WirtschaftsWoche

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08.08.2014

16:00 Uhr

Gründen in Afrika

Unternehmergeist ist erlernbar

Von: Jacqueline Goebel

  Unternehmertum ist keine Frage der Gene, sondern der Einstellung und des richtigen Trainings, glauben die Mitarbeiter des Projektes "Step". In Afrika helfen sie jungen Menschen beim Aufbau neuer Start-Ups.

Janet Lynn Tar Gutu erinnert sich noch genau, wie sie sich früher fühlte: extrem schüchtern, verunsichert, nicht in der Lage, ein Unternehmen zu führen. So begann sie ihr Studium der Informatik an der Universität in Kampala, der Hauptstadt von Uganda.

Heute, fünf Jahre später, erkennt sich die Afrikanerin kaum noch mehr selbst. Aufrecht steht die dunkelhäutige schlanke Frau, rahmenlose Brille, blauer Blazer, blau-silbernes Armband, hinter dem Pult des gefüllten Hörsaals. Mit fester Stimme erzählt sie den Studenten, was sie vollbracht hat.

Drei Unternehmen hat Janet Lynn Tar Gutu aufgebaut, und das in nur einem halben Jahrzehnt. Mit einem Kommilitonen gründete sie erst eine Hühnerfarm, dann ein Softwareunternehmen. Ganz in der Nähe der Universität verkauft sie in einem eigenen Laden Softeis. Damit sorgt sie inzwischen nicht nur für ihren eigenen Lebensunterhalt, sondern hat auch noch Arbeitsplätze in dem wirtschaftlich schwer angeschlagenen Staat in Ostafrika geschaffen. Aus der schüchternen Informatik-Studentin ist eine Businessfrau geworden.

Drei Unternehmen in fünf Jahren Gründerin: Janet Lynn Tar Gutu aus Uganda. (zum Vergrößern bitte anklicken) Presse

Drei Unternehmen in fünf Jahren Gründerin: Janet Lynn Tar Gutu aus Uganda. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Die Metamorphose hat die heute 28-Jährige einem Team unter Leitung von Michael Frese zu verdanken, Professor für Psychologie an der Leuphana Universität Lüneburg und der Nationaluniversität Singapur. Die Wissenschaftler sind angetreten zu beweisen, dass Unternehmertum keine Frage der Gene, sondern der Einstellung und des richtigen Trainings ist. Dazu haben sie ein Projekt namens „Student Training for Entrepreneurial Promotion“, kurz Step, aufgelegt.

Finanzielle Unterstützung

Finanziert wird das Step-Projekt vom deutschen Arm der Weltkulturorganisation Unesco, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und der BASF Stiftung, die dem gleichnamigen deutschen Chemiekonzern BASF nahesteht. 2008 startete das Projekt in Uganda, mittlerweile bieten Frese und sein Team das Programm auch an Universitäten in Kenia, Tansania, Ruanda und Liberia an. 2014 könnte mit den Philippinen das erste Entwicklungsland außerhalb Afrikas hinzukommen.

„Unternehmerisches Handeln bezieht sich eben nicht nur auf Umsatz und Profitraten, sondern es geht auch darum, etwas aufzubauen und sich so selbst ein gutes Leben gestalten zu können“, sagt Hartmut Unger, Geschäftsführer der BASF Stiftung, die das Projekt in Uganda sowie in Kenia drei Jahre finanziell unterstützt. Danach sollen die Universitäten die Kurse selbstständig weiterführen können.

100 Dollar Startkapital

Step ist eine Mischung aus Büffeln und Business. Die Teilnehmer, in der Regel Studenten aus geistes- oder naturwissenschaftlichen Fächern ohne betriebswirtschaftliche Kenntnisse, erhalten drei Monate lang eine Grundausbildung in Buchhaltung, Marktanalyse und Marketing. Den Lehrstoff hat das Lüneburger Team zusammen mit afrikanischen Experten entwickelt. Die sollen den afrikanischen Studenten auf Augenhöhe beibringen, wie sie eine Nische finden und darin auch mit wenigen Ressourcen ein Geschäft in den Schwellenländern aufbauen können. Und das nicht nur in der Theorie, sondern auch ganz praktisch.

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100 Dollar Startkapital bekommen die Studentengruppen zur Verfügung gestellt. Damit können sie während des Trainings ein eigenes Start-up gründen. Doch die Studenten dürfen nur den Gewinn behalten, das Startkapital müssen sie zum Ende des dreimonatigen Trainings wieder zurückzahlen. Zwischen 82 und 95 Prozent des Geldes sei bei den einzelnen Kursen wieder zusammengekommen, sagen die Studienleiter. „Es gibt immer ein paar, die nicht die gesamte Summe zurückzahlen können“, sagt Frese. Doch das seien meist ehrliche Fehler, von denen die gesamte Gruppe lernen könne.

Die Geschäftsideen, an denen sich die Teilnehmer versuchen, sind vielfältig: Die einen basteln und verkaufen Grußkarten, die anderen stellen Säfte aus frischem Obst her. „Wir haben Bücher verkauft, kleine Taschenbücher über Religion“, erzählt Janet Lynn Tar Gutu. Das erste Buch verkaufte sie an ein Mitglied aus Freses Team, Michael Gielnik. Der Juniorprofessor an der Leuphana Universität koordinierte das Projekt vor Ort. Dann ging Janet über den Campus und sprach Studenten an, die ihr prompt auch Bücher abkauften.

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