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24.07.2017

10:31 Uhr

VW-Rivale mit Strategiewechsel

Toyota plant ein Elektroauto – für China

Von: Martin Kölling
Quelle:Handelsblatt Online

  Während die deutschen Autobauer mit dem Diesel kämpfen, plant Toyota eine Strategieänderung: Die Japaner wollen offenbar 2019 mit der Serienfertigung eines E-Autos beginnen – und zwar in China.

Das rein elektrische Modell wurde speziell für den Markt in Kalifornien produziert – bald könnte Toyota größer in den E-Auto-Markt einsteigen. Picture Alliance / dpa

Das rein elektrische Modell wurde speziell für den Markt in Kalifornien produziert – bald könnte Toyota größer in den E-Auto-Markt einsteigen.

Der japanische Autobauer Toyota hat seit der Einführung von Hybridautos im Jahr 1997 bereits einen Großteil seiner Flotte teilelektrifiziert. Nun will das Unternehmen nach Berichten japanischer Medien möglicherweise 2019 mit der Serienproduktion eines reinen Elektroautos beginnen – und zwar in China. Denn Toyota steht wie viele etablierte Autobauer vor der enormen Herausforderung, ab 2018 eine ambitionierte Quotenregelung der chinesischen Regierung für elektrisch angetriebene Autos erfüllen zu müssen.

Für Toyota bedeutet dieser Schritt einen Strategiewechsel mit Ansage. Das Unternehmen hat zwar 2012 schon mal eine kleine Serie rein elektrischer RAV4-SUVs in den USA aufgelegt, um Umweltrichtlinien in Kalifornien zu erfüllen. Aber in seiner Elektrifizierungsstrategie hat sich Japans Branchenprimus mittelfristig auf Hybrid- und langfristig auf Brennstoffzellenautos konzentriert, die Strom aus Wasser- und Sauerstoff gewinnen.

Toyota hat damit lange billigend in Kauf genommen, als Nachzügler bei Elektroautos zu gelten. Denn in den Augen Toyotas taugen Elektroautos bisher nur für Kurzstrecken, da die die Akkus noch nicht genügend Reichweite zu vertretbaren Preisen für den Masseneinsatz bieten. Aber Toyotas Ingenieure haben immer darauf hingewiesen, dass sie als Weltmarktführer bei Hybridautos über die notwendige Technik verfügen und jederzeit ein Elektroauto auflegen könnten, wenn die Führung es wolle. 2016 signalisierte Konzernchef Akio Toyoda dann deutlich den Willen zur schmerzhaften und radikalen Kurswende.

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Ende vergangenen Jahres gründete er nicht nur kurzerhand ein firmeninternes Start-up für die Entwicklung von Elektroautos, sondern übernahm die Führung der kleinen Planungsabteilung zusammen mit einer kleinen Gruppe weiterer Top-Manager gleich selbst, um so im kleinen Kreis rasch Entscheidungen treffen zu können. Zudem holte er sich Vertreter von wichtigen Toyota-Zulieferern Denso, Aisin Seiki und dem Ur-Toyota – Toyotas größtem Aktionär – Toyota Industries ins Projekt.

Dementsprechend gibt es auch kein Dementi über die immer detaillierteren Berichte über Toyotas Elektroautopläne. „Wir werden Elektroautos in China innerhalb einiger Jahre einführen“, bestätigte Konzernsprecher Ryo Sakai dem Handelsblatt. Allerdings äußere sich das Unternehmen nicht über künftige Produktpläne.

Elektroautos im Kostenvergleich

BMW

ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
BMW i3Strom36.150 Euro598 Euro47,8 Cent
Mini Cooper SSuper Plus26.600 Euro542 Euro43,4 Cent
Mini Cooper SDDiesel28.300 Euro519 Euro41,5 Cent

Quelle: ADAC

Citroën

ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
Citroën C-ZeroStrom19.800 Euro433 Euro34,6 Cent
Citroën C1 Vti 68Super13.900 Euro388 Euro31,0 Cent

Ford

ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
Ford Focus ElectricStrom34.900 Euro665 Euro53,2 Cent
Ford Focus 1.5 EcoBoostSuper25.500 Euro618 Euro49,4 Cent
Ford Focus 2.0 TDCiDiesel28.100 Euro623 Euro49,8 Cent

Hyundai

ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
Hyundai IONIQ ElektroStrom33.300 Euro587 Euro47,0 Cent
Hyundai i30 1.6 GDISuper22.630 Euro562 Euro45,0 Cent
Hyundai i30 1.6 CRDi blueDiesel24.030 Euro548 Euro43,8 Cent

Kia

ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
Kia Soul EVStrom28.890 Euro526 Euro42,1 Cent
Kia Soul 1.6 GDISuper19.990 Euro529 Euro42,3 Cent
Kia Soul 1.6 CRDiDiesel23.490 Euro539 Euro43,1 Cent

Mercedes-Benz

ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
Mercedes-Benz B250eStrom39.151 Euro713 Euro57,0 Cent
Mercedes-Benz B220 4MaticSuper34.076 Euro773 Euro61,8 Cent
Mercedes-Benz B220dDiesel36.521 Euro728 Euro58,2 Cent

Nissan

ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
Nissan LeafStrom34.385 Euro632 Euro50,6 Cent
Nissan Pulsar 1.2 DIG-TSuper22.290 Euro574 Euro45,9 Cent
Nissan Pulsar 1.5 dCiDiesel22.690 Euro535 Euro42,8 Cent

Renault

ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
Renault ZoëStrom34.700 Euro580 Euro46,4 Cent
Renault Clio TCe 90Super16.790 Euro433 Euro34,6 Cent
Renault Clio dCi 90Diesel20.290 Euro454 Euro36,3 Cent

Tesla

ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
Tesla Model S 60 Strom71.020 Euro1206 Euro96,5 Cent
Mercedes-Benz CLS 400Super63.427 Euro1198 Euro95,8 Cent
Mercedes-Benz CLS 350dDiesel62.178 Euro1156 Euro92,5 Cent

Hinweis: Da Tesla selbst keine Autos mit Diesel- oder Benzinmotor verkauft, hat der ADAC zum Vergleich den Mercedes-Benz CLS herangezogen.

VW

ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
VW e-up!Strom26.900 Euro472 Euro37,8 Cent
VW up! 1.0Super14.255 Euro375 Euro30,0 Cent

Dass Toyota nun in China über seinen Schatten springt, hat zuerst politische Gründe. Chinas Regierung wittert bei Elektroautos nicht nur die Chance, die verpestete Luft der Megacitys zu verbessern, sondern zudem in dieser Antriebstechnik sowie bei der Produktion von Lithium-Ionen-Akkus die Marktführerschaft zu übernehmen. Im ersten Schritt subventionierte Chinas daher elektrifizierte Antriebe. Im zweiten will sie die Autobauer nun unter Androhung von Strafen zwingen, schrittweise immer mehr Elektroautos zu verkaufen.

Und die Quoten sind hart. 2018 sollen in China bereits acht Prozent der verkauften Autos eines Herstellers an der Steckdose aufladbare Plug-in-Hybride oder reine elektrische Autos sein, um dann bis 2025 auf ein Fünftel anzusteigen. Aufgrund der hohen Importzöllen müssen die Fahrzeuge realistischerweise in China hergestellt werden, um eine Chance zu haben.

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