WirtschaftsWoche

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21.02.2017

09:00 Uhr

Peinlichkeiten beim Geschäftsessen vermeiden

Hilfe, ich habe ein Essen mit dem Chef!

Von: Nora Jakob

  Geschäftsessen gehören oft zum Arbeitsalltag – und sind gute Gelegenheiten, sich zu präsentieren. Doch wer lädt wen ein, was zieht man an und welches Gericht eignet sich, um parallel übers Geschäft sprechen zu können?

Es ist in erster Linie ein Kompliment, wenn der Chef zum Essen einlädt. Aber nach der ersten Freude darüber kann es problematisch werden: Wie verhalte ich mich richtig? Muss ich Dinge essen, die ich nicht mag oder vielleicht sogar nicht vertrage? Bei einem Geschäftsessen - auch wenn es nur mit den Kollegen ist - lauern viele Fettnäpfchen und nicht erst im Restaurant. So können Sie bei einem Geschäftsessen glänzen.

1. Wer einlädt, bestimmt das Restaurant und zahlt

Grundsätzlich gilt, wer einlädt, bezahlt auch - unabhängig vom Geschlecht. Gleichzeitig ist der Gastgeber auch die Person, der besondere Wertschätzung zuteil werden sollte. Denn er trägt eine besondere Verantwortung gegenüber den Gästen. Ihm obliegt es aber auch, Vorlieben und Unverträglichkeiten der Gäste vorab herauszufinden. Wenn Sie einladen und sich bei den Geschmäckern unsicher sind, bietet sich in der Regel ein gutes italienisches Restaurant an. Da findet sicher jeder etwas.

Sollte die Rolle des Gastgebers vorab nicht zugewiesen sein, gilt: Finden Sie vor dem Essen raus, wer die Rechnung übernimmt oder ob diese geteilt wird. Einfach die ganze Rechnung zu übernehmen, ist nicht angemessen und kann sogar als unhöflich empfunden werden. Ob es einen Aperitif oder Digestif gibt, entscheidet die zahlende Person. Sie muss schließlich für die Kosten aufkommen.

Diese Regeln gelten bei einem Geschäftsessen

Aperitif

Wenn der Aperitif vor dem Essen gereicht wird, sollte das Glas nicht zum Tisch mitgenommen werden; das erledigen Kellner. Eingedeckte Gläser werden von rechts nach links, Besteck von außen nach innen verwendet. Gläser werden nur bis zum ersten Drittel eingeschenkt und nur am Stiel angefasst, falls sie einen haben.

Beginn

Es wird nicht getrunken, bevor der Gastgeber dazu aufgefordert hat. „Guten Appetit“ wird kaum noch gewünscht. Kommt das vom Gastgeber und Koch, riecht es nach Eigenlob; wünscht es der Gast, könnte man meinen, es sei nötig. Wünschen Sie lieber einen netten Abend und gute Gespräche. Und angestoßen wird nur mit weinhaltigen Getränken, zunicken und zuprosten ist aber dezenter. Cheers!

Besteck

Einmal aufgenommenes Besteck berührt die Tischdecke nicht wieder, bei Pausen wird es auf dem Teller geparkt.

Büfett

Erlaubt ist, jederzeit zum Büfett zu gehen, um einen weiteren Gang zu holen. Tabu ist hingegen, den Teller bis zum Anschlag vollzupacken. Speisen nie am Büfett verzehren oder probieren! Und nie mit gebrauchtem Geschirr zurück ans Büfett (Ausnahme: privat).

Couvert-Brot

Das Brot vor dem Essen ist keine Vorspeise, sondern eine Beilage zur Vorspeise. Es wird nur gebrochen, nie wie eine Stulle mit Butter bestrichen und gegessen! Richtig: Brot in Happen brechen, jedes Stück einzeln bestreichen und essen.

Espresso

Heiße Getränke, die in Tassen nach dem Essen gereicht werden, dürfen erst serviert werden, wenn alle Besteckteile (Messer, Gabel, Teller) abgeräumt sind.

Fingerfood

Artischocken, Austern, Canapés, Garnelen, Muscheln, Spareribs, Wachteln dürfen mit den Fingern gegessen werden. Ebenso Geflügel – aber nur, wenn es nicht anders geht.

Malheur

Sie stoßen ein Weinglas um und bekleckern den Nachbarn: alles kein Desaster! Bitten Sie den Kellner diskret heran. Er beseitigt die Spuren. Den Nachbarn bitten Sie um Entschuldigung und bieten an, für etwaige Reinigungskosten aufzukommen. Sind nur Sie betroffen, ziehen Sie sich diskret auf die Toilette zurück.

Order

Gastgeber mit Stil fragen: Was halten Sie von einem Menü? Wollen wir eine Vorspeise nehmen? Möchten Sie Wein dazu trinken? Anschließend passt er sich den Wünschen der Gäste an und lässt ihnen bei der Bestellung den Vortritt. Er bezahlt auch nicht am Tisch, sondern am Empfang.

Serviette

Wird ausgebreitet und einmal gefaltet auf den Schoß gelegt. Fällt sie beim Essen runter, bitten Sie das Personal um eine neue. Nicht aufheben! Wer aufstehen muss, legt die Serviette locker links neben den Teller (amerikanisch: auf den Stuhl). Der Gastgeber deutet mit derselben Geste an, dass das Essen beendet ist.

Schminken

Niemals bei Tisch! Make-up auffrischen, Lippenstift nachziehen, Augen nachtuschen – dazu zieht sich die Dame stets zurück.

Suppe

Einzig richtig: nicht pusten, nicht mit dem Brot tunken, den Löffel nur mit der Spitze zum Mund führen. Cremesuppen und Suppen mit Einlagen werden nur ausgelöffelt, klare Brühen dürfen auch ausgetrunken werden.

Noch ein kleinerer Fallstrick: Die Rechnung möglichst nicht am Tisch, also vor dem Gast begleichen, sondern lieber am Tresen. Trinkgeld kann man geben, muss aber nicht, denn die Gelder für den Service sind schon im Preis einkalkuliert. War es aber eine gute Leistung des Personals, so sollte auch ein gutes Trinkgeld gegeben werden - in der Regel zwischen fünf und zehn Prozent bezogen auf die Rechnungshöhe.

2. Was ziehe ich an?

Das Essen wird in der Regel auswärts - etwa im Restaurant oder zuhause - stattfinden. Auch hier sollte die Kleidung angemessen sein - und da spielt vor allem die Uhrzeit eine entscheidende Rolle: Mittags darf es durchaus etwas lockerer sein, nach 18 Uhr sollte auf eine feinere Abendgarderobe zurückgegriffen werden - auf keinen Fall Jeans. Die Krawatte darf aber durchaus weggelassen werden.

Generell aber gilt: Die Kleidung, die Sie angezogen haben, bleibt den ganzen Abend über an - das gilt auch für Sakko oder Blazer. "Was man bei der Vorspeise trägt, trägt man auch beim Dessert," heißt es in einer allgemeinen Knigge-Regel. Deshalb: Ziehen Sie sich lieber zu leicht als zu warm an. Ihre Jacke oder Ihren Mantel sollten Sie beim Eintreten ins Restaurant an der Garderobe abgeben, und keinesfalls über den Stuhl hängen.

Die zehn Knigge-Basics

1. Niesen

Wer niesen muss, tut dies indem er den Handrücken der linken Hand benutzt und sich wegdreht. Hat sich durch die abrupte Bewegung jemand erschreckt, entschuldigt man sich. Daneben kann man in einer kleinen Runde "Gesundheit" wünschen, wenn aber beispielsweise bei großen Besprechungen jemand niest, wird das ohne Kommentar ignoriert.

2. Am Telefon melden

Wenn man sich am Telefon meldet genügt kein: Guten Tag oder Hallo. Man sollte zumindest den Familiennamen nennen. Außerdem empfiehlt es sich bei mehreren Personen im gleichen Alter, die in einem Haus wohnen, auch noch den Vornamen dazu zu nennen. Ein Gruß wie „Hallo“ oder „Guten Tag“ kann gerne nachgestellt werden, ist jedoch kein Muss.

3. Zeiten in denen man Personen anrufen darf

Nach 21.30 Uhr sollte man nur in äußersten Notfällen bei anderen Personen anrufen. Außerdem empfiehlt es sich, bei älteren Personen auf eine Mittagsruhe zwischen 13 und 15 Uhr zu achten, in denen ebenfalls das Telefon stumm bleiben sollte.

4. Keine unangekündigten Besuche

Auch wenn es manchen als spontan und nett erscheinen mag. Unangekündigte Besuche sollte man vermeiden um den Gastgeber nicht zu einer ungelegenen Zeit zu stören, empfiehlt Knigge-Expertin Tosca Freifrau von Korff. Ein Anruf, 30-45 Minuten vorher hilft um zu klären, ob ein kurzfristiger Besuch möglich ist.

5. Die passende Kleidung

Bei offiziellen Anlässen wie Taufen, Hochzeiten oder aber auch einem feinen Abendessen ist es sinnvoll, den Gastgeber vorher nach dem Kleidungswunsch zu fragen, wenn dies nicht auf der Einladung vermerkt ist. So vermeidet man unangenehme Ausrutscher in Sachen Kleidung.

6. In ganzen Sätzen sprechen

Egal, wie die Frage lautet oder wer sie stellt: Richtig antwortet man nur in ganzen Sätzen. So lautet die Antwort auf die Frage nach dem gewünschten Getränk im Flugzeug nicht „Tomatensaft“, sondern „Ich hätte gerne einen Tomatensaft.“

7. Über andere lästern

Schlecht über andere Personen reden empfiehlt sich generell nicht. Wer es dennoch nicht lassen kann, sollte das nur in einem ungestörten Umfeld tun, in dem keine Dritte zuhören. Das Bahnabteil oder den Bus zum Lästern nutzen ist also ein No-Go.

8. Konflikte lösen

Wer ernste oder problematische Dinge mit anderen zu besprechen hat, sollte den passenden Zeitpunkt abwarten, auch wenn manche Dinge dringend sind. So gehört das Besprechen von Konflikten nicht auf eine Hochzeit oder eine Geburtstagsfeier.

9. Zu Gast bei anderen

Wer irgendwo Gast ist muss abwarten, wo ihn der Gastgeber hinführt. Eine Besichtigungstour auf eigene Faust a la „Ich schaue mich mal ein wenig um“ ist nicht akzeptabel. Stattdessen lieber gleich den Gastgeber um eine Führung bitten.

10. Hausschuhe anbieten

Wer Gäste hat, muss ihnen gestatten ihre Schuhe anzulassen. Hausschuhe, die schon von anderen getragen wurden sind keine Alternative. Im Extremfall kann man seine Gäste drum bitten, des Bodens zur Liebe die Schuhe auszuziehen. Allerdings sollte ein aufmerksamer Gast bei schlechtem Wetter gleich ein zweites Paar Schuhe für den Innenraum mitbringen.

3. Hohe Kunst des Plauderns

Die Deutschen gelten als Smalltalk-Muffel, dabei kann der kleine Plausch mit dem Chef über einen Karrieresprung oder das Ende der Leiter entscheiden. Aber auch die Kollegen könnten nach einem verpatzten Essen noch einmal die Meinung ändern. Deshalb gilt: "Bei einem Essen sollten Themen wie Politik, Finanzen, Krankheiten oder Lästereien ausgespart werden," sagt Linda Kaiser von der Deutschen Knigge-Gesellschaft e.V.

Beliebte Themen hingegen sind Hobbies, Reisen oder andere Erlebnisse. Dazu könne jeder etwas sagen und es überfordert auch selten intellektuell. Über Geschäftliches wird übrigens erst nach dem Dessert - und bei einem Kaffee gesprochen.

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