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Kadyrows Turm zu Babel

Europas größtes Hochhaus entsteht in Tschetschenien

Von: jur
Quelle:Handelsblatt Online

  Nicht Frankfurt, nicht London – Grosny soll die Heimat des größten Wolkenkratzers in Europa werden. 435 Meter hoch soll der Turm zu Ehren des 2004 ermordeten tschetschenischen Präsidenten Achmat Kadyrow werden. Doch das Projekt ist umstritten.

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Achmat Tower Smart Building

Quelle: Smart Building

Achmat Tower:
435 Meter, 102 Stockwerke hoch soll es werden: das höchste Hochhaus in Europa und in Russland. Das Bauwerk der Superlative entsteht in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny.

Turmsockel Smart Building

Quelle: Smart Building

Turmsockel:
Neben einem Hotel sollen hier auf rund 200.000 Quadratmetern Fläche Apartments, Restaurants und Geschäfte entstehen. Das Projekt soll rund eine Milliarde US-Dollar verschlingen. Damit steht es – gelinde gesagt – in einem Missverhältnis zum allgemeinen Wohlstandslevel in der Republik am Kaukasus. So betrug das Bruttoinlandsprodukt der Region im Jahr 2014 laut der Beratungsgesellschaft PwC gerade einmal 141 Milliarden russische Rubel. Um den – damals noch von der Krim-Aneignung unbelasteten – Kurs von ca. 35 Rubel pro Dollar bereinigt, betrug die wirtschaftliche Leistung geschätzte vier Milliarden Dollar. Seitdem sind die Zahlen zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der Region rar gesät.

Ramsan Kadyrow AP

Quelle: AP

Ramsan Kadyrow:
Der Präsident Tschetscheniens wirbt für das Riesenprojekt. Kein Wunder, schließlich wird der Turm zu Ehren seines Vaters, Achmat Kadyrow, gebaut. Im Jahr 2004 wurde das damalige Staatsoberhaupt der kaukasischen Republik ermordet. 2007 übernahm der Sohn die Macht. Ihm wird unter anderem Mord und Folter vorgeworfen.

Vorstellung des Bauplans imago

Quelle: imago

Vorstellung des Bauplans:
Wenig verwunderlich also, dass der Achmat Tower neben der Sehnsucht nach Prestige auch patriotische Gefühle bedienen soll. So ist die Form so gewählt, dass sie an die Architektur mittelalterlicher tschetschenischer Wachtürme erinnern soll. Und noch eine Sache macht den Turm besonders...

Baustelle des Achmat Tower imago

Quelle: imago

Baustelle des Achmat Tower:
...der Turm soll in einem Gebiet „mit hoher seismischer Aktivität“ entstehen. Im Klartext: In Grosny herrscht eigentlich Erdbebengefahr. Das letzte größere Beben (Stärke 5,3) gab es nahe der Hauptstadt im Jahr 2008. Mehr als 100 Verletzte mussten damals versorgt werden, auch in Grosny herrschte die Angst vor einem größeren Beben.

Fundament imago

Quelle: imago

Fundament:
Erdbeben hin oder her – Ende November 2017 begannen die Bauarbeiten an dem Koloss. Das Fundament ist bereits vorhanden. Es ist ein Achteck. Dieses ist dazu da, die verschiedenen Eingänge zum Turm zu ordnen. So sollen auf der Südseite die Eingänge zu den Büroräumen des Towers liegen. Auf der Westseite sollen die Bewohner der darin geplanten Wohnungen Einlass finden. Und im südlichen Teil soll sich das Hotel „The Address Akhmat Tower Grozny“ befinden.

Empfangshalle:Und so soll in Zukunft der Empfang für die Gäste aussehen. Smart Building

Quelle: Smart Building

Empfangshalle:
Und so soll in Zukunft der Empfang für die Gäste aussehen.

Parkplatz Achmat Tower Smart Building

Quelle: Smart Building

Parkplatz des Achmat Tower:
Und natürlich: Auf dem Parkplatz zum Achmat Tower, der neben Hotel, Büros und Luxusapartments auch ein Einkaufszentrum beherbergen soll, darf ein Mercedes-Wagen nicht fehlen. Für den Großteil der tschetschenischen Bevölkerung dürften die Pläne der Architekten wie ein Märchen lesen. Laut PwC beträgt das Pro-Kopf-Einkommen der rund 1,4 Millionen dort lebenden Menschen 2014 jährlich gerade Mal 104.000 Rubel (ca. 2900 Euro). Mit der Planung ist das internationale Büro Adrian Smith and Gordon Gill beauftragt, das vor allem für ihre Bauwerke in Dubai bekannt sind.

Religiöses Zentrum im Blick imago

Quelle: imago

Religiöses Zentrum im Blick:
Gleich gegenüber dem neuen Wahrzeichen Tschetscheniens befindet sich die zentrale Moschee der Hauptstadt. Nicht alle Bewohner der tschetschenischen Hauptstadt sind deshalb begeistert vom Bau des Turms – schließlich würde der Koloss das Gotteshaus in den Schatten stellen, heißt es in den russischen Medien.

Memorial imago

Quelle: imago

Memorial gefährdet:
Und noch eine Sorge treibt die Bevölkerung um: Das Gebiet des Hochhauses grenzt an ein Denkmal, das an die 500.000 Tschetschenen erinnern soll, die am 23. Februar 1944 von der russischen Armee wegen angeblicher Kollaboration mit der deutschen Wehrmacht deportiert wurden. Bereits in der Vergangenheit wurden mehrere der Grabsteine durch die lokalen Machthaber beschädigt. Nun fürchtet die Bevölkerung, dass das Memorial im Zuge des Neubaus weichen muss, obwohl Behörden das Gegenteil versichern.

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