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17.03.2017

06:00 Uhr

Rocket Internet

Olis Einhorn-Zucht schwächelt

Von: Melanie Bergermann, Henryk Hielscher, Michael Kroker

  Oliver Samwer galt als deutsche Antwort auf das Silicon Valley. Doch der Glanz seiner Start-up-Fabrik verblasst, ein großer Börsengang müsste her. Sind die beiden Kandidaten Hello Fresh und Delivery Hero dafür reif?

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer. dpa

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer.


Die Frage passte: „Where’s the money?“, damit war eine Podiumsrunde bei der Digital-Konferenz DLD im Januar in München überschrieben. Auf der Bühne: Oliver Samwer, Chef der Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet. Samwer – weiß-gestreiftes Hemd, dunkler Pulli, verstrubbeltes Haar – sollte zwar eigentlich über Investmentchancen in den Märkten von morgen sprechen. Doch dann ging es auch um die Performance von Rocket Internet, schließlich dürften sich auch die Aktionäre von Rocket Internet fragen, wo ihr Geld geblieben ist.

Rund 60 Prozent hat die Rocket-Aktie seit ihrem Börsendebüt vor zweieinhalb Jahren verloren. Kein Wunder: Samwer hat bislang nicht bewiesen, dass das Geschäftsmodell von Rocket Internet funktioniert, geschweige denn für die Börse taugt. Im Gegenteil: Erst strapazierte Rocket die Nerven seiner Aktionäre mit einer bizarren Finanzkommunikation, dann verstimmten horrende Verluste die Investorenschar. Ein geplanter Börsengang wurde verschoben, wichtige Portfoliounternehmen wurden abgewertet. Hinzu kam Streit mit der schwedischen Beteiligungsgesellschaft Kinnevik, die einst zu den zentralen Geldgebern der Berliner gehörte – und die ihr Engagement bei Rocket Internet im Februar aufs Nötigste eingedampft hat.

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Kein Plan, keine Gewinne, keine neuen Ideen: Oliver Samwers Start-up-Fabrik steckt in der Krise. Bringen Hoffnungsträger wie Delivery Hero und Hello Fresh endlich die Wende? Vertrauliche Unterlagen wecken Zweifel.

Im Klartext: Die einst größte deutsche Internethoffnung steckt in einer veritablen Krise und Investoren wie Online-Strategen fragen sich, ob es Samwer gelingt, den Kurs seiner Rakete zu korrigieren.

Schon die kommenden Monate könnten über die Antwort entscheiden. Denn ab dem zweiten Quartal, so heißt es in Finanzkreisen, würden die Börsenpläne für die beiden wichtigsten Beteiligungen im Rocket-Reich Fahrt aufnehmen. Sowohl der Kochboxversender Hello Fresh als auch der Essenslieferdienst Delivery Hero gelten seit geraumer Zeit als Kandidaten für Milliarden-IPO’s – und könnten Samwer den ersehnten Befreiungsschlag bringen. Oder aber – im Fall des Scheiterns – den Konzern endgültig in ein Desaster stürzen. Denn dass die Börsenaspiranten am Finanzmarkt reüssieren, scheint längst nicht ausgemacht. Interne Zahlen und vertrauliche Unterlagen zeigen, dass die Unternehmen unter hohen Verlusten und teuren Krediten leiden.

Die wichtigsten Beteiligungen im Rocket-Imperium und ihre letzten Bewertungen

Delivery Hero

Unternehmen: Delivery Hero
Unternehmensart: Essenslieferdienst
Bewertung: 2,95 Milliarden Euro (bei letzter Finanzierungsrunde)
Anteil Rocket Internet: 37,7 %

Quelle: Unternehmen, Stand: März 2017

HelloFresh

Unternehmen: HelloFresh
Unternehmensart: Kochboxen-Versender
Bewertung: 2,00 Milliarden Euro (bei letzter Finanzierungsrunde)
Anteil Rocket Internet: 53,0 %

Jumia

Unternehmen: Jumia
Unternehmensart: Versandhandel
Bewertung: 1,24 Milliarden Euro (bei letzter Finanzierungsrunde)
Anteil Rocket Internet: 28,4 %

Global Fashion Group

Unternehmen: Global Fashion Group
Unternehmensart: Bekleidungsversand
Bewertung: 1,03 Milliarden Euro (bei letzter Finanzierungsrunde)
Anteil Rocket Internet: 20,4 %

Westwing

Unternehmen: Westwing
Unternehmensart: Shopping-Community
Bewertung: 0,48 Milliarden Euro (bei letzter Finanzierungsrunde)
Anteil Rocket Internet: 31,8 %

Home24

Unternehmen: Home24
Unternehmensart: Möbelversand
Bewertung: 0,42 Milliarden Euro (bei letzter Finanzierungsrunde)
Anteil Rocket Internet: 42,9 %

So macht Delivery Hero derzeit vor allem der Zusammenschluss mit dem Wettbewerber Foodpanda zu schaffen. Ende 2016 hatte Delivery Hero 49 Prozent an Foodpanda von Rocket Internet übernommen. Foodpanda ist vor allem in Schwellenländern aktiv. Zusammen kamen Delivery Hero und Foodpanda laut internen Unterlagen, die der WirtschaftsWoche vorliegen, im Jahr 2016 auf ein negatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von minus 117 Millionen Euro.

Rocket Internet: Delivery Hero und Foodpanda mit zusammen 117 Millionen Euro Verlust

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exklusiv Delivery Hero und Foodpanda mit zusammen 117 Millionen Euro Verlust

Der Essenslieferdienst Foodpanda, der seit Ende 2016 zur Delivery Hero-Gruppe („Lieferheld“, „pizza.de“ ) gehört, hat 2016 hohe Verluste gemacht. Das geht aus Unterlagen hervor, die der WirtschaftsWoche vorliegen.

Einem internen Plan zufolge rechnet der Vorstand damit, dass Foodpanda auch 2017 Verlust machen wird. „Die Foodpanda-Märkte weisen einen anderen Reifegrad auf“, heißt es hierzu in einer Stellungnahme von Delivery Hero. „Dies impliziert ein aktuell negatives Ebitda in vielen Foodpanda-Märkten, aber auch ein besonders hohes Wachstumspotenzial.“

Laut interner Planung sollte Delivery Hero – ohne Foodpanda – ab dem dritten Quartal 2017 bereits Gewinn machen. Im Kerngeschäft erwirtschaftete Delivery Hero bereits 2016 schwarze Zahlen. Jetzt will Delivery Hero laut interner Planung das Geschäft von Foodpanda in Bulgarien, Rumänien, Georgien, Kasachstan und der Slowakei bis Ende April entweder verkauft haben oder es schließen. Delivery Hero sagte dazu: „Wir schauen uns kontinuierlich unser Portfolio an, und bewerten mögliche Zu- oder Verkäufe unter Gesichtspunkten wie Marktführerschaft und Wachstumspotenzial.“ Zudem will die Gruppe jährlich etwa sechs Millionen Euro Personalkosten einsparen, indem offene Positionen bei Delivery etwa mit Foodpanda-Mitarbeitern besetzt werden.

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