WirtschaftsWoche

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12.04.2017

06:00 Uhr

Werner knallhart

Der neue Kampf gegen die Tricks der Lebensmittel-Industrie

Von: Marcus Werner

kolumne  Der Tabak ist bei den meisten unten durch. Doch durchdesigntes Schrott-Essen, das systematisch unser Sättigungsgefühl ausschaltet, bahnt sich gerade als nächstes ins Bewusstsein der Gesellschaft. Das wird spannend.

Tiefkühlpizzen vom Fließband. dpa

Tiefkühlpizzen vom Fließband.

Wovon machen wir eigentlich abhängig, was wir gerne konsumieren? Ich habe das Gefühl, das ist auf die Gesellschaft hochgerechnet ein buntes Kuddelmuddel an den kuriosesten Einflüssen. Mit dem blöden Effekt, dass sich das für die Industrie oft nicht vorhersagen lässt.

Wer hätte etwa gedacht, dass die Apple Watch heute vielen als ein albernes Schnickschnack-Accessoire gilt, für das man sich vor seinen Freunden schämt? Wer hätte gedacht, dass die Menschen die Lust an Fernreisen verlieren? Dass sich einige sagen: Ich habe schon so viel von der Welt gesehen, ich bleibe lieber zuhause? Ist wirklich wahr. Das Phänomen ist laut Branche messbar.

War jemandem vorher klar, dass die Bionade für viele so schnell wieder so langweilig werden würde und dass das Jahrzehnte lang als Notlösung verpönte alkoholfreie Bier plötzlich DAS Sommergetränk werden würde? Mal Hand hoch.

Ernährung: Die Zuckertricks der Lebensmittelindustrie

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Interview Die Zuckertricks der Lebensmittelindustrie

Wer sich gesund ernähren will, hat kaum eine Chance dazu. Der US-Forscher Stanton Glantz plant eine Revolte gegen die Industrie. Wie böse sind unsere Lebensmittel?

Wenn man nicht möchte, dass der Erfolg seiner Produkte allein von irgendwelchen nicht kalkulierbaren Moden abhängt, dann gibt es da einen Trick. Man erzeugt beim Kunden eine unbändige Gier. Eine Art körperlicher Abhängigkeit. Niederträchtig, näch? Aber das ist erlaubt.

Deshalb schmiert umgekehrt der Tabak-Industrie hierzulande auch der Markt ab. Durch schlagkräftige Aufklärungs-Kampagnen wurden die wichtigsten Opfer den Nikotin-Verführern aus den Fängen gerissen: die Jugendlichen. Diese so formbaren, so unreifen Geschöpfe. Bekommt die Industrie die nicht in die Abhängigkeit gezogen, bevor deren Persönlichkeit robust genug ist, um den Zigarettenfirmen den Mittelfinger zu zeigen, dann wird es eng. Dann bricht der Nachwuchs weg, der im zweiten Schritt danach Jahrzehnte lang seiner Sucht verfallen wäre.

Wieviel Zucker steckt in...

...einem Duplo?

In dem Schokoriegel (18 Gramm) stecken rund sechs Gramm Zucker.

...einem Mars-Riegel?

In einem Riegel (58 Gramm) stecken rund 39 Gramm Zucker.

...zwei Teelöffeln Nuss-Nougat-Creme?

20 Gramm der Schokocreme enthalten rund 12 Gramm Zucker.

...einem Glas Apfelsaft?

200 Milliliter Apfelsaft enthalten 20 Gramm Zucker.

...einem Glas Cola?

200 Milliliter Cola enthalten etwa 18 Gramm Zucker.

...einem Glas Milch?

200 Milliliter Milch enthalten 10 Gramm Zucker.

...einem Fruchtzwerg?

Eine Portion (50 Gramm) dieses Kinderprodukts enthält 7,6 Gramm Zucker.

...eine Portion Fertig-Zwiebelsuppe?

Zwiebelsuppe aus der Tüte von Maggi enthält laut Hersteller 24 Gramm Zucker auf 100 Gramm der trockenen Zubereitung. Fertig gekocht entspricht das bei einer Portion von 250 Millilitern 3,3 Gramm Zucker.

Und so ist es jetzt. Die Vernunft siegt, bevor das Gehirn durch das Gift manipuliert werden kann. Der typische Raucher ist heute eher alt und ungebildet. Und das macht alles noch uncooler. Eine Image-Abwärtsspirale.

Es gilt also generell, die Konsumenten willenlos zu machen. Und jetzt kommt's. Nun ist es Forschern gelungen nachzuweisen, dass die Lebensmittelindustrie viele ihrer Produkte so designt, dass genau das passiert. Einfach nur durch die perfekte ungesunde Abstimmung der Inhaltsstoffe zueinander in industriell verarbeiteten Produkten. Man nennt es ultra-verarbeitete Lebensmittel: Brot aus der Plastiktüte, Backmischungen, Tütensuppen, Fertigpizza, Dosenwurst, Nuggets aus Hühnerfleisch, Knuspermüsli, Bonbons, Cola, Fertigsoßen, Kartoffelchips und solche Sachen.

Davon abgesehen, dass in diesem Mampf so unheimliche Sachen drin sind wie Stabilisatoren, Antioxidationsmittel, Feuchthaltemittel, hydrolysierte Proteine, künstliche Süßstoffe, Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker, hmm, nomnom, kommt es den Lebensmittelgiganten vor allem auf eines an: dass wir nicht genug kriegen können. Dass wir essen, obwohl wir satt sind.

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