenders, Peet's Coffee und Keurig Green Mountain sowie die US-Bäckereikette Panera Bread.

Seit 2015 ist JAB der weltgrößte Kaffee-Konzern, zu ihm gehören unter anderem die Marken Jacobs, Senseo und Tassimo. Die Holding ist außerdem größter Aktionär des US-Kosmetikriesen Coty mit seiner Shampoo-Marke Wella. Grundstein des Vermögens der nach Berechnungen des „Manager Magazins“ reichsten Familie Deutschlands ist der Sagrotan-Anbieter Reckitt Benckiser.

Die Geschichte von Reimann

1823

Johann Adam Benckiser gründet die Reimann-Keimzelle Benckiser in Pforzheim als Chemieunternehmen. 1828 kommt Ludwig Reimann als Manager zum Unternehmen und heiratet die Tochter Benckisers. Das Unternehmen feiert Erfolge mit einem Reinigungsmittel auf Basis von Zitronensäure.

Nach 1840

Nach dem Tod Benckisers wird Reimann alleiniger Inhaber. 1858 zieht das Unternehmen nach Ludwigshafen um.

1923

Ur-Ur-Enkel Albert Reimann kommt mit 25 in das Unternehmen.

1952

Albert Reimann wird Alleininhaber, erweitert die Palette um Konsumgüter, und kauft Marken wie Kukident (1962) oder Calgonit für Spülmaschinen (1964)

1960

Reimann holt Familienfremde in die Unternehmensführung. Martin Gruber wird erst Einkaufschef und 1978 CEO.

1981

Peter Harf kommt ins Unternehmen.

1984

Albert Reimann stirbt und hinterlässt jedem der fünf eigenen Adoptivkinder und den vier Kindern seiner Schwester Else Dubbers jeweils ein Neuntel.

1988

Harf wird Benckiser-Chef – startet eine Zukauf-Party wie Reinigungsmittelhersteller Panigal und Mira Lanza

1992

Kauf des Parfümherstellers Coty von Pfizer für 440 Mio.

1996

Die fünf Adoptivkinder Reimann zahlen die vier Kinder von Else Dubbers aus.

1997

Spaltung des Unternehmens in Benckiser und Coty, Börsengang von Benckiser in Amsterdam

1999

Fusion mit Reckitt & Colman zu Reckitt Benckiser, die in den britischen Top-Index FTSE 100 aufsteigen. Harf rückt in den Verwaltungsrat, Bart Becht wird CEO.

2003

Andrea Reimann-Ciardelli wird ausbezahlt mit 60 Mio. Aktien in Reckitt (Wert: knapp 1 Mrd. Dollar)

2006

JAB Holding zieht nach Wien

2007

Gründung Labelux Holding für Luxusmarken wie Bally und Belstaff

2010

Kauf Opi (Nagelpflege) (1 Mrd. Dollar ) und TJoy in China (400 Mio. Dollar).

2011

Kauf Jimmy Choo (Preis mehr als <1Mrd) durch Labelux, Harf engagiert Becht nach dessen Ausscheiden bei Reckitt Benckiser als Coty-Chairman

2012

Avon-Übernahme (10 Mrd.) scheitert, Kauf Peet’s (1Mrd.) und Caribou (346 Mio.), Harf gründet die JAB-Holding und Becht und den Franzosen Olivier Goudet als Partner in die Führung

2013

Kauf DE Master Blender von Sara Lee für 7,7 Mrd. $ (Hauptmarke: Senseo)

2014

Kauf Kaffeesparte von Mondolez (Marken: Jacobs, Tassimo…)

Becht sagte der Zeitung, das Vermögen der Industriellenfamilie werde in Medienberichten mit 33 Milliarden Euro deutlich überschätzt. Die vier Erben des 1984 verstorbenen Unternehmers Albert Reimann hätten ihr Vermögen fast vollständig in der JAB Holding. „Das Eigenkapital der JAB liegt tatsächlich bei 18 Milliarden Euro.“

Die Beteiligung an dem Reinigungsmittel-Hersteller werde JAB sukzessive reduzieren, sagte Becht weiter. „Bei Reckitt Benckiser verkaufen wir immer mal kleine Aktien-Pakete – auch weil wir glauben, dass Coty weitaus interessanter ist.“ Nach Reuters-Daten hält JAB aktuell knapp sechs Prozent an Reckitt. Allerdings gebe es bei Coty nach dem Kauf von 43 Marken von Procter & Gamble, darunter Wella, vor zwei Jahren noch „Optimierungsbedarf“. „Wir haben immer gesagt: Das ist ein Fünf-Jahres-Turnaround. Das liegt an der hohen Zahl der neuen Produkte.“

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